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Promotion Medizin
Lohnt sich die Medizin-Promotion?

Wie wichtig ist die Promotion in der Medizin? © Anchiy / unsplash.com

Ein Arzt oder eine Ärztin ohne Doktortitel? Für Patient:innen oft ungewöhnlich, für Wissenschaftsvertreter:innen denkbar. Welchen Stellenwert die Medizin-Promotion für die akademische Welt und angehende Ärzt:innen hat und was es in Sachen Finanzierung und Themenwahl bei der Doktorarbeit zu beachten gilt.

Aktualisiert: 27.07.2023

Von:
Maike Schade (mas) ,
Julia Holzapfel
Promotion Medizin, Gesundheitswesen

Artikelinhalt

Die Medizin-Promotion – eine pseudowissenschaftliche Schmalspurarbeit? Arzt ohne Doktortitel: Was sind die Vor- und Nachteile? Stipendium & Co.: Die Medizin-Promotion finanzieren Doktorarbeit in der Medizin: Tipps zur Themenwahl

Die Medizin-Promotion – eine pseudowissenschaftliche Schmalspurarbeit?

In den meisten Fachbereichen beginnen Studierende erst nach erfolgreichem Masterabschluss mit der Doktorarbeit. Anders in der Medizin: Der überwiegende Teil der Mediziner:innen startet mit der Promotion bereits während des Studiums oder kurz nach dem Examen. Wer schon als Assistenzarzt oder -ärztin arbeitet, hat aber auch eine Möglichkeit, die Promotion im Rahmen einer bezahlten Doktorandenstelle nachzuholen. 

Diesen Weg, die Doktorarbeit erst nach Studienabschluss zu schreiben, befürwortet der Wissenschaftsrat seit vielen Jahren, weil Promotionen in der Medizin oft als minderwertige Schmalspurarbeiten gelten. Von ihrem Erkenntnisgehalt könnten sie allenfalls mit den Masterarbeiten in naturwissenschaftlichen Fächern mithalten, keinesfalls aber mit den dortigen Doktorarbeiten, so das Beratungsgremium. Im europäischen Vergleich müssen deutsche Mediziner:innen deshalb bei einer Bewerbung um EU-Fördergelder ihre wissenschaftliche Eignung zusätzlich nachweisen, während bei anderen Ländern die Promotion reicht.

Wissenschaftsrat fordert: M.D. und PhD statt Dr. med.

Der Wissenschaftsrat hat für ein Berufsdoktorats plädiert, wie es beispielsweise auch in Österreich Praxis ist: Nach bestandenem Examen würde dann der Titel M.D. (Medizinischer Doktor) geführt. Alle, die ein gesteigertes Forschungsinteresse haben, könnten im Anschluss – vergleichbar mit den Promotionen anderer Fächer – ein „richtiges“ Doktorat absolvieren, das sie mit dem international anerkannten Titel PhD und einer qualitativ höherwertigen Forschungsarbeit abschließen. 

Anzahl der strukturierten Promotionsprogramme in der Medizin steigt

Der Medizinische Fakultätentag (MFT) ist gegen diesen Vorschlag, begrüßt aber „die Vorschläge des Wissenschaftsrats zur Verstärkung der Wissenschaftlichkeit im Medizinstudium“, wie es in einem Positionspapier heißt. Er setzt auf den Ausbau von strukturierten Promotionsprogrammen „mit einer mindestens neun Monate dauernden ausschließlichen Tätigkeit für die Forschung“. Laut Auskunft des MFT haben in Deutschland bis Juli 2023 insgesamt 28 medizinische Fakultäten strukturierte Promotionsprogramme eingeführt, bei zwei weiteren ist die Einführung geplant.

Besserung verspricht auch die geplante Änderung der Approbationsordnung, die am 1. Oktober 2027 in Kraft treten könnte. Der Entwurf sieht unter anderem vor, dass künftig während des Studiums verstärkt die Grundlagen für wissenschaftliches Arbeiten vermittelt werden sollen.

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Arzt ohne Doktortitel: Was sind die Vor- und Nachteile?

