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Wie eine Promotion finanzieren? Von Grit Thümmel

Promotionsstudiengänge sind in Deutschland gebührenfrei, jedoch will der Lebensunterhalt während der Promotion finanziert werden. Möglichkeiten gibt es viele, auch wenn diese nicht immer leicht zu durchschauen sind - ein Überblick.

Wie eine Promotion finanzieren© Alex Slobodkin - iStockphoto.com
Bei einer traditionellen Promotion mit Doktorvater muss die Finanzierung oft selbst auf die Beine gestellt werden. In diesem Fall stellen Lehraufträge in Form einer Wissenschaftlichen Mitarbeit an der Universität häufig einen Teil der Einnahmen von Promotionsstudenten dar. Eine zweite Möglichkeit ist die Finanzierung über ein Stipendium. Wichtig ist: Bei der Bewerbung muss die Zusage des Doktorvaters vorliegen und das Promotionsvorhaben feststehen. Dann kann der Doktorvater den Promotionskandidaten für eine Beihilfe vorschlagen, beispielsweise bei der Studienstiftung des Deutschen Volkes. Diese zahlt ihren Stipendiaten für zwei bis maximal drei Jahre etwa 1.000 Euro im Monat. Generell haben Doktoranden in Deutschland den Vorteil, dass sie keine Studiengebühren zahlen.

Stiftungslandschaft Deutschland

Interessenten können sich auch selbst für ein Stipendium bewerben. Je nach Fachrichtung gibt es in Deutschland zahlreiche Stiftungen, die individuelle Stipendien vergeben. So fördert die Bundesstiftung Umwelt Nachwuchswissenschaftler und Nachwuchswissenschaftlerinnen (bis 28 Jahre) und deren Forschungsarbeiten im Bereich Umweltschutz drei Jahre lang mit 1.000 Euro monatlich. Kirchliche Stiftungen wie das Evangelische Studienwerk Villigst oder die Bischöfliche Studienförderung (Cusanuswerk) unterstützen Doktoranden, die sich besonders gesellschaftlich engagieren. Bei beiden Stiftungen ist die entsprechende Konfessionszugehörigkeit allerdings Voraussetzung für eine Bewerbung. Außerdem bieten die parteinahen Stiftungen Nachwuchsforschern Stipendien für gesellschaftspolitische Promotionsvorhaben an. Allerdings variiert die Förderdauer stark zwischen drei und 36 Monaten und häufig schränkt eine Altersgrenze den Bewerberkreis ein.

Ein Tipp: Die meisten Stipendien können um eine Reihe von Pauschalen und Zuschüssen ergänzt werden, zum Beispiel für Familien mit Kindern, für Forschungsreisen oder Sachmittel. Bewerber aus dem Ausland müssen beachten, dass für viele der individuellen Stipendien ein Nachweis der Deutschkenntnisse verlangt wird (DSH oder TestDaF).
Der Vorteil solcher Stiftungsstipendien: Neben der finanziellen Unterstützung bieten viele auch eine außerfachliche Betreuung an. Gemeinsame Freizeitaktivitäten und Hilfe bei Alltagsproblemen kann gerade ausländischen Doktoranden zu Beginn die Orientierung in Deutschland erleichtern.

Interview

  • PromovierenStrukturierter WissenschaftsalltagNeue Promotionsprogramme versprechen bessere Betreuung, sichere Finanzierung, kürzere Laufzeiten und vor allem internationalen Austausch. Ein Interview. »

Jobben während der Promotion

Neben einem Stipendium oder einer Anstellung haben Doktoranden natürlich auch die Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt mit einem Nebenjob zu finanzieren. Dafür wird in Deutschland ein Aufenthaltstitel benötigt, der einen Erwerb gestattet. Doktoranden aus Drittländern, die in der EU keine Arbeitnehmerfreizügigkeit genießen, beantragen das entsprechende Visum vor der Einreise bei der für ihren Wohnort zuständigen deutschen Auslandsvertretung. Wer sich während seiner Promotion trotz Stipendium mit einem Nebenjob Geld dazu verdienen möchte, sollte das nur in einem begrenzten Umfang machen, sonst kann es sein, dass sich dadurch die Höhe des Stipendiums verringert.

Finanzierung in strukturierten Programmen

Anders sieht es mit der Finanzierung bei der Teilnahme an einem Promotionsstudiengang oder einer Graduiertenschule aus. Wer sich für eines der so genannten strukturierten Programme interessiert, bewirbt sich bei dem Promotionsprogramm seiner Wahl gleich für eine Förderung mit, bei erfolgreicher Bewerbung um einen Promotionsplatz ist also die Finanzierung gesichert.

Die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft ins Leben gerufenen Graduiertenkollegs sowie die International Max Planck Research Schools unterstützen beispielsweise ihren Nachwuchs zunächst zwei Jahre lang mit einem Stipendium von etwa 1.000 bis 1.400 Euro monatlich oder einer Anstellung als Wissenschaftlicher Mitarbeiter. Diese Förderung kann bei Bedarf noch um ein Jahr verlängert werden. An den einzelnen Hochschulen in Deutschland entstehen darüber hinaus immer mehr international ausgerichtete Promotionsprogramme, die von Landesmitteln gefördert werden und den Doktoranden ebenfalls mittels Anstellung oder Stipendien unter die Arme greifen. In Bayern, Nordrhein-Westfalen oder Niedersachsen beispielsweise stehen Teilnehmern auf diese Weise bis zu 1.400 Euro monatlich zur Verfügung. In der Regel vergeben die Promotionsprogramme die Stipendien und Stellen selbst, das heißt Doktoranden bewerben sich immer direkt bei dem Forschungsprojekt, für das sie sich interessieren.