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Wo gibt es die besten Bedingungen bei der Berufung von Professoren?

Von Hubert Detmer

Wie gestalten sich jenseits subjektiver Berufungserfahrungen die objektiven Rahmenbedingungen bei der Berufung von Professoren in den einzelnen Bundesländern? Eine aktuelle Untersuchung geht dieser Frage nach. Kategorien sind Besoldung, Versorgung, Statusrecht, Ausgestaltung des Dienstrechts und strukturelle Rahmenbedingungen.

Wo gibt es die besten Bedingungen bei der Berufung von Professoren? Abbildung 1
Erfolge und Misserfolge in Berufungs- und Bleibeverhandlungen bei der Berufung von Professoren beruhen regelmäßig auf einer Vielfalt von weichen und harten Faktoren, die primär einzelfallgeprägt sind. Auch ist für die durchschnittliche Güte einer solchen Verhandlung heute nicht allein entscheidend, in welchem Bundesland verhandelt wird, sondern mit welcher Hochschule man es zu tun hat (Verhandlungspraxis und -kultur vor Ort). Von daher haben konkrete Verhandlungserfolge und -misserfolge von Kollegen für den jungen Wissenschaftler, der nach Orientierung sucht, aufgrund eingeschränkter Vergleichbarkeit nur einen begrenzten Aussagewert. Motiv genug, einmal die objektiven und in aller Regel normativen Rahmenbedingungen für Wissenschaftler in den einzelnen Bundesländern (Stand: Mai 2011) vergleichend zu bewerten.

Die einzelnen Kategorien der Untersuchung sind:
  • Besoldung
  • Versorgung
  • Statusrecht
  • Ausgestaltung des Dienstrechts sowie
  • strukturelle Rahmenbedingungen.


Die Parameter für die Bewertung für die Berufung von Professoren in den jeweiligen Kategorien orientieren sich dabei an einem Idealtypus, betrachtet aus der Perspektive (zukünftiger) Professoren. Grob skizziert wurde im Rahmen der Kategorie Besoldung eine möglichst hohe Mindestjahresbruttobesoldung und ein möglichst hoher gesetzlicher Besoldungsschnitt positiv bewertet. Positiv bewertet wurden auch die Öffnung des sogenannten Vergaberahmens und die Möglichkeit, auch Juniorprofessoren Leistungsbezüge gewähren zu können. Negativ bewertet wurden außerplanmäßige, zum Teil erhebliche Besoldungsabsenkungen (wie zuletzt in Bayern, in Baden-Württemberg und im Saarland). Im Bereich der Versorgung wurde unter Berücksichtigung der Verwaltungspraxis vor allem die unproblematische Anerkennung ruhegehaltfähiger Vordienstzeiten "belohnt". Im Bereich des Statusrechts erhielten eine möglichst großzügig angesetzte beamtenrechtliche Einstellungsaltersgrenze, der Verzicht der Gesetzgeber auf suboptimale Dienstverhältnisse speziell für Erstberufene (auf Zeit, auf Probe) und eine hohe Beamtenquote eine gute Note.

Im Bereich der Ausgestaltung der Dienstrechtsverhältnisse wurden ein angemessenes Lehrdeputat, ein faires System zur Gewährung von Forschungssemestern, die regelmäßige Zusage von Umzugskosten und Trennungsgeld in Berufungsverhandlungen und der Verzicht auf Wettbewerbshindernisse auf dem Berufungsmarkt positiv bewertet. Darüber hinaus wurden die einzelnen Sparten gewichtet. Im Bereich Besoldung konnten maximal 45 Punkte, im Bereich Versorgung 15 Punkte, im Bereich Statusrecht maximal 30 Punkte und im Bereich Ausgestaltung des Dienstrechtsverhältnisses maximal 40 Punkte vergeben werden. Hieraus errechnet sich die Gesamtzahl der maximal zu vergebenen Punkte (130), die - wenig überraschend - von keinem Dienstherrn auch nur annähernd erreicht worden ist.

