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Wie laufen die Berufungsverhandlungen ab?

Wie laufen die Berufungsverhandlungen ab?

Ich würde gerne mehr darüber erfahren, wie eine Berufungsverhandlung verläuft, was dabei zu beachten ist und was die ungeschriebenen Regeln dabei sind?

Woher kann ich Informationen und Unterstützung zum Führen einer Berufungsverhandlung für eine W3 Stelle als Fachbereichsleiter bekommen? Gibt es Anhaltswerte für die Besoldung (W3 plus etwaige Zulagen)?

Die Antwort des DHV-Expertenteams: Die Berufung (auch: der "Ruf") ist das Angebot der Professur an den Bewerber. Dabei ist die Berufung aber nur ein Teil des sog. Verfahrens zur Besetzung einer Professur. Ziel dieses Verfahrens ist die Ernennung zum Professor.

Dieses mehrstufige Verfahren teilt sich auf in die Berufungsverhandlungen und das Ernennungsverfahren.

a) Berufungsverfahren

Das Berufungsverfahren findet vor dem Ernennungsverfahren statt. Es besteht aus mehreren Schritten:

  1. Freiwerden bzw. Schaffung einer (neuen) Professur;
  2. Entscheidung über die zukünftige Verwendung der Professorenstelle;
  3. regelmäßig: öffentliche Ausschreibung in geeigneten Zeitschriften;
  4. die Fakultät setzt eine Berufungskommission ein, die die Bewerbungen sichtet und der Fakultät einen Berufungsvorschlag zur Beschlussfassung vorlegt. Auf welchem Wege die Berufungskommission die Berufungsliste (sog. Dreierliste) erstellt, steht weitgehend in ihrem Ermessen. Verlangt werden kann bspw. ein Vorstellungstermin, ein Vortrag oder Kolloquien. Ebenso können auswärtige Gutachten eingeholt werden;
  5. Prüfung und ggf. Weiterleitung des Berufungsvorschlags über die Fakultät an das kollegiale Zentralorgan;
  6. Weiterleitung an den zuständigen Minister (bzw. Senator) oder an die Hochschulleitung;
  7. Ruferteilung regelmäßig an den erstplazierten Wissenschaftler auf der Berufungsliste durch den zuständigen Minister (bzw. Senator) oder die Hochschulleitung. Dieser "Ruf" ist das Angebot an den Bewerber, die Professur zu übernehmen;
  8. Eintritt in die Berufungsverhandlungen mit der Hochschule und ggf. auch mit dem Ministerium bzw. der Senatsverwaltung;
  9. Berufungsvereinbarung, mithin die schriftliche Fixierung der in den Berufungsverhandlungen getroffenen Absprachen.

b) Ernennungsverfahren

Das beamtenrechtliche Ernennungsverfahren wird im Falle der Einigung mit dem Ziel der Begründung eines Beamtenverhältnisses durchgeführt. Es gelten die üblichen Regeln des Beamtenrechts.

  1. Prüfung der allgemeinen beamtenrechtlichen Voraussetzungen.
  2. Ausfertigung und Aushändigung der Ernennungsurkunde.

c) Verhandeln: wie führe ich Verhandlungen bei Berufungen?

Der Rufinhaber tritt nach Ruferteilung in Berufungsverhandlungen ein. Diese sind ggf. noch zweigeteilt. Auf der einen Ebene verhandelt der Professor über seine räumliche, sachliche und personelle Ausstattung mit der Hochschule, auf der anderen Ebene dienst- und beamtenrechtliche Fragen mit dem für ihn zuständigen Minister/Senator. Bei Konstellationen, in denen der Hochschule die Dienstherreneigenschaft übertragen worden ist (z. B. bei Stiftungshochschulen in Niedersachsen, Universitäten im Land Berlin), finden Verhandlungen nur mit der Hochschule statt. Im Zuge der Einführung der W-Besoldung wird die genannte Zweiteilung aber auch darüber hinaus immer weiter aufgegeben. Bereits heute wird auch die Besoldung regelmäßig mit der Hochschulleitung verhandelt. Der Ruf wird in einigen Ländern noch vom Minister/Senator erteilt, in anderen Ländern bereits von der Hochschulleitung.