Gesellschaftlich hält sich die Ansicht, ein Doktor ohne Titel sei kein richtiger Arzt, hartnäckig. Über die fachliche Eignung im Umgang mit Patienten sagt der Doktortitel aber nichts aus, und er ist für die Niederlassung als Fach- oder Hausarzt auch keine Bedingung. Dennoch gehört er für die meisten Absolventen dazu: Laut Destatis waren 63 Prozent aller Humanmedizinabschlüsse Promotionen – deutlich mehr als bei anderen Fächern, wie der Vergleich zeigt. 

Dabei hat es durchaus Vorteile, auf die Promotion in der Medizin zu verzichten: 

  • Mehr und frühere Praxiserfahrung
  • Zeit- und damit auch Geldersparnis durch eine verkürzte Studiendauer.

Nachteile eines Verzichts auf den Doktortitel: 

  • Kaum eine Chance auf eine leitende Position an Krankenhäusern oder Universitäten
  • Meist geringeres Einstiegsgehalt
  • Schlechtere Berufsaussichten in beliebten Fachrichtungen wie der Inneren oder der Kinder- und Jugendmedizin.

Die Entscheidung, ob eine Promotion im Einzelfall sinnvoll ist oder nicht, sollte sorgsam getroffen werden. Maßgeblich hängt sie davon ab, welche der zahlreichen Berufsperspektiven für Mediziner angestrebt wird. 

Schon gewusst?

Sie sind noch unschlüssig, ob Sie promovieren sollten? Finden Sie es heraus! Als registrierte:r Nutzer:in können Sie kostenlos den academics-Promotionstest machen, den wir gemeinsam mit dem Psychologischen Institut der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg entwickelt haben.

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Stipendium & Co.: Die Medizin-Promotion finanzieren

Wie Absolvent:innen aller Fächer die Zeit ihrer Doktorarbeit finanzieren, hängt im Wesentlichen von der Art der Promotion ab. Die meisten Mediziner:innen beginnen schon während des Studiums mit ihrer Dissertation, daher fällt diese Frage unter das allgemeine Thema Studienfinanzierung. Extern Promovierende bewerben sich überdurchschnittlich häufig um Stipendien: Sie haben ihr Studium bereits abgeschlossen und wollen ihre Doktorarbeit nebenberuflich verfassen, ohne an einer Hochschule eingeschrieben zu sein. Dafür suchen sie finanzielle Unterstützung.

Stipendien gibt es aber auch für die immatrikulierten und promovierenden Mediziner:innen: Mehrere Klinikgesellschaften bieten Studierenden höherer Semester Förderungen, die die Doktorarbeit ebenfalls umfassen. Auch medizinische Verbände unterschiedlicher Fachgebiete – von Orthopädie bis Familienmedizin – fördern Studierende und Promovierende in Medizin, die eine Affinität für die jeweilige Spezialisierung zeigen. Viele dieser Programme sind als Einmalzahlungen angelegt.

Daneben vergeben Stiftungen, Verbände und Unternehmen Stipendien: Die Deutsche AIDS-Stiftung beispielsweise fördert Studierende und Promovierende, die sich mit HIV, Aids oder STI auseinandersetzen wollen, mit jährlich bis zu 6.000 Euro; der ADAC unterstützt Dissertationen im Bereich Notfallmedizin. Wer im Rahmen der Promotion für die Pharmaforschung interessante Bereiche bearbeitet, kann sich um finanzielle Unterstützung über Unternehmensstipendien bewerben. Bei den entsprechenden Krankenhäusern, Verbänden und Stiftungen konkret nachzufragen, kann sich finanziell lohnen.

Übrigens: Wer die Promotion erst im Anschluss an das Examen angeht, hat keinen Anspruch auf BAföG mehr. Allerdings können die Ausgaben, die durch die Doktorarbeit entstehen, steuerlich abgesetzt werden.