Wo gibt es die besten Bedingungen bei der Berufung von Professoren? Abbildung 2

Besoldung

Untersucht wurden die aktuellen Besoldungsgruppen für Juniorprofessoren und Professoren (W 1 bis W 3). Spitzenreiter in diesem wichtigen Bereich ist Baden- Württemberg, das 36,5 Punkte erreicht. Auf den guten Plätzen zwei bis sechs landen die Bundesländer Hamburg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern. Die materiellen Faktoren Mindestjahresbruttobesoldung (Übersicht 1) und gesetzlicher Besoldungsdurchschnitt (Übersicht 2) wurden in einem Verhältnis 60 zu 40 gewichtet. Der gesetzliche Besoldungsdurchschnitt, der im Regelfall das Budget für die Besoldungsausgaben pro Professor vorgibt, schwankt in den Bundesländern erheblich.

Spitzenreiter ist hier Baden-Württemberg mit 84 534 Euro, Schlusslicht Thüringen mit 67 610 Euro. Pluspunkte konnten für die Öffnung des Vergaberahmens (so Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Thüringen sowie mit Abstrichen Baden-Württemberg) gesammelt werden. Ebenfalls Pluspunkte gab es für die Möglichkeit, Juniorprofessoren Leistungsbezüge gewähren zu können (Baden-Württemberg, Hamburg). Erhebliche Minuspunkte gab es für nicht-lineare Besoldungsabsenkungen (Bayern (-) 6 Punkte für die kürzlich beschlossene 10-prozentige Besoldungsabsenkung zu Lasten der "Berufsanfänger" in W 1 bis W 3, Baden- Württemberg und das Saarland jeweils (-) 3 Punkte für allein Juniorprofessoren treffende Besoldungsreduktionen) (Übersicht 3). Schlusslicht im Gesamt-Besoldungsranking (Übersicht 4) ist Berlin, das sowohl bei der Mindestjahresbruttobesoldung als auch beim gesetzlichen Besoldungsdurchschnitt in der Schlussgruppe landete.

Wo gibt es die besten Bedingungen bei der Berufung von Professoren? Abbildung 3

Versorgung

Auch die beamtenrechtliche (Alters-) Versorgung ist für Professorinnen und Professoren ein in der Praxis häufig übersehener, aber gleichwohl wichtiger Aspekt für die Attraktivität des Dienstrechtsverhältnisses. Festzustellen ist, dass die gesetzlichen Grundlagen in den Ländern - trotz der auch insoweit inzwischen einschlägigen Föderalismusreform - strukturell weitestgehend vergleichbar sind. Eine Ausnahme stellt hier allenfalls Baden-Württemberg dar, das durch die Einführung des sog. Trennungsprinzips einerseits die Möglichkeit eröffnet hat, beim Ausscheiden aus einem Lebenszeitbeamtenverhältnis Versorgungsansprüche "aufrechtzuerhalten", andererseits aber in vielen Konstellationen die Anerkennung ruhegehaltfähiger Vordienstzeiten einem neuen problematischen Rechtsregime unterstellt hat.

Von insgesamt maximal 15 zu vergebenden Punkten in der Sparte "Versorgung" erhalten 13 Bundesländer für einen im Großen und Ganzen befriedigenden Vollzug der Beamtenversorgungsgesetze 10 Punkte. Baden-Württemberg erhält einen ersten Abschlag dafür, dass bis vor kurzem trotz einer Grundsatzentscheidung des Bundesverwaltungsgerichts aus dem Jahre 2009 zur Anerkennung ruhegehaltfähiger ausländischer Dienstzeiten gerade diese Zeiten bei Entscheidungen über die zur Ruhesetzung nicht beachtet wurden (seit 2010 gibt es freilich eine Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg, der das Bundesverwaltungsgericht bestätigt, so dass zumindest in Zukunft von einer Beachtung der Rechtsprechung, wonach Auslandszeiten anerkennungsfähig sind, auszugehen ist).

Einen weiteren Malus gibt es für die mit der neuen Gesetzeslage einhergehenden Probleme bei der Anerkennung ruhegehaltfähiger Vordienstzeiten (Gesamtergebnis Baden-Württemberg: 7 Punkte). Wegen einer prinzipiell sehr restriktiven Verwaltungspraxis bei der Anrechnung von ruhegehaltfähigen Dienstzeiten erhält Nordrhein-Westfalen in puncto Versorgungsrecht ebenfalls lediglich 5 Punkte. Schlusslicht in diesem Bereich ist Berlin, wo infolge vielfältiger Verwaltungsvorschriften ruhegehaltfähige (Vor-) Dienstzeiten immer wieder in wesentlich geringerem Maße anerkannt werden als dies im Bereich anderer Dienstherren der Fall ist (2 Punkte).

