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Wie schaffe ich den Berufseinstieg in die Wissenschaft?

Wie schaffe ich den Berufseinstieg in der Wissenschaft?© channah - stock.xchng

Vor kurzem habe ich in der Literaturwissenschaft promoviert und würde sehr gerne weiterhin in Forschung (und Lehre) als wissenschaftliche Mitarbeiterin, Post-Doc-Stipendiatin o.ä. tätig werden. Ich würde Sie gerne in mehreren Anliegen ansprechen:

1. Initiativbewerbungen im Bereich Wissenschaft

Wäre es sinnvoll und empfehlenswert, sich bei den geeigneten Instituten an den Universitäten, Forschungseinrichtungen, Graduiertenkollegs, Forschergruppen oder Forschungssonderbereichen initiativ zu bewerben? Sind da zumindest einige positive Rüchmeldungen zu verzeichnen? Was ist bei derartigen Bewerbung besonders zu beachten?

2. Referenz/Empfehlungsschreiben eines Professors

Kann ich meinen Doktorvater (und einen weiteren Professor?) um eine Referenz allgemeinen Charakters - also nicht für ein konkretes, mit ihm abgesprochenes Forschungsvorhaben - bitten, die ich dann der Bewerbung um eine geeignete Stelle beifügen kann, oder ist es etwas bedenklich, da er ja nicht weiß, wo genau und wie oft ich mich bewerbe, bzw. wo sein
Schreiben landet?

3. Urkunden/Zeugnisse

Ich habe am Essaywettbewerb des Deutschen Studienpreises teigenommen. Mein Beitrag wurde leider nicht prämiert, ich habe jedoch die Urkunde über die Teilnahme bekommen. Soll ich sie in meine Bewerbungsmappe aufnehmen? Oder ist es eher ein schlechter Ersatz? Eine verwandte Frage: Wäre es hilfreich, den Bewerbungsunterlagen ein Arbeitszeugnis (als studentische Mitarbeiterin in einem Verlag) beizufügen, oder ist das Zeugnis für wissenschaftliche Berufe eher uninteressant.

4. Akademische Rätin

Laut mehrerer von mir studierten Ausschreibungen ist die Lehrerfahrung für die Besetzung der Stelle der akademischen Rätin ausschlaggebend. Oft (immer?) wird die Berufserfahrung von drei Jahren und einigen Monaten erwähnt. Ist diese Voraussetzung sehr ernst zu nehmen? D.h. wenn ich keine Erfahrung in der Lehre habe, soll ich von Anfang an auf die Bewerbung verzichten? Dürfen sich auf eine solche Stelle auch nicht deutsche StaatsbürgerInnen bewerben, oder ist es immer eine Beamtenstelle?

Die Antwort des DHV-Expertenteams: Sofern Sie eine wissenschaftliche Karriere anstreben, bestünde zunächst die Möglichkeit, als wissenschaftliche Mitarbeiterin an einer Hochschule zu arbeiten. Allerdings ist darauf hinzuweisen, dass eine dauerhafte Anstellung als wissenschaftliche Mitarbeiterin eher selten ist. Vielmehr sind wissenschaftliche Mitarbeiterstellen regelmäßig befristet und werden dazu genutzt, eine weitere wissenschaftliche Qualifikation zu erwerben, etwa um eine Habilitation durchzuführen. Eine wissenschaftliche Mitarbeiterschaft kann auch im Beamtenverhältnis durchgeführt werden. Eine Verbeamtung setzt u. a. voraus, dass der Betreffende entweder die deutsche oder aber die Staatsangehörigkeit eines Mitgliedsstaates der EU besitzt. In Ausnahmefällen kann eine Verbeamtung auch vorgenommen werden, wenn die betreffende Person die Staatsangehörigkeit eines Drittstaates besitzt.

Sollte eine Verbeamtung bei Ihnen nicht in Betracht kommen können, so kann die Position einer akademischen Rätin auch im Angestelltenverhältnis bekleidet werden. Was die Einstellungsvoraussetzungen für die Position eines akademischen Rates anbelangt, so sind die jeweiligen Hochschulgesetze der betreffenden Bundesländer einschlägig. In der Regel setzt die Einstellung als akademischer Rat voraus, dass ein fachlich einschlägiges abgeschlossenes Hochschulstudium sowie ein in dem entsprechenden Fach erworbener Doktorgrad vorliegen. Darüber hinaus wird in einigen Bundesländern gefordert, dass nach dem Erwerb des Doktorgrades eine mehrjährige wissenschaftliche praktische Tätigkeit im einschlägigen Fach hauptberuflich ausgeübt wurde. Bei Bewerbungen auf Ausschreibungen empfiehlt es sich regelmäßig, sich sehr genau den Ausschreibungstext und das dort beschriebene Qualifizierungsprofil anzusehen. Ihre Bewerbung sollte zu den geforderten Aspekten jeweils einen Hinweis enthalten, der erkennen lässt, dass Sie die ausgeschriebene Position sehr gut ausfüllen können.

In die Bewerbungsunterlagen können Sie selbstverständlich ein Referenz- bzw. Empfehlungsschreibens Ihres Doktorvaters einstellen. Allerdings sollten Sie darauf achten, dass dieses Schreiben nicht nur ein allgemeines Lob enthält, sondern durchaus auch auf Ihre wissenschaftliche Qualifikation Bezug nimmt.

Was das von Ihnen angesprochene Zeugnis über die Teilnahme an einem Essaywettbewerb anbelangt, so scheint mir dieses im Zusammenhang mit einer Bewerbung auf eine wissenschaftliche Position als nicht unbedingt hilfreich. Ähnlich dürfte es mit dem Arbeitszeugnis über Ihre Zeit als studentische Mitarbeiterin in einem Verlag sein. Etwas anderes kann allerdings gelten, sofern in der Ausschreibung Fähigkeiten verlangt werden, über die sich das betreffende Arbeitszeugnis positiv verhält.

Selbstverständlich ist es jederzeit möglich, sich nicht nur auf ausgeschriebene Stellen im wissenschaftlichen Bereich zu bewerben, sondern auch initiativ an die einzelnen Fachbereiche von Universitäten oder an Forschungsinstitutionen heranzutreten. Inzwischen präsentiert sich fast jede Hochschule mit ihrem eigenen Stellenmarkt im Internet.

Als Beispiel sei nur die Universität Heidelberg genannt, die unter der Adresse www.listserve.uni-heidelberg.de/science-jobs Stellenausschreibungen von Wissenschaftlern für die Wissenschaft ins Netz stellt. Häufig werden dort auch vakante Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiter veröffentlicht. Auch unter www.academics.de kann man sich, nach Fachbereichen geordnet, über die aktuellen Ausschreibungen der Universitäten informieren. Inzwischen bietet vor allem die Wochenzeitung DIE ZEIT und die monatlich erscheinende Zeitschrift Forschung & Lehre einen Überblick über den aktuellen akademischen Stellenmarkt. Sollten Sie sich für eine Initiativbewerbung entscheiden, so gilt der Grundsatz, dass Sie sich im Vorfeld der Bewerbung intensiv bemühen sollten, wichtige Informationen zu Ihrem potentiellen Arbeitgeber zu sammeln, etwa im Hinblick auf mögliche Einsatzbereiche und Forschungsschwerpunkte.
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