Das Karriereportal für Wissenschaft & Forschung von In Kooperation mit DIE ZEIT Forschung und Lehre

Zahlenteufel

Von Judith Scholter

Arbeitslose Akademiker: Kein Grund zur Panik

Zahlenteufel© foto-ruhrgebiet - iStockphoto.comAkademikerarbeitslosigkeit ist stark angestiegen
Zahlen lügen nicht. Wenn in Deutschland des Nachts minus 20 Grad gemessen werden, gilt dies als untrüglicher Beweis dafür, dass es doch noch Winter gibt. Soll der Klimawandel bleiben, wo der Pfeffer wächst. Wenn Frauen in Deutschland, statistisch gesehen, nur 1,4 Kinder bekommen, heißt das, dass ein ganzes Land ausstirbt. Und wenn, wie gerade geschehen, gemeldet wird, dass die Akademikerarbeitslosigkeit 2009 so stark angestiegen ist wie seit der Dotcom-Blase und ihrem Platzen nicht mehr, nämlich um 11,3 Prozent, dann muss es schlimm bestellt sein um die Nachwuchsingenieure und die Neulings-Philosophen.

Muss es wirklich? Dass Krisen und ihre Ausläufer auf dem Arbeitsmarkt allgemein - bildlich gesprochen - keine gemütliche Jahreszeit darstellen, es also mitnichten kuschelig warm und generell unkündbar zugeht, das mag intuitiv einleuchtend sein. Dass ein Anstieg der Akademikerarbeitslosigkeit 2009 um 11,3 Prozent im Laufe des Jahres aber kein Grund zur Panik ist, ist deutlich schwerer zu vermitteln.

Ein zweiter Blick könnte helfen: In absoluten Zahlen bedeutet eine Steigerung um gewaltig klingende 11,3 Prozent deutschlandweit 17 000 neue arbeitslose Akademiker. Bei insgesamt 3,3 Millionen Arbeitslosen. Anders ausgedrückt: Da die Arbeitslosigkeit unter Akademikern traditionell niedrig und im Aufschwung noch weiter abgesunken ist, übersetzt sich schon ein moderater Anstieg der Arbeitslosigkeit in scheinbar dramatische Prozentzahlen. Wie paradiesisch der Akademikerarbeitsmarkt immer noch ist, zeigt der Zehnjahresvergleich: 1999 waren im Dezember - bei insgesamt deutlich weniger Akademikern - rund 195 000 von ihnen arbeits los. Ende 2009 waren es trotz der 11,3 Prozent Zunahme nur 167 000.

Interessant ist auch die Entwicklung der Arbeitslosig keit bei Menschen ohne Berufsabschluss. Sie ist von Januar bis Dezember 2009 um 10 Prozent gefallen - um den Wert etwa, um den die Arbeitslosigkeit der Akademiker gestiegen ist. Das heißt aber eben nicht, dass es heutzutage die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit wäre, keine Ausbildung abzuschließen. Im Dezember waren immer noch 1,26 Millionen Menschen ohne Ausbildung ohne Arbeit und im Januar dieses Jahres sogar schon wieder 1,36 Millionen. Dennoch sollte die gute Nachricht nicht verschwiegen werden: Trotz Krise sind das immer noch gut 40 000 Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung, die im Laufe des Jahres eine Stelle fanden oder in qualifizierte Weiterbildung vermittelt wurden - etwa im Gesundheits- und Sozialwesen.

Zahlen lügen nicht, aber nicht immer müssen große Zahlen auch besonders schlechte Nachrichten bedeuten.

Aus DIE ZEIT :: 04.02.2010

Ausgewählte Artikel
Ausgewählte Stellenangebote