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Grossbritannien

von KATI THIELITZ

Distanziertes Verhalten gehört in Grossbritannien zum guten Ton. Direkte Kritik kann der Geschäftsbeziehung jedoch schaden.

Wie die Welt verhandelt - Grossbritannien© Laurent davoust - iStockphoto.comBritische Führungskräfte wollen gemocht werden
Wer geschäftlich in Großbritannien unterwegs ist, sollte von exzessivem Händeschütteln, Besserwisserei und Drängelei am Buffet oder vor dem Pub absehen. Briten schätzen Distanz. Sie begrüßen sich nur dann per Händedruck, wenn sie sich zum ersten Mal treffen oder sehr lange nicht gesehen haben. Der Abstand zum Gegenüber wird auch beim Small Talk gewahrt: Überaus angeregt können sich britische Geschäftspartner über das Wetter, die Anreise oder die Premiere in der Oper unterhalten - Privates aber bleibt privat. Wer auf die Frage »How are you?« antwortet, indem er von Kopfschmerzen, Müdigkeit oder persönlichen Problemen erzählt, irritiert nur.

Äußerst ungeschickt wäre es zudem, eine Idee des Geschäftspartners direkt zu kritisieren. »Besser ist es, Zweifel oder Ablehnung als höfliche Frage etwa nach den Vorteilen der Idee zu formulieren«, sagt William Farrell, Coach für britische Geschäftskommunikation. »Britische Führungskräfte delegieren gern, sie achten auf Harmonie und wollen von allen gemocht werden.« Täuschen lassen sollte man sich durch das britische Harmoniebedürfnis aber nicht. Selbst Anweisungen werden als höfliche Bitten formuliert. Das »tiny problem« meint meist kein winziges, sondern ein größeres Problem; »very interesting« bedeutet zumindest Skepsis oder gar Desinteresse.

Um das Gegenüber kennenzulernen, laden Briten gern zu einem Essen nach Hause ein. Der Gast sollte Farrell zufolge zumindest eine Kleinigkeit mitbringen - das drückt Wertschätzung aus. Bei der Konversation dort sollte man sich eher abwartend verhalten und nicht mit eigenen Leistungen prahlen. Nicht immer verstehen Deutsche den britischen Humor, was sie laut Farrell ihr Gegenüber aber besser nicht spüren lassen sollten, angebrachter wäre es, mitzuschmunzeln. »Wenn ein Deutscher in Großbritannien über sich selbst lachen kann, punktet er enorm - alles runterschlucken muss man aber nicht.«

Aus DIE ZEIT :: 13.09.2012

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