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Wissenschaftlicher Nachwuchs an deutschen Universitäten

Von Karin Schmitz

Die Zahl der Chemieprofessorinnen an deutschen Universitäten steigt langsam, aber stetig. Beim wissenschaftlichen Nachwuchs (Juniorprofessoren, Habilitanden) ist der Frauenanteil schon fast so hoch wie bei den Studienanfängern der entsprechenden Jahre. Die Zahl der Habilitanden an deutschen Hochschulen blieb auf dem Niveau der Vorjahre. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage der GDCh.

Wissenschaftlicher Nachwuchs an deutschen Universitäten
Zum vierten Mal seit 2004 wurden Ende vergangenen Jahres die Dekanate der Chemiefakultäten nach Zahl und Fachrichtung der Habilitanden und Juniorprofessuren, der abgeschlossenen Habilitationen und der Zahl der weiblichen W2/C3- und W3/C4-Professoren gefragt. Die GDCh dankt allen Ansprechpartnern an den Hochschulen, die die Daten ihrer Fakultäten zur Verfügung gestellt haben.

Habilitanden, Habilitationen und Juniorprofessoren

Nach wie vor ist die Anzahl der Habilitanden deutlich höher als die der Juniorprofessoren. An 36 Chemiefakultäten lehren und forschen Habilitanden, aber nur an 23 Fakultäten arbeiteten 2010 Juniorprofessoren. Nach den vorliegenden Daten waren am Stichtag 31. Dezember 2010 insgesamt 210 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler als Habilitanden beschäftigt. 60 davon waren Frauen (29 %). Dies entspricht exakt dem für das Jahr 2008 ermittelten Wert und ist geringer als in den Umfragen 2004 (317) und 2006 (278). Die Zahl der beendeten Habilitationen liegt mit 50 zwar höher als bei der letzten Umfrage (42), aber unter den Werten von 2004 und 2006 mit je 67.
Wissenschaftlicher Nachwuchs an deutschen Universitäten
Unter den erfolgreich Habilitierten waren 15 Frauen, das entspricht 30 %. Damit ist der Frauenanteil unter den Habilitierten gegenüber den Vorjahren (13 %, 19 % bzw. 29 %) erneut angestiegen, in absoluten Zahlen zeigen sich aber nur geringe Veränderungen (2004: 9 Frauen, 2006: 13 Frauen, 2008: 12 Frauen). 2010 wurden 45 Juniorprofessuren (Frauenanteil 27 %) und damit sechs mehr als 2008 gemeldet. Die Aufschlüsselung auf die einzelnen Hochschulen ist in der Tabelle dargestellt.

Frauenanteil bei den W2/C3- und W3/C4-Professuren

Zum Stichtag meldeten die Hochschulen insgesamt 96 Professorinnen. Dies sind 13 mehr als in der letzten und 26 mehr als in der ersten Umfrage 2004. Auf 45 gestiegen ist die Anzahl der W3- oder C4-Professorinnen. Daneben wurden 40 W2- oder C3-Professorinnen gemeldet. 11 Wissenschaftlerinnen besetzten eine Stiftungsoder vergleichbare Professur.
Wissenschaftlicher Nachwuchs an deutschen Universitäten
Bei insgesamt circa 916 Chemieprofessuren an deutschen Universitäten und Technischen Hochschulen (Angaben des Statistischen Bundesamts für das Jahr 2009; neuere Daten liegen noch nicht vor) ergibt dies einen Frauenanteil von 10,4 %. Das statistische Bundesamt gibt 95 Chemieprofessorinnen für das Jahr 2009 an, also eine fast identische Zahl, wie die für 2010 von der GDCh ermittelte. Gegenüber der letzten Umfrage (9,3 %) ist der Frauenanteil damit erneut leicht gestiegen. Bei der ersten Umfrage 2004 hatte der Anteil bei 7,9 % gelegen.

Den Frauenanteil der einzelnen Studienabschnitte im Chemie- und Biochemie-Studiengang für die Jahre 2004, 2008 und 2009/2010 zeigt Abbildung 1. Dabei sind bei den Studienabschnitten bis zur Promotion statt der Daten für 2010 jeweils Daten des Jahres 2009 aufgetragen, da die Werte für 2010 noch nicht vorliegen. Zu erkennen ist, dass der Frauenanteil mit zunehmender Qualifikationsstufe sinkt.
Wissenschaftlicher Nachwuchs an deutschen Universitäten
Wissenschaftlicher Nachwuchs an deutschen Universitäten
Dabei ist allerdings zu beachten, dass zu der Zeit, als die heutigen Habilitanden oder Juniorprofessoren ihr Studium begannen, der Frauenanteil unter den Studienanfängern noch niedriger war als heute. Geht man davon aus, dass die heutigen Habilitanden nach circa 18 bis 20 Semestern promoviert haben, einen ein- bis zweijährigen Postdoc-Aufenthalt absolvierten und die Habilitation durchschnittlich etwa vier bis fünf Jahre dauert, so haben die heutigen Habilitanden sowie die fertig Habilitierten ihr Studium etwa in den Jahren 1993 bis 2000 begonnen. Dies dürfte auch für die Juniorprofessoren gelten. In der ersten Hälfte der 90er Jahre lag der Frauenanteil unter den Anfängern in Chemie und Biochemie noch bei rund 30 %. Dies entspricht ungefähr auch dem heutigen Anteil weiblicher Habilitanden, Habilitierten und Juniorprofessoren. Bis zur Jahrtausendwende ist der Frauenanteil unter den Studienanfängern auf 47 % angestiegen. Damit sollten in den kommenden Jahren auch mehr Frauen eine Juniorprofessur oder Habilitationsstelle erhalten.

Fachrichtungen

Die Verteilung der Habilitanden auf die einzelnen Disziplinen ist in Abbildung 2 aufgeschlüsselt, die Fächer, in denen die Habilitation abgeschlossen wurde, sind in Abbildung 3 dargestellt. Abbildung 4 zeigt die Fachrichtungen der Juniorprofessoren.

karriere@gdch.de


Aus Nachrichten aus der Chemie» :: April 2011

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