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Jobchancen in der Chemiebranche
Berufsaussichten nach Chemiestudium: Welche Perspektiven bietet die Branche?

Treppe Symbolbild Berufsaussichten Chemie

Chemikern nach dem Studium steht ein breites Feld an möglichen Berufen offen © Manu Reyes / Photocase

Die Chemiebranche entwickelte sich stetig positiv – doch 2022 haben sich die Vorzeichen geändert. Die Berufsaussichten nach einem Chemiestudium bleiben aber gut.

Aktualisiert: 12.10.2022

Von:
Florian Heil
MINT Chemie Naturwissenschaften Karriereplanung

Artikelinhalt

Chemiebranche: Wie ist die Lage? Berufsaussichten nach dem Chemiestudium Perspektiven für promovierte Chemiker

Chemiebranche: Wie ist die Lage?

Die Umsätze in der deutschen Chemie- und Pharmabranche bewegten sich jahrelang auf sehr hohem Niveau. Das Jahr 2021 ging mit mehr als 227 Milliarden Euro als umsatzstärktes in die Geschichte ein – trotz eines coronabedingt extrem schwachen ersten Quartals. Und auch das Jahr 2022 befindet sich auf Rekordkurs: Nach den ersten beiden Quartalen liegt der Umsatz bereits bei über 131 Milliarden Euro. Dies ist laut Verband der Chemischen Industrie e.V. (VCI) allerdings in erster Linie auf die stark gestiegenen Erzeugerpreise zurückzuführen.

Trotz dieser Zahlen sieht der Branchenverband die Zukunft äußerst skeptisch: Als Konsequenz des Krieges in der Ukraine seien die Energiepreise drastisch gestiegen, ebenso die Rohstoffkosten. Zudem würden anhaltende Lieferengpässe der Branche zu schaffen machen. In allen Sparten sei die Produktion eingebrochen. Der VCI erwartet für das Jahr 2022 einen Rückgang der Produktion in Höhe von 5,5 Prozent, da einige der Anlagen unrentabel geworden seien.

In vielen Unternehmen der Branche würden die Erlöse einbrechen, da die hohen Energie- und Rohstoffkosten nur bedingt an Kunden und Kundinnen weitergegeben werden könnten. Und die Ungewissheit, ob künftig ein Gasmangel droht, sei nach wie vor nicht ausgeräumt. Somit seien die Geschäftserwartungen für die Jahre 2022 und 2023 deutlich eingetrübt. Die Zukunft des Industriestandorts Deutschland insgesamt sei durch die aktuellen Entwicklungen in Gefahr, wird VCI-Präsident Christian Kullmann deutlich. 

Schlüsselthema Digitalisierung

Die Chemiebranche sieht sich allerdings auch anderen Herausforderungen gegenüber. So ist ihre Entwicklung beispielsweise von Handelsabkommen innerhalb und außerhalb Europas abhängig. Auch das Fortschreiten der Entwicklungsstufe „Chemie 4.0” beeinflusst Unternehmen und Jobaussichten.

In Bezug auf die zirkuläre Wirtschaft werden Naturwissenschaftler und Naturwissenschaftlerinnen im Allgemeinen und Chemiker und Chemikerinnen im Besonderen in Zukunft vermehrt in ökonomischen Netzwerken arbeiten und zum Beispiel über die Rohstoffbasis nachdenken, Kreisläufe mitdenken und von Anfang an die Nachhaltigkeit im Blick haben müssen.

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Berufsaussichten nach dem Chemiestudium

Brechen den Unternehmen die Erlöse weg, wird sich das natürlich auch negativ auf den Arbeitsmarkt auswirken. Doch noch sind die Berufsaussichten nach einem Chemiestudium weiterhin glänzend, denn die Chemieindustrie ist der sechstgrößte Arbeitgeber in Deutschland. Nach einer Erhebung der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) blieben im Jahr 2021 nur knapp drei Prozent der Master-Absolventen direkt nach ihrem Chemiestudium ohne Anstellung. Zwar traten auch nur 11 Prozent direkt in das Berufsleben ein, diese vergleichsweise geringe Zahl hat aber den Hintergrund, dass 85 Prozent der Absolventen im Anschluss promovierten.