Wo gibt es die besten Bedingungen bei der Berufung von Professoren? Abbildung 4

Beamtenrechtliche Einstellungsaltersgrenzen

Bei der Berufung von Professoren ebenfalls entscheidend für die Frage, ob Professorinnen und Professoren Beamte werden können, ist u.a. die Festlegung der beamtenrechtlich relevanten Regel-Einstellungsaltersgrenzen. Dies gilt insbesondere dann, wenn erstmals ein Beamtenverhältnis auf Lebenszeit begründet werden soll. In diesem Bereich herrschen in den jeweiligen Bundesländern große Unterschiede vor. Spitzenreiter in dieser Kategorie sind Bremen und das Saarland (jeweils Vollendung des 55. Lebensjahres / jeweils 15 Punkte), gefolgt von Bayern und Thüringen (jeweils Vollendung des 52. Lebensjahres/ 12 Punkte). Das breite Mittelfeld - bestehend aus den Ländern Berlin, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Hessen - erhält 10 Punkte. Dort ist regelmäßig die Begründung von Beamtenverhältnissen auf Lebenszeit bis zur Vollendung des 50. Lebensjahres möglich. Baden-Württemberg erhält 5 Punkte (Vollendung des 47. Lebensjahres); Brandenburg und Nordrhein-Westfalen jeweils 3 Punkte (Vollendung des 45. Lebensjahres als Regelfall) (hier und im Folgenden: Übersicht 5).

Beamtenquote bei der Berufung von Professoren

Valides und auch strukturell vergleichbares Zahlenmaterial im Hinblick auf die Frage, wie viele Professorinnen und Professoren im Bereich der Universitäten in ein idealtypisches Beamtenverhältnis auf Lebenszeit berufen werden, liegt nicht vor. Zu berücksichtigen ist aber, dass bereits die unterschiedlichen beamtenrechtlichen Einstellungsaltersgrenzen einen Aussagewert für die Beamtenquote haben, da in den meisten Fällen von der Begründung eines Lebenszeit-Beamtenverhältnisses aus Altersgründen Abstand genommen wird. Unabhängig hiervon ist gegenwärtig davon auszugehen, dass jenseits der in aller Regel privatrechtlich ausgestalteten Chefarzt-Dienstverträge das Beamtenverhältnis auf Lebenszeit grundsätzlich den Regeltypus bei der Begründung des Dienstverhältnisses darstellt. Gleichwohl ist in dieser Kategorie Hessen mit einem Malus von (-) 5 Punkten zu versehen, da sowohl an der Technischen Universität Darmstadt als auch der Universität Frankfurt bei der Gewinnung von Professoren, die nicht bereits Beamte sind, regelmäßig lediglich ein privatrechtliches Dienstverhältnis angeboten wird.

Wo gibt es die besten Bedingungen bei der Berufung von Professoren? Abbildung 5

Statusrecht bei sogenannter Erstberufung

Insbesondere in Konstellationen der sogenannten Erstberufung (erstmalige Übertragung eines Professorenamtes) gehen die Dienstherren, was das angebotene Statusrecht anbetrifft, sehr unterschiedlich vor. Grundlage hierfür sind gesetzliche Vorschriften, die speziell im Falle der Erstberufung vorsehen, "Berufsanfängern" ein suboptimales Dienstverhältnis anzubieten. Häufig genug wird hierbei eine imparitätische Verhandlungssituation ausgenutzt. Aus Sicht der betroffenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist es idealtypisch, auch im Falle der Erstberufung das statusrechtliche Dienstverhältnis angeboten zu erhalten, das auch im Übrigen den Regelfall darstellt: mithin ein Beamtenverhältnis auf Lebenszeit. Infolge hiervon abweichender Dienstverhältnisse (vorgeschaltetes Beamtenverhältnis auf Probe, vorgeschaltetes Beamtenverhältnis auf Zeit) und hieraus resultierender statusrechtlicher Unsicherheit sind nach Maßgabe der gesetzlichen Grundlagen und der Verwaltungspraxis folgende Kategorien zu bilden: In der ersten (Positiv-) Kategorie wird regelmäßig auch im Falle der Erstberufung ein Beamtenverhältnis auf Lebenszeit angeboten: - Berlin, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Die zweite Kategorie zeichnet sich durch eine disparate Entscheidungspraxis im Einzelfall aus: - Bayern, Hamburg, Niedersachsen.

