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Weniger Geiz! Über die finanzielle Lage privater Hochschulen

Von Jan-Martin Wiarda

Es muss ja nicht das Ende sein. Vielleicht, und die Chancen dafür stehen nicht einmal schlecht, schafft es die Hochschulleitung der Universität Witten/Herdecke tatsächlich, neue Partner an Bord zu holen, die selbstlos und ohne Auflagen die nötigen Millionen für den dauerhaften Weiterbetrieb bereitstellen.

Weniger Geiz!: Private Hochschule GeizUniversität Witten/Herdecke
Leider ist es ebenso möglich, dass der Verlust des Hauptsponsors Droege vergangene Woche die erste Station auf dem letzten Weg von Deutschlands bekanntester privater Hochschule markiert. An der fehlenden studentischen Nachfrage wäre Witten dann ebenso wenig gescheitert wie an der mangelnden akademischen Qualität, im Gegenteil: Vor allem unter Wirtschaftswissenschaftlern und Medizinern genießt die Uni einen hervorragenden Ruf, die Bewerberzahlen sind stabil hoch.

Dass gerade Witten/ Herdecke, die noch dazu bei ihrer Gründung 1982 die erste nichtstaatliche Hochschule ihrer Art war, dennoch seit Jahren um ihr Überleben kämpft, ist ein prototypisches Beispiel für das Schicksal vieler, wenn nicht der meisten der gut 70 Privaten hierzulande.

Private Hochschulen brauchen vor allem viele und nicht unbedingt große Spender

In einem von großen staatlichen Hochschulen dominierten Wissenschaftssystem hat sich nie eine Spenden- und Mäzenatenkultur entwickelt, wie sie etwa in den englischsprachigen Ländern üblich ist. Da waren dann schon die 200 Millionen Euro eine Sensation, die die ehemalige International University Bremen (IUB) vor dem Aus bewahrt und ihr gleichzeitig den Namen des Spenders beschert haben. Seitdem heißt die IUB Jacobs University.

Zugegeben: Die Existenz privater Hochschulen ist kein Selbstzweck, nicht wenige der Gescheiterten hatten den Erfolg auch nicht verdient. Außerdem bringen Großspenden, das hat das Beispiel Witten ebenfalls gezeigt, immer wieder die Gefahr wissenschaftlicher Einflussnahme mit sich. Schließlich hat Deutschland - bei aller Unterfinanzierung - ein leistungsfähiges staatliches Hochschulsystem.

Trotzdem wäre es ein enormer Verlust, wenn es Witten & Co nicht gäbe. Sie sind die wendigen Kreuzer unter den schwerfälligen Massenuni-Tankern. Sie sind in der Lage, neue Lehrmethoden auszuprobieren, neue Studienprogramme und Verwaltungsstrukturen. Viele der Reformen, die heute für die staatlichen Universitäten diskutiert werden - von leistungsgerechter Bezahlung der Professoren über unabhängigere Hochschulleitungen bis hin zu einer besseren Betreuung für die Studenten -, haben private Hochschulen schon lange und wie selbstverständlich eingeführt.

Bislang geben die durchaus freigebigen Deutschen ihre Spendenmilliarden für alles aus, nur nicht für die Bildung. Vielleicht ist genau jetzt der Zeitpunkt, das zu ändern. Kleinspender statt Großmäzene braucht das Land, und davon viele. In Witten/Herdecke könnten sie ein erstes Betätigungsfeld finden.

Aus DIE ZEIT :: 28.08.2008

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