Die Zahl der Mitarbeitenden in der Chemieindustrie hält sich Stand Juli 2022 auf konstantem Niveau: Insgesamt arbeiten rund 473.000 Menschen in der Chemie- und Pharmabranche. Zum Vergleich: 2018 arbeiteten etwa 462.000 Menschen in diesem Bereich – 2017 waren es 453.000. 2021 lag die Arbeitslosenquote unter Chemikern bei geringen 2,4 Prozent, etwa 2.200 Personen waren ohne Job.  

Wie es in den kommenden Monaten und Jahren aussieht, ist Stand September 2022 noch völlig ungewiss. Der VCI kann aufgrund der krisenbedingten Unsicherheit laut eigener Aussage keine seriöse Einschätzung abgeben. 

In der jüngeren Vergangenheit waren die Jobaussichten in der Chemischen Industrie jedoch besser denn je: Aufgrund des Fachkräftemangels konnten sich Bewerber und Bewerberinnen den Arbeitsplatz quasi aussuchen. Das galt sowohl für studierte und promovierte Absolventen und Absolventinnen als auch für Berufsanfänger mit abgeschlossener Ausbildung.

Die Chemieabsolventinnen müssen sich jedoch mit verstärkter Konkurrenz auseinandersetzen, denn die Anzahl derer, die ein Chemiestudium erfolgreich absolviert haben, stieg zuletzt deutlich an: Für 2021 meldeten die Universitäten 2.431 Bachelor- und 2.219 Masterabsolventinnen. Das ist gegenüber dem Vorjahr (2.037 bzw. 1.956) ein deutliches Plus. Und auch die Zahl der Promotionen (1.972 statt 1.838) nahm deutlich zu.

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Biotechnologen, Chemieingenieurinnen und Chemietechniker gefragt

Technologischer Fortschritt (Digitalisierung, Automatisierung etc.) und die Umstellung auf eine klimaneutrale Produktion (zirkuläre Wirtschaft) forderten und fordern vermehrt einen anderen Personaleinsatz. Besonders Fachrichtungen wie Verfahrens- und Chemietechnik, Chemieingenieurwesen und Biotechnologie wurden benötigt. Vor allem bei Ingenieurinnen gab es – durch die demografische Entwicklung verstärkt – in den letzten Jahren zunehmend Knappheit. Als Folge der Coronapandemie ist die Zahl offener Stellen jedoch gesunken. Welche Folgen die Energiekrise haben wird, bleibt abzuwarten.

Neben exzellentem Fachwissen sollten Absolventinnen verstärkt darauf achten, sich überfachliche Kompetenzen anzueignen. Hierzu gehören unter anderem Team- und Kommunikationsfähigkeit, ein hohes Maß an Eigenverantwortung, die Fähigkeit zum Selbstmanagement sowie die Bereitschaft zu lebenslangem Lernen. Ein „Muss“ sind sehr gute Fremdsprachenkenntnisse. 

Auch über den Tellerrand zu schauen, wird immer wichtiger, denn Chemiker arbeiten häufig interdisziplinär beispielsweise mit Biologen, Materialwissenschaftlerinnen, Physikern und IT-Expertinnen zusammen. Es gilt zudem, digitale Objekte und ihre Funktionsweise zu verstehen. Nur so können komplexe wissenschaftlich-technische Herausforderungen erfolgreich bewältigt werden. Dazu gehört beispielsweise die Verarbeitung von „Big Data“ oder die Nutzung Künstlicher Intelligenz. Darüber hinaus ist auch das Verständnis wirtschaftlicher Zusammenhänge von großer Bedeutung.