In einer dritten Kategorie werden jedenfalls häufig Beamtenverhältnisse auf Probe der Begründung eines Beamtenverhältnisses auf Lebenszeit vorgeschaltet: - Baden-Württemberg, Hessen.
In der vierten (Negativ-) Kategorie werden - wodurch sich für den Einzelnen die größten Rechtsunsicherheiten ergeben - einer möglichen Begründung eines Beamtenverhältnisses auf Lebenszeit sogenannte Zeitbeamtenverhältnisse "vorgeschaltet": - Brandenburg, Thüringen und Schleswig-Holstein. Die maximale Punktzahl (15) erhalten in dieser für jüngere Wissenschaftler wichtigen Frage die Dienstherren, die in der Positiv-Kategorie aufgelistet sind. Die Länder Bayern, Hamburg und Niedersachsen erhalten 8 Punkte, die Länder Baden-Württemberg und Hessen 6 Punkte. Keine Punkte erzielen die Schlusslichter Brandenburg, Thüringen und Schleswig-Holstein.

Wo gibt es die besten Bedingungen bei der Berufung von Professoren? Abbildung 6

Lehrdeputat

Die Regellehrverpflichtung an Universitäten lässt sich in den Bundesländern cum grano salis in zwei Kategorien differenzieren: Sechs Länder (Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Sachsen-Anhalt) halten bislang an einem Deputat in Höhe von 8 SWS fest, während acht Bundesländer (Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Bremen (8-10 SWS), Nordrhein-Westfalen, Saarland, Schleswig-Holstein, Thüringen und zukünftig Niedersachsen) ein Regellehrdeputat von 9 SWS vorsehen. In Hamburg ist ein Regel-Lehrdeputat von 9-10 SWS normiert. Maximal hätten in dieser Sparte 10 Punkte vergeben werden können. Da im internationalen Vergleich auch ein achtstündiges Lehrdeputat nicht optimal ist, entfallen auf die zuerst genannten Länder jeweils 8 Punkte, auf die zweite Kategorie jeweils 5 Punkte und auf Hamburg 3 Punkte.

Forschungssemester

Bereits die gesetzlichen Grundlagen für die Gewährung eines Forschungssemesters sind in Deutschland nicht einheitlich geregelt. Unter dem Strich lassen sich drei Kategorien bilden (positiv/ Standard/negativ). In inhaltlicher Hinsicht sind als positiv bewertet worden: vergleichsweise kurze Wartezeiten (nach dem 7. Semester), die Begründung eines Soll- und nicht lediglich eines Kann-Anspruchs auf Gewährung eines Forschungssemesters; als negativ bewertet wurden das Fehlen gesetzlicher und konkreter Aussagen zur Wartezeit und auch überlange Intervalle (so in Thüringen: "wenigstens 9 Semester"). Auch in dieser Kategorie konnten maximal 10 Punkte erreicht werden. In keinem Bundesland kann die Rede davon sein, dass die Gewährung des Forschungssemesters optimal geregelt wäre. Aus diesem Grunde entfallen auf die Positivgruppe (Berlin, Brandenburg, Hessen, Schleswig-Holstein) 8 Punkte, auf die Standard-Gruppe (Baden-Württemberg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt) 6 Punkte und auf die Negativ- Gruppe (Bayern, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland- Pfalz, Saarland und Thüringen) 4 Punkte.

Wo gibt es die besten Bedingungen bei der Berufung von Professoren? Abbildung 7

Umzugskosten und Trennungsgeld

Noch vor einem Jahrzehnt war es Standard, Professorinnen und Professoren bei ihrer Einstellung die Umzugskostenerstattung und die Gewährung von Trennungsgeld zuzusagen. Auch hier ergibt sich inzwischen ein uneinheitliches Bild. Dieser Flickenteppich hat weniger mit normativen Grundlagen und der Föderalismusreform zu tun als vielmehr mit disparaten und zum Teil fragwürdigen Verwaltungspraktiken, die auch in Zusammenhang mit dem Rückzug der Ministerien aus den Berufungsverhandlungen stehen.

