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Südafrika

von Kathrin Fromm

In Südafrika zählt das Potenzial, weniger das Manko. Diese optimistische Betrachtung, sollte bei Verhandlungen einkalkuliert werden.

Wie die Welt verhandelt - Südafrika© Laurent davoust - iStockphoto.comIn Südafrika stehen Familienangelegenheiten vor Geschäftsterminen
Kommen Sie zum Braai? Die richtige Antwort lautet: Ja. Denn eine Einladung zu dieser südafrikanischen Variante des Grillens sollte auf keinen Fall ausgeschlagen werden, auch nicht wenn der Termin abends oder am Wochenende ist. Auch andere gemeinsame Aktivitäten mit Geschäftspartnern und Kunden sind üblich. Man trifft sich zum Golfen oder diskutiert bei Workshops über die Entwicklung des Landes oder den Umweltschutz. Privat- und Arbeitsleben sind in Südafrika nicht so stark getrennt wie in Deutschland. Fragen nach Familie und Freizeit sind deshalb ein guter Gesprächsbeginn: Was macht Ihr Partner? Auf welcher Schule sind die Kinder? Wohin geht's am Wochenende? Schauen Sie Rugby? Europäer sollten Verständnis dafür haben, dass Familienangelegenheiten hier an erster Stelle stehen.

»Es kommt durchaus vor, dass ein Manager auch während eines wichtigen Projekts zu einer dreitägigen Beerdigung fährt«, berichtet Johannes Kurt vom Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft, der während seines Studiums in Südafrika war und dort für verschiedene Verbände und Organisationen gearbeitet hat.

Unterschiedlich ist auch die Art der Kommunikation. Während Deutsche gerne direkt sind, umschreiben Südafrikaner mehr. Es dauert, bis sie auf den Punkt kommen. Eine Angewohnheit, die man sich auch für das Geschäftsleben antrainieren sollte. »Was ist da los? Die Busse kommen nie pünktlich!«: Wer bei einem ersten Treffen mit Behördenmitarbeitern so lospoltert, wird wenig Erfolg haben. Zielführender ist es, das Verbesserungspotenzial des öffentlichen Nahverkehrssystems anzusprechen. Eine beliebte Floskel in diesem Zusammenhang: »room for improvement«. Johannes Kurt sagt: »Südafrikaner sehen eher das Potenzial als das Manko. Das führt zu einem großen Optimismus.« Diesen optimistischen Blickwinkel sollte man auch im Hinterkopf haben, wenn es um südafrikanische Zusagen geht, die nicht immer realistisch sind. »Wir liefern bis Jahresende soundso viele Teile zum folgenden Preis.« Oder die Versicherung, in wenigen Minuten zurückzurufen. In beiden Fällen sollte man nicht unbedingt damit rechnen, dass die Zusagen genauso eingehalten werden. Dafür wird zumindest bei Meetings Wert auf Pünktlichkeit gelegt, dabei gleichen sich Deutsche und Südafrikaner.

»Die Deutschen werden in Südafrika generell positiv gesehen. Und sie haben keine Vergangenheit als Kolonialherren«, sagt Johannes Kurt und kommt damit auch auf ein Thema zu sprechen, das es zu vermeiden gilt: Politik. Im Zweifel hilft da ein Wechsel ins Private: Kommen Sie zum Braai?

Aus DIE ZEIT :: 13.09.2012

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