Generell steht Chemikern nach dem Studium ein breites Feld an möglichen Berufen offen, die in den verschiedensten Branchen und Unternehmensgrößen zu finden sind. Jobs gibt es vor allem

  • in der chemischen Industrie
  • in der Verfahrens- oder Anwendungstechnik
  • in der chemischen Analytik
  • im Bereich Umweltschutz
  • im Patentwesen
  • in Management, Marketing und Vertrieb
  • in der Unternehmensberatung
  • als Gründer eines eigenen Unternehmens
  • im öffentlichen Dienst

Eine Promotion ist oft förderlich oder zumindest gern gesehen. Einige Jobs für Chemiker setzen jedoch nicht zwingend eine Promotion als Abschluss für einen erfolgreichen Berufsstart voraus. Im Marketing, der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit oder auch der Anwendungstechnik ist der Doktortitel verzichtbar. Für die Arbeit in der chemischen Forschung ist eine Promotion nach wie vor unabdingbar.

Perspektiven für promovierte Chemiker

Die Berufsperspektiven für promovierte Chemiker waren Anfang 2019 als relativ gut einzustufen. Laut GDCh fanden nur sieben Prozent im Jahr 2021 direkt nach der Promotion keine Stelle. Der tatsächliche Wert der Stellensuchenden dürfte allerdings etwas darunter liegen, da die Daten zum Stichtag 31. Dezember erfasst wurden und einige Absolventen erst im Januar oder Februar ihre Stelle antraten. 

Rund 48 Prozent der promovierten Chemikerinnen zog es 2021 in die deutsche Wirtschaft, 13 Prozent arbeiteten im Ausland. 21 Prozent fanden als Postdoc in der Industrie, an Hochschulen oder anderen Forschungsinstituten eine befristete Anstellung. Immerhin noch rund sechs Prozent der promovierten Chemiker kamen im Öffentlichen Dienst unter.

Rund 2000 Chemiker promovieren jedes Jahr. Früher lag die Promotionsquote in der Chemie bei weit über 90 Prozent, mittlerweile liegt sie bei den Master-Absolventen an Universitäten bei etwa 85 Prozent (Stand: 2021). 

Etwa 34 Prozent arbeiten danach in der Chemiebranche. Die anderen zieht es in Wissenschaft, Behörden und andere Industriezweige. Chemiker sind also nicht nur für Chemieunternehmen interessant, sondern auch für viele weitere Branchen wie Automobil oder Elektronik. Dort werden sie beispielsweise für die Materialforschung eingesetzt. Auch Umwelt- und Überwachungsbehörden sind spannende Arbeitgeber für Chemieabsolventen.

Aktuelle Veranstaltungen

  • Online Seminar

    AI-Supported Academic Writing: Tools, Responsibility, and Best Practices

    Datum 30.06.2026
    Zeit 16:00 (CET)
    Redner Dimitra Lountzi-Derksen, TwentyOne Skills

    VERSCHOBEN auf 30. Juni 2026, 16 Uhr!

    Artificial intelligence is increasingly influencing academic writing and research workflows. This seminar is aimed at researchers who already have experience with AI tools and want to use them more strategically and responsibly in academic contexts.

    Participants will explore how AI can support key stages of academic writing, including literature research, structuring arguments, and text revision. The seminar also addresses essential considerations such as copyright, data protection, and ethical AI use in research and publishing. Rather than focusing on individual tools, the session emphasizes general principles and best practices for integrating AI into established academic workflows while maintaining academic integrity.

    This seminar is a collaboration between academics and TwentyOne Skills, e-learning specialist for research and science. It will be held in english.

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  • Event

    ImpactLab 2026

    Datum 23.09.2026
    Zeit 09:00 – 17:00
    Ort memox | Frankfurt a.M.

    Impulse für kluge Köpfe
    Leadership, das wirkt, ist lernbar – beim ImpactLab 2026. Bei praxisnahen Workshops, inspirierenden Vorträgen und lebendigen Diskussionen mit Expert:innen und anderen Teilnehmenden erfahren Sie, wie verantwortungsvolle Führung in Wissenschaft und öffentlichem Dienst gelingt. Auch und gerade in herausfordernden Zeiten.

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