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Niederlande

von Jenni Roth

Wer auf Doktortitel und Hierarchiegebaren verzichten kann, hat gute Karten im niederländischen Geschäftsleben.

Wie die Welt verhandelt - Niederlande© Laurent davoust - iStockphoto.comIn den Niederlanden wird auf Augenhöhe verhandelt
Der Anzug aus feinstem Stoff, das Auto ein Porsche, ein sichtbarer Doktortitel, und dazu noch ein höfliches Sie mit Händedruck - beste Voraussetzungen, um sich das Geschäft mit einem Holländer gründlich zu verderben. Das Schlüsselwort für Erfolg im niederländischen Arbeitsleben heißt Gleichheit, meint Jiri van den Kommer, Chef des interkulturellen Beratungsunternehmens Crossing Cultures und selbst Holländer.

Hierarchien werden in den Niederlanden kleingeschrieben. So sei es ganz normal, dem Chef öffentlich zu widersprechen, und selbst wer unvorbereitet zu einem Kreis erfahrener Experten stößt, werde angehört und ernst genommen. »Es gibt da nicht den einen Doktor, der die Welt erklärt. Und überhaupt, ein Doktor ist in den Niederlanden ein Arzt.« Oft ist nicht auf den ersten Blick ersichtlich, wer der Chef ist: Er kommt mit dem Fahrrad zur Arbeit, wird geduzt und lässt seine Tür offen stehen. Statussymbole sind den Niederländern fremd. Wenn ein deutscher Chef in den Niederlanden für seinen Luxusschlitten einen eigenen Parkplatz vor dem Büro haben will, werde ihm schnell klargemacht, »dass das so nicht geht«, sagt der Kommunikationsspezialist van den Kommer.

Hier die feminine, dort die eher maskuline Unternehmenskultur, so bringt er es auf den Punkt. Werte wie Bescheidenheit, Kompromissbereitschaft, Zusammenarbeit stehen in Verhandlungen oft gegen deutsches Wettbewerbs-, Erfolgs- und Besitzdenken. »In den Niederlanden geht es darum, Infos zu teilen. Aber in Deutschland heißt Wissen Macht, und die teilt man nicht gern.« Die Deutschen planen Projekte minutiös oder formulieren Beschreibungen bis ins letzte Detail, um auch den letzten Unsicherheitsfaktor auszumerzen. »Die Holländer haben keine Lust, wochenlang zu planen.« Es soll schnell gehen, und sie probieren lieber aus, als sich an Theorien und Regelwerke zu orientieren. Jiri van den Kommer nennt das: »Pragmatisch.«

Aus DIE ZEIT :: 13.09.2012

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