Stand der Personalrekrutierung bei der Exzellenzinitiative Stefan Hornbostel und Michael Sondermann
Das Institut für Forschungsinformation und Qualitätssicherung (iFQ) hat Ende 2008 über die Startphase der Exzellenzinitiative berichtet. Besorgte Diskussionen löste insbesondere der im April 2008 erreichte Stand der Personalrekrutierung von knapp 40 Prozent aus. Nun hat das iFQ die neuesten Zahlen (Stand Februar 2009) vorgelegt und erstmals hat auch der Wissenschaftsrat Daten zu den Zukunftskonzepten erhoben.
© Uschi Hering - Fotolia.comLeuchttürme der Wissenschaft: Die ExzellenzinitiativAuch zügig durchgeführte Personalrekrutierungen brauchen offenkundig eine gewisse Zeit, wenn hohe Ansprüche an die Qualität gestellt werden. Inwieweit damit das ursprünglich bewilligte Stellenvolumen vollständig ausgeschöpft ist, lässt sich allerdings nicht exakt bestimmen. Das hat vor allem mit einem von den Wissenschaftlern besonders geschätzten Spezifikum der Exzellenzinitiative zu tun, nämlich der sehr flexiblen Gestaltung des Programms einschließlich der Möglichkeiten, auch Sach- und Personalmittel umzuwidmen. Auch die Möglichkeit, in allen drei Förderlinien einen nicht unbeträchtlichen Teil der Fördersumme als flexible Mittel zu beantragen, ermöglicht den Einrichtungen Forschungsprojekte und Nachwuchsausbildung zu fördern, deren Personalintensität ex ante kaum abzuschätzen ist.
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Konsequenterweise müsste man also die von den geförderten Einrichtungen selbst gesetzten Zielgrößen mit dem erreichten Rekrutierungsstand vergleichen. Ein derartiger Vergleich von selbst gesetzten Sollzahlen (für Ende 2008) und besetzten Positionen ergab, dass die Mehrheit der Graduiertenschulen und Exzellenzcluster (56 Prozent) bei der Besetzung von Professuren über 70 Prozent der geplanten Stellenbesetzungen realisieren konnte. Für Postdocs und Doktoranden trifft dieses auf rund 90 Prozent der geplanten Positionen zu. Diese Ergebnisse zeigen recht plausibel, dass die Rekrutierung von wissenschaftlichem Nachwuchs schneller und einfacher erreicht werden kann, als die Besetzung von Professuren. Nicht nur, weil die letzteren Besetzungsentscheidungen oft weit über den Förderzeitraum der Exzellenzinitiative hinausreichen, sondern auch, weil auf einem international hart umkämpften Markt mit teilweise spürbarem Bewerbermangel rekrutiert werden muss. Es ist also nicht unbedingt ein Grund zur Beunruhigung, dass die Einrichtungen hier offenbar im Zweifel Neuausschreibungen zügigen Besetzungen vorziehen, sondern spiegelt durchaus Qualitätsbewusstsein wider.
Dass auch die Exzellenzinitiative nicht alle Rekrutierungsprobleme lösen würde, zeichnete sich schon im ersten Bericht des iFQ ab (iFQ-Working Paper No. 5). Das gilt auch für die angestrebte Erhöhung des Frauenanteils. Positiv fällt der im bundesweiten Vergleich hohe Anteil der Professorinnen auf. Die Erhebung zeigt allerdings, dass dieses Ergebnis in allen drei Förderlinien durch den überdurchschnittlich hohen Frauenanteil unter Juniorprofessuren zustande kommt. Der Anteil der aus dem Ausland rekrutierten Personen liegt bei rund 32 Prozent in Graduiertenschulen (2008 bei 25,6 Prozent) und rund 20 Prozent in Exzellenzclustern (2008 bei 22,7 Prozent) und Zukunftskonzepten. Die Exzellenzeinrichtungen wurden diesmal gebeten, für die aus dem Ausland rekrutierten Personen anzugeben, wie viele davon die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen, also "Heimkehrer" sind. Obwohl diese Gruppe insgesamt in den ersten beiden Förderlinien bezogen auf die Gesamtrekrutierung aus dem Ausland nur knapp über 10 Prozent ausmacht, ergibt sich für die Professoren und hier vor allem die Juniorprofessoren, ein erstaunlich hoher Wert (in Schulen und Clustern haben 19 von insgesamt 25 aus dem Ausland rekrutierten Juniorprofessoren die deutsche Staatsbürgerschaft). Offenbar ist gerade für deutsche Nachwuchswissenschaftler im Ausland die Ausstattung der Stellen in der Exzellenzinitiative attraktiv.
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Diese Zahlen beziehen sich auf überwiegend aus Mitteln der Exzellenzinitiative finanziertes wissenschaftliches Personal. Die Gesamtzahl der geschaffenen Stellen und Stipendien liegt allerdings deutlich höher. Für die Graduiertenschulen lässt sich aus Antragsdokumenten schätzen, dass der Anteil der unmittelbar aus Exzellenzmitteln finanzierten Doktoranden nur bei rund 20 Prozent aller dort betreuten Doktoranden liegt. Nimmt man zusätzlich eingeworbene Drittmittel und die von den Bundesländern teilweise aufgelegten Sonderprogramme hinzu, ergibt sich ein weiterer - schwer abschätzbarer - Einstellungseffekt.
Über den Autor
Stefan Hornbostel ist Professor für Soziologie am Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin und Leiter des Instituts für Forschungsinformation und Qualitätssicherung (iFQ).
Michael Sondermann ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am iFQ und Projektkoordinator für das Monitoring der Exzellenzinitiative.
Aus Forschung und Lehre :: April 2009
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27. April 2012
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)




