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Weiterbeschäftigung in der Wissenschaft

Weiterbeschäftigung in der Wissenschaft© Raymond Wijngaard - iStockphoto.com

Ich bin Naturwissenschaftlerin und 40 Jahre alt. Nach Beendigung meines habe ich zunächst einige Jahre in der freien Wirtschaft bzw. an einer Fachhochschule in der Lehre gearbeitet. Danach habe ich in den dafür vorgesehenen 3 Jahre mit Auszeichnung promoviert. Ich habe mich für meine Dissertation in ein komplett neues Fachgebiet eingearbeitet, bin also eine Quereinsteigerin und habe mich vergleichsweise spät für eine Karriere als (Grundlagen-)Wissenschaftlerin entschieden. Als alleinerziehende Mutter weise ich leider überhaupt nicht den straight-forward-Lebenslauf auf, der in der Wissenschaft gefragt ist.

Hier müssen ja bestimmt Karriereabschnitte auch immer zu bestimmten Lebensaltern erreicht werden. Höchstberufungsalter für Professuren in Deutschland ist meist bei 45 Jahren. Die einzige Karriere, die man als Wissenschaftler in Deutschland machen kann, ist die Professur. Alles andere zählt +- als Qualifikationsstellen. Unbefristete Stellen gibt es neben der Professur kaum noch.

Mein Problem ist nun folgendes: Mit meinen 40 Jahren und meinem derzeitigen Status als Postdoc (mit diesem Alter müßte ich bei einem Standardlebenslauf doch zumindest schon Arbeitsgruppenleiter sein) ist es illusorisch für mich, eine Professur bis 45 zu erreichen. Abgesehen von meinem Alleinerziehenden-Status, der mich ohnehin schon etwas weniger kompetetiv da stehen läßt als viele andere Bewerber. Damit habe ich nach Auffassung vieler Geldgeber gar keine Karrierechancen mehr in Deutschland. Entsprechend werden meine Projektanträge, in denen ich meine eigene Stelle einwerben möchte, abgelehnt. Fazit: Wissenschaftliche Ideen excellent, innovativ und kreativ, aber leider im zu späten Karrierestadium. Keiner berücksichtig, dass ich erst seit einigen Jahren Wissenschaft mache. Beantrage ich dagegen Projekte ohne Stellen, v.a ohne meine eigene, bekomme ich sie genehmigt.

Meine Befristungszeit nach WissZeitVg läuft nun allerdings bald aus. Ich liebe meinen Job. Aber danach geht es scheinbar nicht. Es scheint eher darum zu gehen, dass man zur richtigen Zeit im Leben immer nur die richtigen Entscheidungen getroffen hat. Nix Quereinstieg, soft skills, fachübergreifende Kompetenz. Wie könnte nun Ihrer Meinung nach meine Weiterbeschäftigung in der Wissenschaft aussehen? Ich kann und will nicht Professor werden. Es kann schließlich nicht jeder Professor werden. Und mit Wissenschaft hat das, was Professoren machen, auch kaum noch was zu tun. Ich bin im Prinzip solider Mittelbau, mit dessen Hilfe Professoren ihre Ziele und Ideen verwirklichen. Alleine machen die das ja in der Regel nicht. Aber da ich einfach den falschen Lebenslauf habe sieht es für mich in der deutschen (und schweizer) Wissenschaft wohl eher superdüster aus, oder?

Die Antwort des DHV-Expertenteams: Angesichts Ihres Alters von derzeit 40 Jahren wäre eine wissenschaftliche Karriere durchaus noch an Fachhochschulen oder Universitäten denkbar. Die Einstellungsaltersgrenze in den verschiedenen Bundesländern variiert zwischen 45 und 52 Jahren. Eventuell verlängert sich die jeweilige Einstellungsaltersgrenze auch noch um die Zeiten einer Kinderbetreuung. Eine Übersicht über die verschiedenen Einstellungsaltersgrenzen finden Sie hier» (Seiten 412 ff).

Alternativ hierzu käme für Sie vielleicht auch eine Festanstellung im Mittelbau in Betracht.
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