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Welche "ungeschriebenen Regeln" sollte man bei Berufungsvorträgen beachten?

Welche © Maridav - iStockphoto.com

Ich bin dabei, einen Berufungsvortrag um eine Professur auf dem Gebiet "Elektrische Maschinen" vorzubereiten. Daher würden mich die "ungeschriebenen Regeln" für einen solchen Vortrag natürlich brennend interessieren. Darüber hinaus sollte ich meine Vorstellungen über die Ausstattung des Lehrstuhls kundtun.

Gibt es dafür "Richtlinien", d.h. was kann/soll man fordern und was unterlässt man lieber?

Die Antwort des DHV-Expertenteams: Richtlinien im Hinblick auf plausible Vorstellungen über die Ausstattungen eines Lehrstuhls gibt es nicht. Hier ist alles von Fachspezifika und lokalen Bedingungen abhängig. Um glaubwürdig zu erscheinen und "plausible" Vorstellungen unterbreiten zu können, sollten Sie sich im Vorfeld bei potentiellen Kollegen oder Ihren akademischen Lehrern darüber informieren, wie vergleichbare Professuren ausgestattet sind. Auch sollten Sie selbstredend nicht den Bogen überspannen, um die Berufungskommission nicht zu verschrecken.

Im Hinblick auf den Probevortrag kann folgendes gesagt werden:

Unter jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ist oftmals eine gehörige Unsicherheit in Bezug auf die persönliche Präsentation im Probevortrag vor der Berufungskommission, dem sogenannten "Vorsingen", festzustellen. Dabei kann gerade ein gelungener Probevortrag den Ausschlag für die Besetzung der Professur geben. Welche Do's und Dont's sind konkret zu beachten? Die nachfolgenden, sich aus der Berufungspraxis ableitenden Hinweise sollen einen kurzen Überblick über die relevantesten Punkte geben:

1. Übung macht den Meister!
Proben Sie daher Ihren Vortag mehrfach. Halten Sie Ihren Vortrag insbesondere vor Ihnen wohlgesonnenen Personen, die auch vor Kritik nicht zurückscheuen. Zur Kontrolle der eigenen Gestik und Mimik empfiehlt sich der Vortrag vor einem Spiegel.

2. Beachten Sie die Zeitvorgabe der Berufungskommission!
Nichts wirkt unprofessioneller als Ihr Zeitlimit über Gebühr zu beanspruchen. Da einige Kommissionen zwischenzeitlich dazu übergegangen sind, den Probevortrag nach Ablauf der vorgegebenen Zeit abzubrechen, begeben Sie sich überdies in die Gefahr, Ihren Probevortrag nicht beenden zu können. Im Regelfall wird Ihnen ein Zeitlimit von 15 Minuten vorgegeben werden. Längere Vorträge von bis zu 60 Minuten sind zumindest in der Bundesrepublik eher unüblich.

3. Bereiten Sie Ihr Thema anschaulich und dem Auditorium entsprechend vor!
Gleichwohl der Probevortrag im Ansatz natürlich als wissenschaftlicher Vortrag über ein bestimmtes Thema zu konzipieren ist, sollten Sie definitiv davon ausgehen, daß nicht alle Zuhörer Ihrem Thema in Gänze folgen können. Ein didaktisch sinnvoller Aufbau ist also zwingend notwendig. Vermeiden Sie es daher, bereits am Anfang Ihres Vortrages sämtliche Verästelungen des Themas darzustellen. Konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche.

4. Machen Sie sich mit den elementaren Präsentationstechniken vertraut!
Ein häufiger Fehler im Probevortrag ist die mangelnde Bezugnahme auf das Publikum. Wenn Sie PowerPoint-Grafiken oder ähnliches verwenden, achten Sie auf eine sinnvolle Gestaltung der Folien und überfrachten diese nicht mit Inhalten. Bei der Verwendung eines Beamers denken Sie daran, sich während des Vortrages nicht zu Ihrer Folie an der Wand hinzuwenden und folglich Ihren Vortrag mit dem Rücken zum Publikum halten. Ein schwer verzeihbarer Fehler.

5. Halten Sie Blickkontakt!
Vermeiden Sie dabei aber zu flüchtige und wechselnde Augenkontakte. Dies erzeugt lediglich einen gehetzten und unsicheren Eindruck. Setzen Sie Ihre Hände zur Unterstreichung prägnanter Vortragsteile gezielt ein. Last but not least: Trainieren Sie Ihre Stimme. Sprechen Sie zu Ihren Zuhörern und nicht zu sich selbst.

6. Stellen Sie Fragen!
Nach dem Probevortrag wird sich im Regelfall ein internes Gespräch mit der Berufungskommission anschließen. Am Ende eines solchen Gespräches werden Sie definitiv mit einer Frage konfrontiert werden: "Haben Sie noch Fragen?" Hier ist es unabdingbar, Ihr Interesse an der Professur und am Fachbereich gut darzustellen.