Wissenschaftsmanagement: Dienstleister für die Wissenschaft Von Denise Haberger

Sie steuern, organisieren, planen, strukturieren und verteilen - Wissenschaftsmanager wollen Hochschulen und Forschungseinrichtungen auf Vordermann bringen. Doch auch beim eigenen Berufsbild besteht Handlungsbedarf: Einiges ist unklar, Vieles wird sich in Zukunft ändern.

Wissenschaftsmanagement: Dienstleister für die Wissenschaft© wrangler - Fotolia.comWissenschaftsmanagement gewinnt an deutschen Hochschulen zunehmend an Bedeutung - doch fehlt es noch an einer selbstbestimmten Postitionsbeschreibung und an Anerkennung für die Wissenschaftsmanager
Patrick Honecker versteht sich als Dienstleister. Seine Kunden sind die Wissenschaftler an der Universität Köln. Sein Ziel: Die Gesamtwahrnehmung seiner Hochschule verbessern. Honecker leitet dort das Dezernat Kommunikation und Marketing. "Wir pusten Informationen nicht einfach so raus, sondern streuen unsere Botschaften strukturiert", erklärt Honecker. Die Reputation einer Organisation sei ein entscheidender Erfolgsfaktor für dieselbe. "Auch der Kommunikationsprozess ist ein Managementprozess", sagt der Pressesprecher und Wissenschaftsmanager weiter.

Kommunikation, Haushalt, Personal, Recht - diese Aufgaben sind nicht neu an wissenschaftlichen Einrichtungen. Doch seit rund 20 Jahren ändern sich die Tätigkeitsfelder kontinuierlich. Die klassische Personalarbeit reicht nicht mehr aus, Personalentwicklung lautet heute das Stichwort. Und auch unter Gebäudemanagement versteht man mittlerweile weit mehr als Hausmeistertätigkeiten. Zu den bestehenden Aufgaben kommen außerdem immer neue hinzu, Hochschulen müssen sich heute auch mit den Themen Qualitäts- und Diversitymanagement, Fundraising sowie Alumni auseinandersetzen.

Mehr Autonomie und Gestaltungsspielraum für Hochschulen und Forschungseinrichtungen

Dieser Veränderungsprozess resultiert aus dem Wandel des deutschen Wissenschaftssystems. Deutsche Hochschulen sind schon lange keine staatlich regulierten und gesteuerten Einrichtungen mehr. Besser gesagt wird ihnen immer mehr Eigenverantwortung zugestanden. Seit der Novellierung des Hochschulrahmengesetzes 1998 haben die Bundesländer den Hochschulen mehr Autonomie und damit auch Entscheidungsmöglichkeiten zugesprochen. "Heute haben sie die Freiheit, aber auch die Verantwortung, sich selbst zu managen", sagt Frank Ziegele, Geschäftsführer des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) und Leiter des berufsbegleitenden MBA-Studiengangs Hochschul- und Wissenschaftsmanagement an der Hochschule Osnabrück. Auch der steigende Wettbewerbsdruck und die voranschreitende Internationalisierung des Hochschulsystems machen qualifiziertes Personal notwendig, das mit den veränderten Rahmenbedingungen umgehen könne, so Ziegele.

Wissenschaftsmanagement: Dienstleister für die Wissenschaft Patrick Honecker möchte mit Wissenschaftsmanagement die Gesamtwahrnehmung seiner Hochschule verbessern
Wissenschaftsmanager sollen diese Lücke schließen. Sie arbeiten in der Verwaltung und in der Wissenschaft, denn auch auf der Forschungsebene haben Managementaufgaben stark zugenommen. Positionen sind zum Beispiel Fakultätsgeschäftsführer, Dekane, Referatsleiter, Kanzler, Rektoren oder auch Pressesprecher, die Aufgaben eines Wissenschaftsmanagers übernehmen. Ihr Ziel ist laut Ziegele die Verbesserung von Forschung und Lehre, indem sie für "optimale Entfaltungsmöglichkeiten für Wissenschaftler" sorgen. Auch Thorsten Mundi, Geschäftsführer des Zentrums für Wissenschaftsmanagement, wagt einen Definitionsversuch; "Wissenschaftsmanager steuern Hochschulen und Forschungseinrichtungen oder arbeiten daran mit. Dabei berücksichtigen sie die Eigenarten des Systems." Denn Forschungseinrichtungen seien ganz anders als Unternehmen, sie arbeiten nicht an Produkten, sondern an Erkenntnisfortschritten. "Wissenschaftsmanager sind Wissenschaftsermöglicher", ergänzt Mundi.

Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Verwaltung

Eine dieser "Wissenschaftsermöglicher" ist Waltraud Sennebogen. Die 36-Jährige leitet das Referat Hochschulstrategie an der Technischen Universität Darmstadt. Sie will ihre Uni voranbringen, die Entscheidungsträger bei ihren Entscheidungen unterstützen. Sennebogen sieht sich als Dienstleisterin an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und "klassischer" Verwaltung, ihre Aufgabe ist auch ein wenig die Vermittlung zwischen beiden. "Zwischen den Stühlen fühle ich mich aber nicht", erzählt die Wissenschaftsmanagerin. "Ich fühle mich mittendrin. Ich habe die Fachbereiche und gleichzeitig die Hochschulleitung im Blick. Das ist reizvoll."

Wissenschaftsmanagement: Dienstleister für die Wissenschaft Frank Ziegele, Leiter des berufsbegleitenden MBA-Studiengangs Hochschul- und Wissenschaftsmanagement an der Hochschule Osnabrück
Doch nicht alle sehen diese Rolle zwischen den Stühlen so positiv wie Sennebogen. Diese "Sandwich-Position" wie Margrit Seckelmann, Geschäftsführerin am Deutschen Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung Speyer, die Problematik der Wissenschaftsmanager beschreibt, sei für die Betroffenen nicht unproblematisch. Es solle daher nach Verbesserungsmöglichkeiten gesucht werden, um Wissenschaftsmanagement als ein eigenständiges Berufsfeld zu etablieren. Auch Frank Ziegele wirbt für Akzeptanz: "Wissenschaftsmanager sind für den Erfolg einer Organisation genauso wichtig wie die Wissenschaftler." Der Respekt untereinander müsse daher wachsen, sagt Ziegele. Das gelte für beide Seiten.

Großer Gestaltungsspielraum für Wissenschaftsmanager

Gerade Wissenschaftsmanager, die selbst aus der Wissenschaft kommen, haben gute Chancen, die Symbiose beider Seiten zu meistern. "Wer Systemkenntnis mitbringt, hat einen klaren Akzeptanzvorteil", weiß Thorsten Mundi. Das bestätigt auch Ziegele: "Wissenschaftsmanager, die ein solides Wissenschaftsfundament haben, sprechen die Sprache der Wissenschaftler." Dies führe zu größerem Verständnis. Die Kehrseite dieser Medaille: Wissenschaftsmanger, die früher als Wissenschaftler gearbeitet haben, werden manchmal als gescheiterte Wissenschaftler wahrgenommen. Deswegen sei es wichtig, weiter an der Akzeptanz des Berufsfelds als professioneller Alternative zum Wissenschaftsbetrieb zu arbeiten, so Sennebogen.

Wissenschaftsmanagement: Dienstleister für die Wissenschaft Thorsten Mundi, Geschäftsführer des Zentrums für Wissenschaftsmanagement, sieht Wissenschaftsmanager als "Wissenschaftsermöglicher"

Wer dies tut, dem bieten sich viele Chancen. Das Tätigkeitsfeld ist breit aufgestellt und bietet neben vielseitigen Aufgaben große Herausforderungen. Und Waltraud Sennebogen weiß aus Erfahrung: "Der Gestaltungsspielraum ist im Vergleich zur rein wissenschaftlichen Karriere schon früh ziemlich groß." Frank Ziegele sieht in der Möglichkeit, den Wandel vorantreiben zu können und in der hohen Dynamik zwei weitere Argumente für den Beruf. Doch gerade die hohe Dynamik sorgt auf der anderen Seite für große Unsicherheiten: "Viele der Stellen sind befristet. Es ist noch nicht klar, wie nachhaltig das Ganze ist", so Ziegele.

Keine klaren Karrierepfade und keine strukturierte Rekrutierung

Die Herausforderung für das neue Tätigkeitsfeld Wissenschaftsmanagement wird die weitere Professionalisierung und das Verstetigen der Positionen sein. Noch fehle es vor allem an Hochschulen an professioneller Identität unter den Wissenschaftsmanagern, konstatierte 2010 eine CHE-Studie zur Karriereförderung im Wissenschaftsmanagement, an der Frank Ziegele mitgearbeitet hat. Auch dass es meist keine klaren Karrierepfade und keine strukturierte Rekrutierung gäbe, sei zwingend verbesserungswürdig. Trotz der Probleme bescheinigt die CHE-Studie dem Wissenschaftsmanagement prinzipiell gute Aussichten. "Das Feld wird sich inhaltlich laufend verändern und auch internationaler werden", prognostiziert Ziegele.

Herausfordernde Aufgaben, hohe Dynamik, internationale Perspektiven - Angst vor einem trockenen Verwaltungsjob brauchen Wissenschaftsmanager nicht haben. "Verwaltung zielt auf Regelvollzug, Wissenschaftsmanagement auf Zielerreichung", beschreibt Thorsten Mundi den Unterschied. Und Patrick Honecker ergänzt: "Wir verwalten nicht, wir gestalten Prozesse."

academics :: November 2012

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