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Schweiz

von Catalina Schröder

Zwischentöne verstehen und sich richtig verabschieden - Tipps für richtiges Auftreten bei einem Geschäftstermin in der Schweiz.

Wie die Welt verhandelt - Schweiz© Laurent davoust - iStockphoto.comBei einem Geschäftstermin in der Schweiz sollte auf Zwischentöne geachtet werden
Viele Deutsche glauben, dass in der Schweiz alles genauso funktioniert wie in Deutschland, nur weil das Land an Deutschland grenzt und auch die gleiche Sprache gesprochen wird. »Wer das glaubt, begeht schon einen großen Fehler«, erklärt Alexander Drews, Trainer der interkulturellen Beratung Eidam und Partner. In allen Teilen der Schweiz legen die Menschen viel Wert auf Höflichkeit, bedanken und entschuldigen sich häufig. »Für viele Deutsche wirken die Schweizer anfangs sehr freundlich. So ist es häufig ein Kulturschock, wenn sie erkennen, dass die Schweizer aber lediglich höflich sind und nicht immer freundlich. Deutsche sind eine wesentlich direktere Kommunikation gewöhnt und wirken auf die Schweizer dadurch oft unabsichtlich ruppig und arrogant.« Da Schweizer viele Dinge unausgesprochen lassen, rät Drews dazu, besonders sensibel auf die Zwischentöne zu hören und darauf, in welcher Reihenfolge Dinge gesagt werden.

Auch Selbstverständliches wird in der Schweiz ausführlich erklärt. Aufforderungen werden nie direkt, sondern immer im Konjunktiv formuliert. »Meetings beginnen, bevor sie angefangen haben«, erklärt Kulturexperte Drews. »Es ist für einen Schweizer ganz normal, sich schon vor dem Treffen mit allen Beteiligten über ihre Standpunkte auszutauschen. Das Ergebnis steht oft zum großen Teil schon vor dem Meeting fest.« Dass ein Vorgesetzter die Liste der Tagesordnungspunkte ändert, kommt in der Schweiz selten vor. Dadurch sollen alle Mitarbeiter die Chance haben, sich an der Entscheidungsfindung zu beteiligen. »In der Schweiz herrschen flache Hierarchien, Gruppenentscheidungen sind heilig«, erklärt Drews.

In der deutschsprachigen Schweiz sollte man sich auf keinen Fall mit »Tschüs« von einem Geschäftspartner trennen. Das Wort benutzt man hier nur, um Freunde zu verabschieden, es gilt als flapsig und könnte von Geschäftspartnern wie ein Rausschmiss verstanden werden. Die Schweizer sagen stattdessen »Ade«.

Aus DIE ZEIT :: 13.09.2012

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