Klassischerweise erhalten neu eingestellte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Bayern, Hamburg, Berlin, Saarland, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt schriftliche Zusagen der Kostenübernahme nach Maßgabe der Gesetze und Verordnungen. Ein disparates und in aller Regel mit einer rigiden Verwaltungspraxis zusammenhängendes Bild ist in Baden-Württemberg (Betragslimitierung), Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Bremen und Brandenburg zu verzeichnen. Schlusslicht in dieser Kategorie sind Hessen und Thüringen. An den dortigen Hochschulen werden zum Teil auch aus normativen Gründen allenfalls Einmalzahlungen, gespeist aus dem Professorenbesoldungsvolumen gewährt. In der Kategorie "Umzugskosten und Trennungsgeld" erhalten die Bundesländer der ersten Gruppe 8 Punkte, die Bundesländer der zweiten Kategorie 5 Punkte und die Bundesländer der letzten Kategorie 1 Punkt.

Sperrvereinbarungen/Bestrafungen bei Wegberufungen

In vielen Bundesländern wird auf verschiedene Art und Weise - nach wie vor - der Versuch unternommen, Professorinnen und Professoren in ihrer Mobilität auf einem wettbewerblichen Berufungsmarkt zu behindern. Dies geschieht vorrangig durch eine Einhaltung der diversen KMK-Sperrvereinbarungen (Verbot der Doppelberufung, sogenannte Drei-Jahres-Sperre). Positiv hervorzuheben ist freilich, dass in den Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen derartige Kartellabreden offiziell keine Geltung mehr beanspruchen (jeweils 12 Punkte). Der Freistaat Bayern ist aber mit einem Malus von (-) 6 Punkten zu belegen, da dort seit 2010 die gesetzliche Möglichkeit eröffnet ist, bei vorzeitigem Wechsel und entsprechender Vereinbarung gewährte Berufungs- und Leistungsbezüge zurückzahlen zu müssen.

Relativ positiv sind das Saarland und Sachsen-Anhalt zu bewerten, die sich an die KMK-Sperre nur gegenüber den Bundesländern halten, die die Sperre ihrerseits einhalten (6 Punkte). In den Bundesländern Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg- Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland- Pfalz, Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen hingegen gibt es keinen offiziellen Beschluss dahingehend, die KMK-Vereinbarung nicht mehr anzuwenden (0 Punkte). Niedersachsen ist darüber hinaus mit einem Malus von (-) 6 Punkten zu belegen, da das Gesetz die Möglichkeit vorsieht, bei vorzeitigem Wechsel anlässlich der Berufung von Professoren gewährte Investitionsmittel zurück verlangen zu können.

Zwischenergebnis

Das Gesamtergebnis für die Bereiche Besoldung und Versorgung, Statusrecht und Dienstrecht (Übersicht 5) mag auf den ersten Blick überraschen. Auf den zweiten Blick ist es jedoch ein deutliches Indiz dafür, dass es in Zeiten des Föderalismus kein Bundesland gibt, in dem alles gut geregelt wäre. So landet beispielsweise Hamburg im Bereich der Besoldung und Versorgung überraschenderweise in der Spitzengruppe, im Gesamtergebnis aber nur im hinteren Mittelfeld. Die folgenden Bundesländer belegen die ersten Plätze: Sachsen-Anhalt, Saarland, Mecklenburg-Vorpommern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Bayern. Schlusslichter sind in den genannten Kategorien - weniger überraschend - Brandenburg, Schleswig- Holstein und Thüringen. Berlin rettet sich wegen der vergleichsweise ordentlichen Ausgestaltung des Professoren-Dienstrechts auf den 13. Platz.

Strukturelle Bedingungen

Neben den speziell die persönlichen Verhältnisse der Professorinnen und Professoren betreffenden Kategorien sind auch strukturelle Rahmenbedingungen maßgeblich für die Attraktivität des Professorenberufs. Derartige Faktoren sind von Bedeutung sowohl für Ausstattungszusagen als auch für die berufliche Zufriedenheit. Untersucht wurden vier Kategorien:
  • Verhältnis Professoren / Studierende
  • Verhältnis Professoren / wissenschaftliches Personal
  • Verhältnis Grundmittel Forschung und Lehre pro Professor und
  • Erfolge des Bundeslandes in der Exzellenzinitiative.
Die letztgenannte Rubrik wurde nicht nach Maßgabe der eingeworbenen Gesamtbeträge bewertet; vielmehr wurde die Summe der eingeworbenen Sondermittel in Verhältnis zu der Anzahl der an Landeshochschulen Studierenden gesetzt. Das Gesamtergebnis der strukturellen Rahmenbedingungen ist allenfalls im Detail überraschend. (Übersicht 6). Die großen Akteure Baden-Württemberg und Bayern belegen die Spitzenplätze. Die Schlusslichter dieses Rankings sind Brandenburg, Rheinland- Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern.

