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Weltretter und Klimabastler

von ULRICH SCHNABEL

Wie die Deutschen erforschen, ob sich das Klima korrigieren lässt.

Weltretter und Klimabastler© Bart Sadowski - iStockphoto.comLässt sich das Klima durch Erzeugung von künstlichen Wolken beeinflussen?
Es ist im Ausland nicht immer leicht zu vermitteln, wie die Deutschen denken und was sie umtreibt. Warum sie sich zum Beispiel aus kriegerischen Konflikten gern heraushalten - dabei aber zu den größten Waffenexporteuren weltweit zählen; warum sie international als Sicherheitsfanatiker gelten - auf ihren Autobahnen aber einer Raserei frönen, die Zugereiste regelmäßig schockt; oder warum sie mit großem Aufwand etwas erforschen, das sie eigentlich ablehnen und niemals einsetzen wollen.

Deshalb erfordert das neue Schwerpunktprogramm Climate Engineering der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) auch einiges an Erklärkünsten. Denn die Versuche, das Klima gezielt zu manipulieren, haben die Deutschen bislang stets abgelehnt. Viel zu riskant sei die Sache, moralisch bedenklich und vor allem wissenschaftlich fragwürdig. Denn was wurde da von den Klimabastlern nicht schon alles vorgeschlagen, um die Erde abzukühlen: Spiegel im Orbit, die Sonnenlicht reflektieren, künstlich erzeugte Wolken oder Aerosole in der Atmosphäre. Und in den Ozeanen sollen CO2-fressende Algen sprießen, dank gezielter Eisendüngung.

Ob irgendetwas davon wirklich funktioniert (und welche Nebenwirkungen es hätte), weiß bis heute kein Mensch. Gerade diese Wissenslücke dient der DFG nun aber als Begründung für das neue Schwerpunktprogramm. Dessen Ziel sei es, »die großen Unsicherheiten in unserem gegenwärtigen Verständnis ... zu verringern und damit eine wissenschaftliche Basis für einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Thema Climate Engineering zu schaffen«. Mit anderen Worten: Die Deutschen liefern schon einmal die ethische Begleitforschung zu einem Gegenstand, der noch gar nicht existiert. Denn worauf wollen sie ihre Daten stützen, wenn es keine Experimente zur Klimabeeinflussung gibt? Sollte es sie aber doch geben: Wer soll sie durchführen?

Kein Wunder, dass dieses Programm im Ausland für gewisse Irritationen sorgt. Ohnehin beobachten sich große »Klimamächte« wie die USA und China gegenseitig schon argwöhnisch, ob nicht irgendwer Pläne für ein großflächiges Climate Engineering schmiedet. Wer das Klima beeinflusst, verändert es schließlich für alle anderen mit. Wichtig wären deshalb zunächst internationale Vereinbarungen, um die Grenzen dieser heiklen Forschung abzustecken. Dazu müsste das neue DFG-Programm beitragen. Danach könnte man über Experimente und deren Bewertung reden.

Aus DIE ZEIT :: 06.06.2013

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