Doktorarbeit in der Medizin: Tipps zur Themenwahl

Wie bei der Themenwahl für die Doktorarbeit in anderen Studiengängen sollten auch Mediziner:innen ihr Forschungsgebiet mit Bedacht auswählen. Ausgangspunkt für die Themensuche kann die Frage nach der Art der Dissertation sein. Es werden vier Typen unterschieden. 

Experimentelle Doktorarbeit

Diese Art der Dissertation wird im Labor erarbeitet: Es wird zu einem bestimmten Thema geforscht. Häufig ist der Aufwand sehr groß, da langwierige Experimente durchgeführt werden müssen, die auch nicht immer gleich beim ersten Mal gelingen. Hier ist großes Durchhaltevermögen und Freude am Arbeiten im Labor gefragt. Der Zeitaufwand für diese Art der Dissertation ist höher als bei anderen. Er lohnt sich aber insbesondere, wenn Interesse an einer Forschungstätigkeit im späteren Berufsleben besteht.

Klinische Doktorarbeit

Hier steht eine klinische Studie und die Auswertung der daraus gewonnenen Daten im Zentrum. Meist werden sie selbst erhoben (prospektive Studie), es können aber auch bereits bestehende analysiert werden (retrospektive Studie). Der Vorteil daran: Man erhält Einblick in das beabsichtigte Fachgebiet und kann bereits jetzt das Fundament für den späteren Schwerpunkt als praktizierende:r Arzt oder Ärztin, auch in leitender Funktion, legen. Auch für eine Karriere in der Forschung und Lehre ist dieser Typ Arbeit geeignet.

Theoretische Doktorarbeit

Bereits bestehende Arbeiten aus der medizinischen Forschung und verwandten Gebieten wie der Medizininformatik oder -ethik werden in neue Zusammenhänge gebracht. Der Zeitaufwand kann groß sein, wenn eine Einarbeitung in andere Fächer nötig ist. Die theoretische Arbeit ist eine gute Variante, wenn eine medizintheoretische Karriere oder die Tätigkeit als praktizierender Arzt oder Ärztin in der eigenen Praxis oder einem Krankenhaus geplant ist. 

Statistische Doktorarbeit

Von Kliniken und Studien erhobene Daten werden statistisch ausgewertet und mit bestehendem Wissen verglichen. Der Zeitaufwand ist in der Regel überschaubar. Diese Art Dissertation eignet sich besonders gut, wenn eine Tätigkeit als praktizierender Arzt oder Ärztin in einer Praxis oder einem Krankenhaus angestrebt wird.

Neben dem angestrebten Berufsweg sollten auch die eigenen Talente und Interessen Themenwahl und Art der Arbeit beeinflussen. Die Ausrichtung der Arbeit geht Hand in Hand mit der Entscheidung für eine betreuende Doktormutter oder einen betreuenden Doktorvater, die oder der Erfahrung im und vor allem Interesse am gewählten Forschungsgebiet haben sollte.

Zahlreiche Themen werden auf den sogenannten Doktorandenbörsen der medizinischen Fakultäten mit den angeschlossenen Universitätskliniken veröffentlicht. Wer dort fündig wird, kann sich direkt für ein Thema bewerben. Häufig handelt es sich dabei um Teilaspekte längerfristiger Forschungsprojekte. Alternativ bieten diese Börsen hilfreiche Anregungen für einen eigenen Forschungsansatz. Beim Umfang machen Fakultäten und Betreuende häufig Vorgaben, über die man sich vor dem Start erkundigen sollte.

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Aktuelle Veranstaltungen

  • academics Event

    Podiumsdiskussion & Austausch: Karrierewege in und aus der Wissenschaft (Berlin Science Week)

    Datum Fr, 6.11.2026
    Zeit 14-16 Uhr
    Ort Haus der Kulturen der Welt (HKW), John-Foster-Dulles-Allee 10 10557 Berlin
    Redner Dr. Hanna Proner (DIE ZEIT)
    Redner Dr. Nicole Saverschek
    Redner Dr. Nina Fechler
    Redner Dagny Lüdemann
    Redner Dr. Nele Diekmann

