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Yale übernimmt

Von Christine Brinck

Bei der Vergabe wichtiger Posten blicken englische Unis gerne nach Amerika

Yale übernimmt: Andrew Hamilton© Yale UniversityProf. Andrew Hamilton
Seit John Hood, Vice-Chancellor von Oxford, bekannt gegeben hat, dass er für eine zweite fünfjährige Amtszeit nicht zur Verfügung stehen wird, hat man gerätselt, wer sein Nachfolger werden könnte. Jetzt ist es amtlich: Ab dem 1. Oktober 2009 wird Andrew Hamilton, Chemieprofessor und gegenwärtig Provost der Yale University - das entspricht in etwa dem Kanzler an deutschen Universitäten - das Amt übernehmen.

Ist es Zufall, dass innerhalb kurzer Zeit die wichtigsten Posten, die die englische Hochschule zu vergeben hat, an Provosts von Yale gehen? Alison Richard, seit 2004 Vice- Chancellor von Cambridge und Hamiltons Vorgängerin auf dem amerikanischen Posten, bemerkt dazu: »Wenn diese Berufungen auch reiner Zufall sind, so sind sie doch zweifelsohne ein Kompliment an Yales Präsident Richard Levin, der nicht müde wird, andere zu führen und vor allem zu inspirieren.«

Die beiden Yalies verbindet aber noch mehr: Sie sind gebürtige Engländer und haben Abschlüsse von Cambridge vorzuweisen: Sie den B.A., er den Ph.D. Der englische Hintergrund könnte bei der Wahl Hamiltons eine nicht unbedeutende Rolle gespielt haben. Der gegenwärtige Vice-Chancellor John Hood ist nämlich der erste Outsider, den Oxford für das hohe Amt je eingestellt hat.

Der Neuseeländer mit einem Ingenieursdiplom der Universität von Auckland hat es in Oxford schwer gehabt. Der entschlossene Modernisierer scheiterte nicht nur mit seinem Versuch, die Verwaltungsstrukturen Oxfords zu verschlanken, er war auch bei vielen Dons, wie sich in Oxford die Professoren nennen, nicht wohlgelitten. Die Wahl der Yalies für die wichtigen Jobs zeigt freilich auch den hohen Wert, den die Engländer der amerikanischen Universitätsverwaltung beimessen.

Die meist recht armen englischen Unis schauen mit Staunen auf die riesigen Stiftungsvermögen, die die guten amerikanischen Hochschulen angehäuft haben. Oxford hat gerade eine Kampagne mit dem Ziel gestartet, 1,25 Milliarden Pfund einzuwerben. Cambridge hat unter Alison Richard schon vor Jahren angefangen, eine Milliarde zu sammeln. Yale sitzt auf einem Berg von fast 20 Milliarden Dollar, Oxford kann nur magere 3,4 Milliarden Pfund vorweisen. Außerdem hat Oxford mehr als doppelt so viele Under graduates wie Yale - 12 106 gegen 5355. Für deren Zukunft hat Hamilton vor, »Oxfords überragenden Ruf nicht nur zu sichern, sondern auch zu steigern«.

Aus DIE ZEIT :: 28.08.2008

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