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Die Exzellenzinitiative Von Stefan Hornbostel und Michael Sondermann

Seit rund zwei Jahren läuft die Exzellenzinitiative. An 37 Hochschulen werden insgesamt 85 Exzellenzprojekte gefördert. Nun liegt die erste Zwischenbilanz von DFG und Wissenschaftsrat vor, zu der das Institut für Forschungsinformation und Qualitätssicherung (iFQ) eine erste empirische Bestandsaufnahme beigesteuert hat.

Die Exzellenzinitiative© bilderbox - Fotolia.com
Kaum ein Förderprogramm hat soviel öffentliche Aufmerksamkeit und so viele kontroverse Debatten ausgelöst wie die Exzellenzinitiative. Als ein Eliteprogramm, das einigen wenigen deutschen Hochschulen ermöglichen sollte, mit der "Ivy League" zu konkurrieren, wurde es der Öffentlichkeit erstmals in einem Strategiepapier der SPD vom Januar 2004 präsentiert.

Der Vorstoß war provokant, denn er war mit der traditionellen deutschen Vorstellung eines prinzipiell gleichwertigen Ensembles von Universitäten nicht vereinbar und er transportierte die noch frische Debatte um Eliten in Wirtschaft und Politik unvermittelt in die Wissenschaft. Entsprechend kontrovers war und ist die öffentliche Auseinandersetzung.

Nach langen Verhandlungen zwischen Bund und Ländern, Zwischenrufen von Hochschulen und Wissenschaftsorganisationen einigte man sich im Juni 2005 schließlich auf einen Kompromiss, in dem die sogenannten "Zukunftskonzepte" noch auf die Ursprungsidee verweisen, die Förderlinien "Graduiertenschulen" und "Exzellenzcluster" hingegen an bereits bekannte Förderformate anknüpfen und breite Partizipation ermöglichten. Auch die Verteilung der insgesamt 1,9 Milliarden Euro, die für den Zeitraum von 2006 bis 2011 aufgewendet werden, folgt diesem Kompromiss (29 Prozent für Zukunftskonzepte, 60 Prozent für Cluster, 11 Prozent für Graduiertenschulen). Es gehört allerdings zu den Besonderheiten der Exzellenzinitiative, dass die Förderentscheidungen weit über die eigentliche Initiative hinaus wirken - materiell, wie immateriell. Den Exzellenzgeldern folgten weitere, insbesondere private Gelder, aber auch die Nichterfolgreichen können zum Teil von erheblichen Mitteln aus kompensatorischen "Exzellenzprogrammen" der Länder und von Stiftungen, aber auch aus internen Mittelumschichtungen in den Hochschulen profitieren. Vielleicht noch wichtiger sind aber die Auswirkungen innerhalb der Hochschulen auf neue Organisationsformen, Profilentwicklungen und strategische Planungen, die der Wettbewerb um Reputation ausgelöst hat. Da die Politik bereits grundsätzliche Bereitschaft signalisiert hat, eine weitere Runde im Exzellenzwettbewerb zu finanzieren, stehen die 39 Graduiertenschulen, 37 Exzellenzcluster und neun Zukunftskonzepte nicht nur unter dem Druck, die annoncierten Versprechen einzulösen, sie werden auch mit jenen Hochschulen konkurrieren müssen, die bisher nicht dabei waren, die Zeit aber zur Vorbereitung auf eine zweite Runde im Wettbewerb genutzt haben.

Sichtbare "Spitzen"

Als Grundlagen für die weiteren politischen Entscheidungen über die Exzellenzinitiative haben DFG und Wissenschaftsrat - wie in der Bund-Länder- Vereinbarung vorgesehen - zum 30. November 2008 der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) einen Bericht vorgelegt, der darüber Auskunft geben soll, wie man auf dem Weg vorangekommen ist, "den Wissenschaftsstandort Deutschland nachhaltig zu stärken, seine internationale Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und Spitzen im Universitäts- und Wissenschaftsbereich sichtbarer zu machen".

Die Exzellenzinitiative
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Ein kurzer Blick auf die Rangplatzentwicklung deutscher Universitäten unter den weltweiten Top-200 im Times-Higher-Education-Raking - eine im wesentlichen auf Expertenbefragungen beruhende, methodisch durchaus zweifelhafte, jährliche "Sichtbarkeitsmessung" ganzer Hochschulen - wirkt ernüchternd: Zwar tauchen die meisten Universitäten mit Zukunftskonzepten auch in der Liste auf, von signifikanten Rangplatzverbesserungen kann aber nicht die Rede sein.

Möglicherweise ist es noch zu früh, um in derartigen Rankings Effekte zu verzeichnen, möglicherweise wirken sich hier aber auch die Bewertungskriterien für die Auswahl der Exzellenzprojekte aus. Charakteristisch für die Beurteilung war auf der einen Seite eine starke Betonung der bereits in der Vergangenheit erbrachten Leistungen, auf der anderen Seite die Forderung nach innovativen Konzepten. Fragt man die "Principal Investigators" der jetzt geförderten Einrichtungen, worauf bei zukünftigen Auswahlen die Betonung liegen sollte, ist die Antwort recht eindeutig: auf der wissenschaftlichen Qualität der beteiligten Personen, also auf bereits dokumentierten Leistungen. Diese Orientierung führt allerdings dazu, dass die Exzellenzeinrichtungen zunächst einmal dort sichtbarer werden, wo sie bisher auch schon wahrgenommen wurden. Es wird daher noch einiger Zeit und Anstrengungen bedürfen, bis die erwünschte internationale Sichtbarkeit auch in der Breite erreicht wird.