Unterschied Bewerbung Wissenschaft | Wirtschaft | Öffentlicher Dienst
Bewerbung: Darauf sollten Sie je nach Arbeitgeber achten

Inwieweit unterscheiden sich Bewerbungen in der Wissenschaft zu denen in der Wirtschaft? © mediaphotos / iStock.com
Was Ihnen bei der Bewerbung um eine Führungsposition in der Privatwirtschaft zum Erfolg verhilft, kann hingegen an der Uni oder im öffentlichen Dienst als K.-o.-Kriterium gelten – und umgekehrt. Worauf Sie bei Ihrer Bewerbung jeweils achten sollten, wird hier erläutert.
Aktualisiert: 15.08.2025
Bewerbung in der Wissenschaft
Wie sollte das Bewerbungsschreiben für wissenschaftliche Stellen aussehen?
In der Wissenschaft wirken, im Gegensatz zu Bewerbungen bei Wirtschaftsunternehmen, allzu flott und originell formulierte Anschreiben im Allgemeinen eher dubios. Denn an Universitäten und Forschungseinrichtungen sind insgesamt weniger Kandidaten des Typs „Manager mit Biss“ als vielmehr seriöse Forscherpersönlichkeiten gefragt, die sich vorrangig durch ihre wissenschaftlichen Kenntnisse und Erfahrungen qualifizieren.
Im Hinblick auf Ihre schriftlichen Bewerbungsunterlagen lohnt sich speziell bei Berufungsverfahren ein aufwendiges, womöglich farblich individuell und auffällig gestaltetes Layout Ihrer Unterlagen nicht, da die Mappen nur selten von allen Kommissionsmitgliedern eigenhändig durchgeblättert werden. Stattdessen orientieren sich Berufungskommissionen anhand eigens erstellter Synopsen, also tabellarischen Übersichten mit den wesentlichen Angaben (z.B. Alter, Forschungsschwerpunkte, Anzahl der Publikationen, Höhe der eingeworbenen Drittmittel usw.), um die einzelnen Bewerber/innen direkt zu vergleichen.
Was ist hinsichtlich des Lebenslaufs bei Bewerbungen in der Wissenschaft zu beachten?
Ihren akademischen Lebenslauf sollten Sie bei einer Bewerbung in der Wissenschaft ganz auf Ihre bisherige akademische Karriere fokussieren. Rücken Sie Ihren wissenschaftlichen Werdegang in den Mittelpunkt und legen Sie ihn übersichtlich und nachvollziehbar an, damit alle wesentlichen Informationen zu Ihrer Qualifikation direkt erkennbar sind.
Insbesondere bei Bewerbungen um eine Professur gilt das für Unternehmensbewerbungen typische Gebot der Kürze in dieser Strenge nicht. Vielmehr steigt Ihre Qualifikation, je mehr Projekte und Aufgaben Sie in Forschung und Lehre vorzuweisen haben. Ein facettenreiches wissenschaftliches Profil kann gut und gerne mehrere Seiten im Lebenslauf füllen.
Im Gegensatz zur Bewerbung in der freien Wirtschaft erfordert eine Lückenlosigkeit in der Berufsbiographie in der Wissenschaft nicht zwangsläufig, dass sich jeder Ihrer früheren Arbeitsverträge nahtlos an den nächsten gereiht haben muss. In vielen Fächern gilt es durchaus als normal, dass zwischen zwei Arbeitsverhältnissen auch (kürzere) Phasen ohne Anstellung liegen, in denen z.B. ein Antrag für die Folgefinanzierung auf den Weg gebracht wird.
Mit Bedacht angegebene private Hobbys, Engagements und Mitgliedschaften, also jene Rubriken, die Personalverantwortlichen in Unternehmen die zum Stellenprofil passenden „Soft Skills“ signalisieren, sind für die Wissenschaft wiederum wenig relevant: Hier herrscht in vielen Fachkulturen eher die Vorstellung, dass es für ernstzunehmende Wissenschaftler/innen neben ihrem Beruf im Grunde nichts anderes mehr in ihrem Leben geben dürfe.
➥ Tipp: Im Downloadbereich von academics gibt es deutsch- und englischsprachige Vorlagen für einen wissenschaftlichen Lebenslauf. Registrierte Nutzer:innen können diese kostenlos herunterladen!
Welche Anlagen füge ich meiner Bewerbung bei?
Zu Ihrer Bewerbung auf eine Stelle in der Wissenschaft gehören neben relevanten Diplomen und Zeugnissen aus Ausbildung und Beruf auch
- ein Verzeichnis Ihrer wissenschaftlichen Veröffentlichungen, Projekte, Preise und Wettbewerbe (ggf. mit Arbeitsproben),
- eine Auflistung von betreuten Abschlussarbeiten,
- Nachweise über Ihre Lehrtätigkeiten,
- eine Auflistung Ihrer Lehrveranstaltungen,
- oft ein Lehr- und/oder Forschungskonzept und
- eine Auflistung von Drittmitteleinwerbungen.
