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Wissenschaft oder Wirtschaft - Zwei Physiker im Interview

Von Birk Grüling

Wissenschaft oder Wirtschaft - das ist für viele die Frage. academics hat zwei Physiker interviewt, die ähnliche Interessen und Voraussetzungen haben, sich aber jeweils für die Wissenschaft bzw. die Wirtschaft entschieden haben. Eine Gegenüberstellung.

Wissenschaft oder Wirtschaft - Zwei Physiker im Interview© fotomek - Fotolia.comEine Gegenüberstellung zweier Physiker zwischen Wissenschaft und Wirtschaft

DIE ENTSCHEIDUNG FÜR DIE WIRTSCHAFT

Als promovierter Physiker stand auch Bertram Manz einst vor der Entscheidung, entweder die wissenschaftliche Laufbahn zu gehen oder in die Industrie zu wechseln. Er hat sich für die Wirtschaft entschieden.

Name/Alter/Familie:
Bertram Manz, 47 Jahre, verheiratet, 2 Kinder

Aktuelle Stelle/Berufsbezeichnung:
Senior applications engineer

Unternehmen:
Magritek Limited, Wellington, Neuseeland

Aktuelles Aufgaben/Forschungsgebiet:
F&E im Bereich Kernspinspektroskopie

Thema der Doktorarbeit:
Diffusion- und Flussmessungen mittels Kernspinresonanz

Kurzer Überblick über den wissenschaftlichen Werdegang:
1992: Diplom in Physik, Universität Heidelberg
1996: Promotion in Physik, Massey University, Palmerston North, Neuseeland
1997 - 1998: Postdoc am Department of Chemical Engineering, Cambridge, Großbritannien
1998 - 2008: Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik, St. Ingbert
seit 2009: Magritek Limited, Wellington, Neuseeland

Motivation für die Wirtschaft:
Die Firma, bei der ich beschäftigt bin, wurde von meinem ehemaligen Doktorvater und einigen seiner Studenten gegründet. Als dann eines Tages das Angebot kam, bei dieser Firma als Applikationswissenschafter zu arbeiten, fiel mir die Entscheidung nicht schwer. Mit gefällt besonders die Mischung aus Produktentwicklung, Kundenbetreuung und die Nähe zur Universität.

Berufliche Perspektive:
Seit der Gründung vor acht Jahren ist die Firma jedes Jahr gewachsen. Damit vergrößert sich auch stetig der Aufgabenbereich und die Verantwortung.

Jahresgehalt (ungefähr):
ca. 50-60.000 Euro - ein Vergleich ist abhängig vom schwankenden Wechselkurs, Steuern und Lebenshaltung sind in Neuseeland günstiger als in Deutschland.

Der Tipp für Jobsuchende/Unentschlossene:
Nach meiner Promotion war ich unsicher, ob die akademische Laufbahn richtig für mich ist. Die Tätigkeit am Fraunhofer-Institut mit ihrer Mischung aus Industrie- und öffentlich geförderten Projekten kam da für mich genau richtig. Unentschlossenen kann ich nur raten, möglichst vielseitig zu arbeiten und den Blick über den Tellerrand zu wagen!

DIE ENTSCHEIDUNG FÜR DIE WISSENSCHAFT

Auch Björn Schelter ist Physiker, er hat sich für die wissenschaftliche Karriere entschieden.

Name/Alter/Familie:
Bjoern Schelter, 36 Jahre, verheiratet, 2 Kinder

Aktuelle Stelle/Berufsbezeichnung:
Privatdozent

Unternehmen/Universität:
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Aktuelles Aufgaben/Forschungsgebiet:
Multivariate Zeitreihenanalyse mit Anwendungen in der Neurologie

Thema der Doktorarbeit:
Analyzing Multivariate Dynamical Processes - From Linear to Nonlinear Approaches

Kurzer Überblick über den wissenschaftlichen Werdegang:
1996 Abitur, Johanneum Lüneburg
1999 Vordiplom Physik, TU Clausthal
2003 Diplom Physik, Physikalisches Institut, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
2006 Dr. rer. nat., Physikalisches Institut, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
2012 Habilitation, Physikalisches Institut, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Motivation für die Wirtschaft/Wissenschaft:
Neugier! Die Physik hat mich schon immer sehr fasziniert. Schon während des Studiums bin ich als Wissenschaftliche Hilfskraft in die Forschung in einem jungen Gebiet der Physik, der Untersuchung dynamischer Prozesse in den Lebenswissenschaften, eingestiegen. Nach dem Studium war für mich sehr schnell klar, dass ich an der Universität bleiben wollte, um tiefer in die Forschung eintauchen zu können. Dies ermöglichte mir die Doktorarbeit. Das weitestgehend selbstständige Arbeiten hat mich sehr fasziniert; als mein Doktorvater mir dann als sein Assistent quasi die Leitung seiner Untergruppe: "Multivariate Zeitreihenanalyse mit Anwendungen in der Neurologie" anbot, war für mich klar, dass das mein ideales Berufsbild ist. Die Kombination aus Forschung und Arbeitsgruppenleitung war optimal.

Berufliche Perspektive:
Ziemlich breit. Es gibt in der Tat, wenn man an der Universität in Deutschland bleiben möchte, aktuell wenige permanente Mittelbaustellen. Öffnet man sich aber der Vorstellung, im Ausland arbeiten zu können, dann gibt es unzählige Optionen - bis hin zu Tenure Track-Positionen, die auf eine Professur führen. Natürlich gibt es auch immer die Alternative, den Ausstieg in die Wirtschaft zu versuchen.

Jahresgehalt (ungefähr):
50.000 Euro

Der Tipp für Jobsuchende/Unentschlossene:
Das Wichtigste ist in meinen Augen, die eigenen Ziele klar zu definieren und konsequent zu verfolgen. Als ich angefangen habe, Physik zu studieren, hat man mir dringend davon abgeraten, weil weder die Aussicht auf einen Job noch die Vergütung für selbigen rosig aussahen. Als ich mit dem Studium fertig war, standen mir plötzlich viele Optionen offen. Meine Erfahrung zeigt: Man sollte das verfolgen, was man am besten kann und sich nicht nur nach aktuellen Trends richten. Bei der Jobsuche selbst aktiv werden. Ruhig auch mal bewerben, auch wenn die Stellen nicht hundertprozentig passt oder auch gar keine Stelle ausgeschrieben ist.

academics :: Januar 2013

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