Das Karriereportal für Wissenschaft & Forschung von In Kooperation mit DIE ZEIT Forschung und Lehre

Woanders gucken -
Fragen an Professor Dr. Thomas Südhof

 

Der deutschstämmige Mediziner Thomas Südhof hat den diesjährigen Nobelpreis für Physiologie oder Medizin erhalten. Im Interview spricht er über seine Erfahrungen als Forscher in den USA und Deutschland und über die Frage, ob es wichtig ist, als Forscher ins Ausland zu gehen.

Woanders gucken© Alistair Cotton - Fotolia.comProf. Thomas Südhof befürwortet Auslandsaufenthalte junger Wissenschaftler
Forschung & Lehre: Herr Professor Südhof, wir gratulieren Ihnen herzlich zum Nobelpreis. Was ist das Besondere an Ihren Forschungen, für das Sie den Preis erhalten?

Thomas Südhof: Ich interpretiere diese Frage als eine Anfrage nach der Natur unserer Entdeckungen, die diesen Preis rechtfertigen. Um es ganz kurz zu sagen - unsere Forschung hat Einsichten in die Mechanismen geschaffen, die es Nervenzellen ermöglichen, miteinander zu kommunizieren, und damit ein fundamentales Problem in der Hirnforschung gelöst.

F&L: Sie sind nach ihrer Promotion in Deutschland in die Vereinigten Staaten zurückgekehrt. Danach arbeiteten Sie am Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin in Göttingen, um danach wieder nach Stanford zu gehen. Warum sind Sie nicht in Deutschland geblieben?

Thomas Südhof: Weil der damals neu ernannte Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, Professor Markl, mich aufforderte, in die USA zurückzukehren. Er hätte mich nicht zwingen können, aber ich bin seinem Wunsch gefolgt, weil ich keine Zukunft für mich in der Max-Planck-Gesellschaft sah - ich war einfach zu jung, um zu begreifen, dass es auch andere Sichtweisen gab.

F&L: Nach Ihrer Ansicht sollte jeder Forscher eine Zeit im Ausland verbringen, und jedes Land sollte Forschern dann auch die Gelegenheit dazu geben. Was sollte Deutschland in dieser Hinsicht tun?

Thomas Südhof: Ich glaube, internationale Erfahrung befruchtet, und würde jedem Forscher raten, sich mal woanders anzugucken, wie die Dinge so laufen. In Japan z.B. ist die Lage zur Zeit so, dass kaum jemand sich mehr traut, ins Ausland zum Postdoc zu gehen - und seitdem das so ist (seit etwa zehn Jahren), hat sich die japanische Wissenschaft meiner Auffassung nach enorm verschlechtert. Ich meine, es wäre gut für Deutschland, die Auslandsaufenthalte junger Wissenschaftler zu unterstützen.

F&L: Was halten Sie von der Idee durch die Exzellenzinitiative und die Exzellenzuniversitäten in Deutschland, Spitzenwissenschaftler zu gewinnen? Oder wäre schon viel gewonnen, wenn man die MPIs enger an die Universitäten anbinden würde, wie Sie unlängst anmerkten?

Thomas Südhof: Ich finde die Exzellenzinitiative toll, und ich glaube, eine Einbindung von MPIs in Universitäten - mit Lehrverpflichtungen und zeitlich begrenzten Ernennungen der Direktoren - wäre sehr gut für die Forschung und die Universitäten.

F&L: Wie beurteilen Sie die Arbeitsbedingungen und Perspektiven von jungen, in der Forschung herausragenden Wissenschaftlern in Deutschland? Was hat sich hier seit Ihrer Zeit als Jungforscher verändert? Was müsste sich ändern?

Thomas Südhof: Ich meine, dass die Arbeitsbedingungen für junge Wissenschaftler in Deutschland exzellent sind - vor allem für solche, die ihr Labor aufbauen - viel besser als früher. Und ich meine, dass die meisten Labore an den MPIs und viele Labore an den Universitäten zu groß sind - Laborgrößen von mehr als 40 Leuten machen einfach keinen Sinn.

F&L: Fühlen Sie sich nach 30 Jahren Deutschland noch verbunden? In welcher Form?

Thomas Südhof: Sehr - nicht nur kulturell, sondern auch wissenschaftlich.

Aus Forschung & Lehre :: Dezember 2013

Ausgewählte Stellenangebote