Brain Gain VON KATJA SIMONS
Lösungsstrategien der Wissenschaftsorganisationen.
© Photomorphic Pte LtdEin Überblick über deutsche Programme zur (Rück-)Gewinnung von Wissenschaftlern aus dem In- und Ausland Die Zahlen
Wir gehen davon aus, dass über 6000 promovierte deutsche Wissenschaftler in den USA arbeiten. Laut einer Umfrage des National Research Councils erlangen über 200 deutsche Staatsbürger jedes Jahr einen Doktortitel an einer amerikanischen Hochschule. Einer Studie der Deutschen Forschungsgemeinschaft zufolge kehren 85 Prozent der deutschen Stipendiaten, die ihre Postdoktoranden-Phase im Ausland absolvieren, wieder nach Deutschland zurück. Jeder zweite deutsche Doktorand, der in den USA einen Doktortitel erlangt hat, bleibt hingegen laut des Oak Ridge Institutes in den USA. Und wie international ist die deutsche Wissenschaft? Die Zahl der ausländischen Studierenden ist seit 1997 um 60 Prozent auf inzwischen rund 240 000 gestiegen, und sie stellen damit knapp zwölf Prozent der Studierenden. Damit liegt Deutschland weltweit auf Platz vier der Aufnahmeländer international mobiler Studierender. Dem DAAD zufolge besitzen elf Prozent der Mitarbeiter an den deutschen Hochschulen eine ausländische Staatsbürgerschaft; der Anteil der Professoren mit ausländischem Pass beträgt nur 8,5 Prozent (Wissenschaft Weltoffen, 2010).Die GAIN-Gemeinschaftsinitiative
Der Name GAIN (German Academic International Network) ist Programm, denn in vielerlei Hinsicht soll deutlich gemacht werden, dass das Kontakthalten mit deutschen Wissenschaftlern im Ausland einen Gewinn für Deutschland bedeutet. Zum einen geht es darum, Wissenschaftler bei der Rückkehr auf interessante Positionen in Deutschland zu unterstützen, zum anderen geht es um das Kontakthalten und die weitere wissenschaftliche Zusammenarbeit mit denjenigen Wissenschaftlern, die sich für einen längeren Aufenthalt in den USA und Kanada entschieden haben. Drittens bietet GAIN Wissenschaftlern auch eine Plattform, damit sie ihre Erfahrungen in die wissenschaftspolitische Diskussion in Deutschland einbringen können.Die Wissenschaftsorganisationen
fördern die internationale Mobilität von Wissenschaftlern und die Zusammenarbeit unter Forschern. Das Kerngeschäft ist die Gewinnung von Talenten aus dem In- und Ausland für die Wissenschaft in Deutschland. Internationalisierungsstrategien im Überblick.Brain Gain-Programme
In den Karriereweg, der zur Professur führt, ist sehr viel Bewegung gekommen. Es gibt zwar weiterhin den klassischen Weg über die Habilitation, daneben aber seit 2002 die Juniorprofessur und diverse Programme für die Nachwuchsgruppenleitung, u.a. der Max- Planck-Gesellschaft und der DFG, die zunehmend von deutschen Wissenschaftlern in Anspruch genommen werden, die aus dem Ausland zurückkehren. Die Ausschreibung der selbstständigen Forschungsgruppen der Max-Planck-Gesellschaft erfolgt bedarfsorientiert. Von den 126 aktiven Max-Planck-Forschungsgruppenleitern sind 66 Deutsche. 23 wurden in Deutschland berufen, 25 aus den USA zurückgeholt. Die häufigsten Herkunftsländer sind neben den USA Grossbritannien, Schweiz, Italien und die Niederlande. Das Emmy Noether-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft setzt einen mindestens einjährigen Auslandsaufenthalt voraus, entweder während der Promotion oder in der Postdoktoranden- Phase. Pro Jahr werden ca. 60 bis 70 Gruppen bewilligt. Im Zeitraum 2007 bis 2010 gingen knapp 40 Prozent der Bewilligungen an Antragsteller im Ausland, die meisten davon Rückkehrer aus den USA. Die Helmholtz-Nachwuchsgruppen unterscheiden sich von den anderen darin, dass es die Option auf eine unbefristete Beschäftigung bei positiver Evaluation nach drei bis vier Jahren gibt. Das Nachwuchsgruppenprogramm der Helmholtz-Gemeinschaft gibt es seit 2003 - pro Jahr werden bis zu 20 Nachwuchsgruppen gefördert. Im Durchschnitt sind davon 25 Prozent Rückkehrer, größtenteils aus den USA. Die letzten beiden Jahre waren in dieser Hinsicht besonders erfolgreich: jeweils rund ein Drittel der Geförderten waren Rückkehrer. Das große Flaggschiff-Programm ist die Alexander von Humboldt-Professur, mit der es seit 2008 gelingt, weltweit führende Wissenschaftler aus dem Ausland zu gewinnen. Es gibt bis zu zehn Preisträger pro Jahr. Insgesamt gibt es bisher 26 Rufannahmen, davon sind 16 aus Deutschland stammende Wissenschaftler, die meisten von ihnen waren vorher in den USA tätig. Das DAAD-Rückgewinnungsprogramm wurde 2009 aufgelegt und fördert deutsche Wissenschaftler nach einer Mobilitätsphase im Ausland. Sie sollen in ihrem Bemühen unterstützt werden, vom Ausland aus Kontakte und wissenschaftliche Kooperationen mit deutschen Hochschulen einzugehen. 2011 wurden insgesamt 84 Personen gefördert.Internationalisierung des Forschungsstandortes
Wenn wir über die Internationalisierung des Forschungsstandortes sprechen, ist es wichtig, drei weitere Initiativen der Wissenschaftsorganisationen zu nennen, bei denen es darum geht, Forscher bei der Mobilität zu unterstützen und den Forschungsstandort Deutschland im Ausland sichtbarer zu machen. Euraxess Deutschland ist eine Informations- und Beratungsstelle für international mobile Forscherinnen und Forscher, die nach Deutschland kommen wollen. Die Nationale Koordinierungsstelle ist bei der Alexander von Humboldt-Stiftung angesiedelt. Euraxess ist ein gesamteuropäisches Projekt,Artikel zum Thema
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Was bleibt zu tun?
Wir brauchen trotz der vielen Initiativen mehr Stellen, die die frühe Selbstständigkeit von jungen Wissenschaftlern fördern. Die Juniorprofessur ist entgegen den Empfehlungen des Wissenschaftsrates nach wie vor nicht das Standardmodell. Es gibt noch viel zu wenig Juniorprofessuren, um eine sinnvolle Alternative zur Habilitation darzustellen. Außerdem brauchen wir kalkulierbare Karrierewege - daher ist auch das Tenure-Track-Modell so attraktiv. Einschränkend muss man aber feststellen, dass fast die Hälfte der Assistenzprofessoren in den USA schließlich doch keine Festanstellung erreichen. Trotzdem erscheint die Karriereperspektive belastbarer, weil Assistenzprofessoren an definierten Erfolgskriterien gemessen werden und sich an den meisten Universitäten nicht Konkurrenten von außerhalb stellen müssen. Und schließlich - wenn wir über ausländische Wissenschaftler und Spitzenkräfte sprechen - müssen wir für sie die Einstellungsbedingungen erleichtern und sie besser in den wissenschaftlichen Arbeitsmarkt integrieren.Über die Autorin
Dr. Katja Simons ist GAIN-Programmleiterin der DAAD-Außenstelle New York.
Aus Forschung & Lehre :: 06.02.2012
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