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Bulgarien

von Catalina Schröder

Wenn ein Bulgare bei einer Verhandlung den Kopf schüttelt, ist das keinesfalls als Ablehnung zu verstehen.

Wie die Welt verhandelt - Bulgarien© Laurent davoust - iStockphoto.comIn Bulgarien zeugt ein lautstark geführtes Geschäftsgespräch von hohem Interesse am Thema
Wer sich auf die Gesten seiner bulgarischen Geschäftspartner verlässt, kann schnell in die Irre geführt werden. Denn Kopfschütteln bedeutet Zustimmung, zweimaliges Nicken hingegen Ablehnung. Versucht der Bulgare, sich an die deutsche Gestik anzupassen, oder der Deutsche an die bulgarische Körpersprache, ist die Verwirrung manchmal noch größer. Bulgaren werden während des Gesprächs oft laut und gestikulieren viel. Das bedeutet nicht, dass sie aufgebracht sind, sondern es gehört zum normalen Gesprächsverhalten dazu und zeigt, dass derjenige sich besonders für das Thema interessiert. Gleichzeitig werden Informationen viel indirekter ausgetauscht. Jemandem direkt zu sagen, was man denkt, gilt als unhöflich. »Wenn Sie möchten, dass jemand das Fenster öffnet, würden Sie diese Aufforderung in einer Frage verpacken«, erklärt Kulturtrainerin Mirella Simeonova. »Sie würden denjenigen zum Beispiel fragen, ob er die Luft im Raum auch als stickig empfindet.«

In Bulgarien sind Hierarchien wesentlich ausgeprägter als in Deutschland. In Teambesprechungen redet der Vorgesetzte mehr als seine Mitarbeiter. »In einer größeren Runde würde ein Angestellter seinem Chef auch keine Vorschläge machen«, sagt Simeonova. »Wenn der Vorgesetzte die Idee ablehnt, gilt das als Gesichtsverlust. Nimmt er sie an, wären die anderen Mitarbeiter blamiert, die nicht an diesem Vorschlag beteiligt waren.« Ideen entstehen daher eher in Zweiergesprächen und kleineren Runden. Von ihrem Chef erwarten die Mitarbeiter in größeren Besprechungen klare Anweisungen. Im Unterschied zu Deutschen, die häufig eine Aufgabe nach der anderen abarbeiten, erledigen Bulgaren gerne viele Dinge gleichzeitig. Dass sie während einer Besprechung zwischendurch telefonieren, E-Mails oder SMS schreiben oder kurz den Raum verlassen, ist nicht respektlos gemeint.

Wer zum Essen in einer Privatwohnung eingeladen ist, sollte ein Gastgeschenk mitbringen, zum Beispiel Wein für den Mann und Blumen für die Frau. »Kaufen Sie unbedingt eine ungerade Anzahl Blumen«, erklärt Mirella Simeonova. »Eine gerade Anzahl bringt man nur zu Beerdigungen mit.«

Aus DIE ZEIT :: 13.09.2012

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