➥ Lesetipp: Bewerbung um eine Professur | Bewerbung als Postdoc | Bewerbung um eine Promotionsstelle
Bewerbung im öffentlichen Dienst (außer Hochschule/AUF)
Wie sollte das Bewerbungsschreiben für Stellen im öffentlichen Dienst aussehen?
Kurz zur Definition: Selbstverständlich handelt es sich auch um Jobs an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen um Stellen im öffentlichen Dienst. Hier sind jedoch solche an anderen staatlichen Einrichtungen – etwa kommunale Verwaltungen, Behörden oder Ämter – gemeint.
In der Regel sollten Anschreiben für die Bewerbung um einen Job im öffentlichen Dienst eher konservativ gestaltet werden. Ausnahme: Es, handelt sich um eine Stelle, bei der Kreativität bzw. künstlerische Kompetenzen gefragt sind, etwa als Kulturpädagog:in an einem staatlichen Museum oder einer Jugendeinrichtung. Dann darf die Bewerbung auch kreativer ausfallen. Ansonsten sollten eine klassische Schriftart, gedeckte Farben und ein sachlicher Stil gewählt werden. Da Bewerbungen, selbst wenn sie digital eingesandt werden (was mittlerweile üblich ist), häufig dennoch ausgedruckt werden, sollte darauf geachtet werden, dass sie auch in schwarz-weiß ansprechend aussieht.
Bitte auch beachten: Die Nennung einer Gehaltsvorstellung ist nicht üblich, da Stellen im öffentlichen Dienst tariflich bezahlt werden. Um welche Gehaltsgruppe es sich handelt – etwa E10, E11, E12, E13, E14, E15 oder eine entsprechende Besoldungsgruppe bei Beamtenstellen – ist für gewöhnlich in der Stellenanzeige angegeben.
Öffentlicher Dienst: Stellenangebote
Was ist hinsichtlich des Lebenslaufs bei Bewerbungen im öffentlichen Dienst zu beachten?
Der Lebenslauf sollte – wenn nicht anders angegeben – tabellarisch, antichronologisch und sachlich gestaltet sein. Führen Sie unbedingt verpflichtende Qualifikationen oder andere Voraussetzungen für die ausgeschriebene Stelle an, ebenso stellenrelevante Zusatzqualifikationen wie Praktika oder Weiterbildungen. Ehrenamtliche Tätigkeiten belegen ihr Engagement für die Gesellschaft, auch diese sollten sie nennen, auch wenn die Tätigkeit thematisch nichts mit dem gewünschten Job zu tun hat. Hobbies haben in einer Bewerbung für den öffentlichen Dienst nur dann etwas zu suchen, wenn sie ihre Eignung für die Stelle unterstreichen.
Ein Bewerbungsfoto ist in Deutschland grundsätzlich keine Pflicht. Während in der freien Wirtschaft Personaler:innen diese dennoch gerne ansehen, ist dies im öffentlichen Dienst möglicherweise sogar unerwünscht, weil dies gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz verstößt. Lesen Sie die Stellenausschreibung genau oder fragen Sie am besten bei der dort genannten Ansprechperson nach, ob sich ein Foto eventuell nachteilig auswirken könnte.
Welche Anlagen füge ich meiner Bewerbung bei?
Zu Ihrer Bewerbung auf eine Stelle im öffentlichen Dienst gehören (wenn nicht anders angegeben)
- stellenrelevante Ausbildungs- und Arbeitszeugnisse
- Nachweise über Fort- und Weiterbildungen
- gegebenenfalls ein Führungs- oder Gesundheitszeugnis, wenn dies verlangt ist
- gegebenenfalls die Kopie ihres Führerscheins, wenn dieser Voraussetzung für den Job ist
➥ Lesetipp: Bewerbung im öffentlichen Dienst – ausführliche Informationen und Gehalt im öffentlichen Dienst – Entgelttabellen und Informationen im Überblick
Bewerbung in der freien Wirtschaft
Wie sollte das Bewerbungsschreiben für Stellen in der Wirtschaft aussehen?
Beim Bewerbungsschreiben für eine Stelle in einem Wirtschaftsunternehmen kommt es darauf an, dass Sie sich als Person mit Ihren eigenen Qualifikationen und Kompetenzen überzeugend und gleichzeitig individuell präsentieren. Darüber hinaus sollte das Anschreiben Ihre Motivation und Ihren Enthusiasmus für die jeweilige Position und Tätigkeit zum Ausdruck bringen. Auf maximal einer Seite gilt es, prägnant zu formulieren und dabei übliche Floskeln und Phrasen zu vermeiden. Stellen Sie einen Bezug zum Arbeitgeber her und nennen Sie starke Argumente, die für Sie als idealen Kandidaten oder ideale Kandidatin sprechen.