    In diesem zweistündigen Bühnenslot geben vier Expertinnen und Rolemodels persönliche Einblicke in ihre beruflichen Wege und berichten von Chancen, Entscheidungen und Erfahrungen an unterschiedlichen Schnittstellen zur Wissenschaft. Ob der Weg tiefer in die Forschung führt, um einem Forschungsprojekt zum durchschlagenden Erfolg zu verhelfen oder in die Gründung eines Start-Ups oder vielleicht ins Wissenschaftsmanagement oder auch in die Wissenschaftskommunikation – diese Ideen, Motivationen und vielleicht auch ganz neue Perspektiven diskutieren wir auf der Bühne, aber danach auch mit allen Teilnehmer:innen an Thementischen im persönlichen Gespräch – mit viel Zeit zum Fragen stellen und Erfahrungen teilen.

    Die Veranstaltung richtet sich an junge Wissenschaftler:innen und alle, die sich mit ihrer beruflichen Zukunft auseinandersetzen. Sie bietet Orientierung, Inspiration und ganz konkrete Einblicke in mögliche Karriereschritte in und aus der Wissenschaft.

    Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung (3-Tages-Pass für die Berlin Science Week) ist erforderlich – Link hinter dem Button „Mehr erfahren“!

    Role Models und Speakerinnen:

    • Dr. Nicole Saverscheck, promovierte Biologin, Leitung des Begabtenförderungswerk der Stiftung der Deutschen Wirtschaft
    • Dr. Nina Fechler, promovierte Chemikerin, Global Director Strategic Marketing & Business Development bei Evonik
    • Dagny Lüdemann, Biologin, Chefreporterin im Ressort Wissen für DIE ZEIT
    • Dr. Nele Diekmann, promovierte Geisteswissenschaftlerin, selbständig

    Moderation: Dr. Hanna Proner, Geschäftsführerin von academics und Director Science / ZEIT Talent bei DIE ZEIT

    Termin: Freitag, 6. November 2026, 14 bis 16 Uhr
    Veranstaltungsort: Haus der Kulturen der Welt (HKW), John-Foster-Dulles-Allee 10 10557 Berlin

    Mehr erfahren Weniger anzeigen
    Mehr Informationen
  • Online Seminar

    Perspektive HAW-Professorin – Online-Seminar für Frauen*

    Datum Mi, 18.11.2026
    Zeit 09:15 bis 11:15
    Redner Prof. Dr. Lydia Göse (TH Wildau)
    Redner Marianne Löhndorf (TH Lübeck)

    Wie gelingt der Weg zur HAW-Professur? Und welche Fragen stellen sich dabei ganz besonders für Frauen*?

    Gemeinsam mit dem Fellowship-Programm „Zia – Visible Women in Science“ wollen wir diese und weitere Fragen in einem kostenfreien, interaktiven Online-Seminar rund um den Karriereweg HAW-Professur beantworten.

    Neben Einblicken in Voraussetzungen, Berufungsverfahren und den Berufsalltag geht es vor allem um Themen, die Frauen auf ihrem Karriereweg bewegen: Wie lässt sich eine Professur mit Familie und Privatleben vereinbaren? Welche Hürden können auf dem Weg entstehen? Und was hilft dabei, den nächsten Karriereschritt selbstbewusst zu gehen?

    Infos und Tipps aus erster Hand kommen dabei von Prof. Dr. Lydia Göse (TH Wildau), mit der wir über ihren persönlichen Weg zur Professur sprechen, und Marianne Löhndorf (TH Lübeck), die Einblicke in Berufungsverfahren und Karrierewege gibt.

    Besonders wichtig: Dieses Webinar lebt vom Austausch. In einem eigenen Networking-Block haben die Teilnehmerinnen Raum, miteinander ins Gespräch zu kommen, Fragen zu stellen, Erfahrungen zu teilen und neue Kontakte zu knüpfen. Die Teilnehmerinnenzahl ist deshalb auf 250 limitiert.

    Das Online-Seminar findet in Kooperation mit der Kampagne „Karriere mit Wirkung“ und dem Fellowship-Programm „Zia – Visible Women in Science and Humanities“ der ZEIT statt.

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