d) Berufungsverhandlungen mit der Hochschule

Maßgeblich in den Verhandlungen mit der Hochschule über die Ausstattung sind die Umstände des Einzelfalls. Entscheidend sind dabei nicht nur finanzielle Zwänge, sondern auch Fächerspezifika, die Reputation des Rufinhabers, der Hochschulort und ob es sich um eine Erst- oder Mehrfachberufung handelt.

Verhandlungen auf Basis der Bundesbesoldungsordnung W sind wesentlich individueller und komplexer als dies bisher bei Verhandlungen nach der Bundesbesoldungsordnung C der Fall war. Jenseits der Grundbesoldung dominiert das Prinzip der Vertragsfreiheit. Zu beachten ist, dass neben der in Betracht kommenden Grundbesoldung auch die Gewährung von Leistungsbezügen vereinbart wird.

Auch sollte festgelegt werden, ob Leistungsbezüge einmalig, befristet oder unbefristet gewährt werden. Ferner sollten Regelungen über die Ruhegehaltfähigkeit und über die Dynamisierung, d. h. die regelmäßige Besoldungsanpassung, getroffen werden.

Schließlich sind die Verhandlungsergebnisse über die räumliche Unterbringung, die Zahl und die Besoldung der Mitarbeiter, die Investitionsmittel und die laufenden Mittel explizit schriftlich zu fixieren.

e) Berufungsverhandlungen mit dem Ministerium/ der Senatsverwaltung

Hier werden vor allem die dienst- und beamtenrechtlichen Fragen geklärt, soweit hierfür nach neuer Rechtslage nicht bereits die Hochschulleitung zuständig ist. Dabei ist zu klären, ob einer Ernennung des Rufinhabers zum (Lebenszeit-) Beamten erfolgt oder die Beschäftigung in einem Angestelltenverhältnis vorgesehen ist. Entscheidend hierfür sind bspw. die haushalts- bzw. beamtenrechtlichen Einstellungsaltersgrenzen des jeweiligen Bundeslandes. Weitere Verhandlungspunkte im Ministerium sind typischerweise Fragen der Umzugskostenvergütung, des Trennungsgeldes, der Reisekosten sowie Vereinbarungen über Nebentätigkeiten und Erfindungsverwertung.

Die ungeschriebenen Regeln einer Berufungsverhandlung können in diesem Rahmen, wofür wir Sie vielmals um Verständnis bitten, nur skizziert werden. Die wichtigste Regel lautet: Perfekte Information! Präparieren Sie sich also vor jedem Gespräch gut mit Informationen über die handelnden Personen, über die vorhandenen Strukturen, über das Profil der Professur und der Hochschule, die rechtlichen Rahmenbedingungen usw.. Informieren Sie sich darüber, wie vergleichbare Professuren "ausgestattet" sind. Informieren Sie sich über den Ausstattungs-Statusquo. Gehen Sie "bottom-up" vor. Besprechen Sie vor Ihrer Verhandlung mit der Hochschulleitung auf dezentraler Ebene Ihre Konzeption mit Ihren wichtigsten "Verbündeten" (Beispiel: Dekan, Institutsdirektor, Leiter der Berufungskommission). Aufgrund all dieser Informationen sollten Sie ein passgenaues Konzeptionspapier entwickeln, aus dem sich Ihre Visionen für die beiden Bereiche Forschung und Lehre ergeben.

Es empfiehlt sich, im Rahmen von Berufungsverhandlungen eine konkrete Einzelfallberatung in Anspruch zu nehmen. Diese bietet der Deutsche Hochschulverband seinen Mitgliedern an. Vertieft werden derartige Fragestellungen auch in dem Seminar "Karriere und Berufung" (www.karriere-und-berufung.de).