Nach Möglichkeit sollten Sie bereits in Ihrem Einstieg mittels eines pointierten, je nach Branche und Jobangebot gar originellen oder unkonventionellen ersten Satzes die Neugier und das Interesse des Empfängers wecken.
Was ist hinsichtlich des Lebenslaufs bei Bewerbungen in Unternehmen zu beachten?
Wenn Sie sich in der freien Wirtschaft bewerben, bildet der Lebenslauf, auch Curriculum Vitae (CV) genannt, das eigentliche Kernstück ihrer Unterlagen. In Abgrenzung zum Anschreiben schärft er Ihr Bewerbungsprofil und transportiert die „harten Fakten“ ihrer Qualifikation für die eigentliche Stelle.
Entscheidend ist, dass Sie den tabellarischen Lebenslauf auf maximal zwei Seiten übersichtlich aufbauen und gut strukturieren – in aller Regel über die Kategorien persönliche Angaben, beruflicher Werdegang, besondere Kenntnisse, persönliche Interessen.
Ihr Lebenslauf sollte sich stets auf dem neuesten Stand befinden, an die Anforderungen der ausgeschriebenen Position angepasst sein und keine Lücken aufweisen: Alle Zeiträume über drei Monate hinaus sollten Sie unbedingt mit Angaben versehen.
Welche Anlagen gehören zu meiner Bewerbung bei einem Wirtschaftsunternehmen?
Bestandteil jeder vollständigen Bewerbung in einem Unternehmen sind relevante Anlagen, die Sie Ihren Unterlagen beifügen. Erforderlich sind
- alle Diplome,
- (Arbeits-)Zeugnisse,
- Bescheinigungen über Fortbildungen und Zusatzqualifikationen,
- nebenberufliche Engagements sowie
- Referenzen, die unterstreichen, dass Sie als Bewerber die entscheidenden Qualifikationen und Kompetenzen für das jeweilige Stellenprofil mitbringen.
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Verfahrensunterschiede bei Bewerbungsprozessen
Insgesamt gibt es eine Reihe von Verfahrensunterschieden zwischen Bewerbungen in Wirtschaft, Wissenschaft und öffentlichem Dienst. Während Unternehmen meist ein Interesse daran haben, offene Stellen relativ zügig zu besetzen, mahlen die Mühlen im öffentlichen Dienst – sowohl in Behörden als auch an Hochschulen – insgesamt langsamer. Insbesondere nach Ausschreibungen von Professuren können bis zum Dienstantritt durchaus ein bis zwei Jahre vergehen, doch nimmt die persönliche Begutachtung der einzelnen Bewerber:innen dabei die geringste Zeit in Anspruch: Häufig genügt der Berufungskommission im Unterschied zu Unternehmen eine einmalige Vorstellung der Kandidat:innen an der Hochschule, um sich ein Bild zu verschaffen. Die anlässlich von Vorstellungsgesprächen und Berufungsvorträgen entstehenden Reisekosten werden von Hochschulen übrigens nur selten erstattet, während dies in der Wirtschaft durchaus üblich ist.
Wirtschaft: Wenn Ihre schriftliche Bewerbung überzeugt hat, wird man sich seitens des Unternehmens in aller Regel zeitnah bei Ihnen melden und Sie in einer zweiten (und möglicherweise auch dritten) Runde zum persönlichen Bewerbungsgespräch einladen, bevor die zuständigen Personalverantwortlichen ihre Auswahlentscheidung treffen. Sollten Sie jeweils etwa drei Wochen nach Abgabe ihrer schriftlichen Bewerbung oder auch nach Ihrem Vorstellungsgespräch keinerlei Rückmeldung oder Feedback erhalten haben, so kann es durchaus lohnen, sich höflich nach den eigenen Chancen und dem Status des Auswahlprozesses zu erkundigen. Mit einem persönlichen Anruf beim Unternehmen bekunden Sie deutliches Interesse und zeigen Initiative.
Wissenschaft: An Hochschulen ist diese Praxis jedoch im Allgemeinen unüblich; besonders im Rahmen universitärer Berufungsverfahren gilt sie als unangemessen und geradezu aufdringlich – hier ist daher Zurückhaltung angebracht. Ein differenziertes Feedback zum eigenen Auftritt, aus dem sich erkennen lässt, warum es in diesem Fall mit der Bewerbung nicht geklappt hat, bildet leider sowohl in weiten Teilen der Wirtschaft als auch in der Wissenschaft noch immer eine Ausnahme.