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Wer eine Idee hat, baut einfach einen Prototyp


Das Gespräch führte GABRIELE MEISTER

Massenveranstaltungen? Lustlose Professoren? Nicht hier! Larissa Nietner über ihr Studium am Massachusetts Institute of Technology.

Wer eine Idee hat, baut einfach einen Prototyp© ndul - 123rf.deBei einer Bewerbung am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT), zählt vor allem die Fähigkeit quer und innovativ denken zu können
DIE ZEIT: Frau Nietner, vor einigen Wochen haben Sie einen Maschinenbau-Master am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) begonnen. Was ist Ihr erster Eindruck?

Larissa Nietner: Es ist einfach Wahnsinn! Man trifft hier so viele kreative Leute, zu jedem Themengebiet gibt es Ansprechpartner, und die Kurse sind klein, meist nur 20 Leute. Deshalb ist das Lerntempo sehr hoch, aber die Professoren achten immer darauf, dass jeder mitkommt. Das ist keine Massenabfertigung. Außerdem ist die Ausstattung super: Wer eine Idee hat, kann sofort loslegen und einfach einen Prototyp bauen.

ZEIT: Das klingt fast so, als seien die Bedingungen viel besser als dort, wo Sie vorher studiert haben, an der FH in Konstanz.

Nietner: In Konstanz hatte ich auch kleine Kurse, und es gab in der Nähe viele Industriebetriebe, die offen sind für Praktika. Ich habe zum Beispiel bei der Manz AG und beim Fraunhofer Institut an neuen Fertigungstechnologien gearbeitet. Ein großer Vorteil deutscher Hochschulen ist auch, dass man kaum Geld für sein Studium bezahlen muss. Am MIT ist das anders, aber es herrscht auch ein anderer Geist: Die Leute haben einfach Spaß daran, etwas zu bewirken. Den Professoren ist der Praxisbezug sehr wichtig, und es gibt viele studentische Unternehmensgründungen, deutlich mehr als in Deutschland. Eine total inspirierende Umgebung.

ZEIT: Im letzten Jahr haben sich fast 40.000 Studenten am MIT beworben, nur 17 Prozent haben einen Platz bekommen. Was glauben Sie, warum Sie es geschafft haben?

Nietner: Anfangs wollte ich mich gar nicht bewerben, eine USA-begeisterte Kommilitonin hat mich angestiftet. Sie wollte unbedingt jemanden haben, den sie mal am MIT besuchen kann. Ich dachte nicht, dass ich eine Chance habe. Wenn ich mir die Leute hier so angucke, dann zählt bei der Bewerbung wohl vor allem, quer und innovativ denken zu können. Das ist wichtiger als gute Noten. Die hatte ich zwar auch, aber mein Engagement hat sicher einiges gezählt: Ich habe mich vor drei Jahren mit Webdesign selbstständig gemacht. Später habe ich noch ein anderes Start-up übernommen, an der Hochschule einen Gründerstammtisch ins Leben gerufen und mich außerdem als Tutorin, in der Fachschaft und der Studienkommission für die unteren Jahrgänge engagiert. Und nach Feierabend habe ich unter anderem in einer Dreherei Roboter programmiert und damit einen Großteil meines Studiums finanziert.

ZEIT: Was sind Ihre Schwerpunkte am MIT?

Nietner: Neben meinem Maschinenbau-Studium arbeite ich mindestens 20 Stunden pro Woche in der Forschung, wie die meisten Masterstudenten hier. Die Studiengebühren liegen bei 33.000 Euro im Jahr, werden aber erlassen, wenn man in der Forschung arbeitet. Wir konstruieren zum Beispiel eine Anlage, mit der man Leiter bahnen, also Silberdrähte, so einfach auf Folie drucken kann wie Buchstaben auf Zeitungspapier. Außerdem beteilige ich mich an einem Mentoringprogramm und bringe Schülerinnen bei, wie man Websites erstellt.

ZEIT: Und welche Pläne haben Sie noch?

Nietner: Eigentlich viel zu viele. Zum Beispiel möchte ich technisches Spielzeug für Mädchen vertreiben. Sie können auch so viel Spaß daran haben, etwas zu erschaffen und zu programmieren. Aber sie wissen es oft nicht oder trauen es sich nicht zu. Das will ich ändern.


Aus DIE ZEIT :: 01.11.2012

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