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Wie läuft ein Bewerbungsverfahren für Professuren in Deutschland üblicherweise ab?

Wie läuft ein Bewerbungsverfahren für Professuren in Deutschland üblicherweise ab?© kallejipp - Photocase.com

Ich habe mich in den letzten 1,5 Jahren 23-mal europaweit auf W2-/ und W3-Professuren beworben, größtenteils in Deutschland. Ich habe zuvor meine Unterlagen von drei Uni-Professoren begutachten lassen. In Deutschland habe ich immer eine Eingangsbestätigung erhalten. Von insgesamt 20 Bewerbungen habe ich keine einzige Einladung erhalten und nur zwei Absagen, von 18 Bewerbungen habe ich nie wieder etwas gehört.

Man hat immer wieder das Gefühl, dass viele Stellen nur der Form halber ausgeschrieben sind. Auch eine oftmals sehr kurze Bewerbungsfrist erscheint hierbei verdächtg. Zum Vergleich: Bei einer Bewerbung in Norwegen habe ich eine Woche nach der Bewerbungsfrist sogar die Bewerber-Liste zugeschickt bekommen. Wieso ist das in Deutschland so anders? Gibt es überhaupt einheitliche Regelungen für den Ablauf eines Bewerbungsverfahrens?

Die Antwort des DHV-Expertenteams: In Deutschland gilt der Grundsatz, dass Stellen im öffentlichen Dienst öffentlich auszuschreiben sind. Dieser Grundsatz ist auch speziell für Professuren in den jeweiligen Landeshochschulgesetzen gesetzlich verankert. Idealerweise sollten Sie in der Tat bei einer Bewerbung entweder zumindest eine Eingangsbestätigung oder eine Absage erhalten. Eventuell können Sie erwägen, in den Bewerbungsverfahren, von denen Sie nach Ihrer Bewerbung nie wieder etwas gehört haben, nachzuhorchen, woran dies lag.

Für die Länge von Bewerbungsfristen gibt es keine gesetzliche Vorgabe.

Die Erfahrung, welche Sie in Norwegen gemacht haben, dass Ihnen eine Woche nach der Bewerbungsfrist sogar die Bewerberliste geschickt wurde, entspricht nicht den deutschen Usancen. Üblicherweise bekommen die Bewerber, die zum Bewerbungsvortrag eingeladen werden, eine schriftliche Einladung und eine endgültige Absage an alle Bewerber erfolgt üblicherweise erst nach konkreter Besetzung der Stelle. Da sich an eine erfolgreiche Bewerbung noch umfangreiche Berufungsverhandlungen hinsichtlich Ausstattung und Besoldung anschließen, kann es durchaus geschehen, dass zwischen der Ausschreibung und der konkreten Besetzung einer Stelle teilweise im Einzelfall zwei Jahre liegen können.
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