Gesamtergebnis

Führt man das Teil-Ergebnis "Dienstrecht" und das Teil-Ergebnis "Strukturelle Rahmenbedingungen" zusammen (Übersicht 7), so gibt es einen überraschenden Gesamtsieger: Das Saarland mit 103,75 Punkten. Auf dem zweiten Platz landet Baden-Württemberg mit 102,25 Punkten, den dritten Platz teilen sich Bayern und Sachsen-Anhalt mit je 100,5 Punkten. Auf den letzten Plätzen finden sich Schleswig-Holstein, Thüringen und Brandenburg wieder. Die durchaus überraschenden Ergebnisse dieses Rankings verdeutlichen einerseits, dass nicht überall alles gleich gut geregelt ist. Ein Dienstherr mit weit überdurchschnittlichen Besoldungsmöglichkeiten muss - wenn man die Strukturdaten analysiert - keineswegs die besten Arbeitsbedingungen vorsehen. Aber auch in ein und derselben Kategorie könnten in erheblichem Maße disparate Ergebnisse zu verzeichnen sein.

Ein deutliches Bespiel hierfür findet sich in der Kategorie "Statusrecht" in Nordrhein-Westfalen: Für sogenannte Erstberufene ist es optimal, in aller Regel schon bei der Erstberufung in ein Beamtenverhältnis auf Lebenszeit ernannt zu werden. Dem gegenüber sind gerade in Nordrhein-Westfalen die für die Frage der Verbeamtung relevanten Einstellungsaltersgrenzen außerordentlich restriktiv geregelt. Diese prinzipiell überall anzutreffende disparate Gefechtslage ist neben dem Umstand, dass es Flächenländer mit vielen Universitäten strukturell etwas schwerer haben (Leuchttürme vs. Flächen), auch der Hauptgrund für das gute, aber keineswegs sehr gute Abschneiden von Bayern (Platz 3) und Baden-Württemberg (Platz 2). Sehr gute finanzielle Möglichkeiten werden gerade in diesen Ländern konterkariert durch unsinnige gesetzliche Signale, die speziell junge Wissenschaftler gleichermaßen betreffen als auch verunsichern (Erstberufung auf Zeit und auf Probe, lineare Besoldungsabsenkungen für "Berufseinsteiger", Rückzahlung von Leistungsbezügen bei "zu frühem" Wechsel).

So bleiben die Wissenschaftler, die je nach Position und Verhandlungssituation ganz unterschiedliche Interessenlagen haben, aufgerufen, in den differenzierten Ergebnislisten gerade die Kategorien genauer unter die Lupe zu nehmen, die für sie in ihrer speziellen Berufs- und Lebenssituation von prioritärer Bedeutung sind. Andererseits kann gerade dann, wenn der Fokus allein auf die individuelle Interessenlage gelegt wird, auch trefflich über die Gewichtung der verschiedenen Parameter gestritten werden. Nur: Jeder Wissenschaftler kann anhand der Daten auch seine eigene Gewichtung vornehmen (und infolgedessen sogar ein "eigenes" Ranking erstellen). Schlussendlich sei zudem daran erinnert, dass die Kategorien regelmäßig nichts mit dem Vollzug der Normen vor Ort zu tun haben: Auch im Saarland und in Bayern ist man vor bösen Überraschungen nicht gefeit und auch in Brandenburg gibt es positive Ausreißer!

Recherche: Angelika Wirth, M.A., Rechtsreferendare Andreas Görgen, Sebastian Gorges, Moritz Metzler und Anja Schubkegel.


Über den Autor
Hubert Detmer, Rechtsanwalt, ist promovierter Jurist und stellvertretender Geschäftsführer des Deutschen Hochschulverbandes (DHV).


Aus Forschung und Lehre :: September 2011

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