Gender Pay Gap
Externe Stellenangebote erhöhen das Gehalt von Männern – nicht jedoch das von Frauen
- Männer nutzen externe Jobangebote häufiger, um ihr Gehalt beim aktuellen Arbeitgeber zu erhöhen.
- Bei gleicher Tätigkeit am selben Arbeitsplatz verdienen Männer im Schnitt 8 Prozent mehr als Frauen, selbst in Schweden.
- Nachverhandlungen erklären etwa die Hälfte des geschlechtsspezifischen Lohngefälles.
- Frauen wechseln bei externen Angeboten ebenso oft den Arbeitgeber, ohne dabei vergleichbare Lohnzuwächse zu erzielen.
- In tarifgebundenen Jobs verschwindet der Unterschied zwischen Männern und Frauen vollständig.
Aktualisiert: 17.07.2026
8 Prozent Lohnunterschied trotz gleicher Tätigkeit
© academics Grafik
Wie die Rockwool Foundation Berlin (RFBerlin) in einer aktuellen Pressemitteilung mitteilt, nutzen Männer externe Stellenangebote deutlich häufiger als Frauen, um sich bei ihrem bestehenden Arbeitgeber ein höheres Gehalt zu sichern. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie, die die Stiftung als „Research Insight“ veröffentlicht hat. „Unter Beschäftigten am selben Arbeitsplatz und in derselben Tätigkeit verdienen Männer im Durchschnitt 8 Prozent mehr als Frauen, selbst in Schweden“, sagt RFBerlin-Forscher Doğan Gülümser.
Geschlechtsspezifische Unterschiede im Verhandlungsverhalten gelten laut der Studie als wesentlicher Faktor für dieses Lohngefälle. „Diese Unterschiede spielen eine wichtige Rolle bei der Erklärung, warum Männer in ansonsten ähnlichen Jobs mehr verdienen als Frauen“, so Gülümser weiter.
Doğan Gülümser, RFBerlin-Forscher
Wie die Forschenden vorgingen
Für die Studie nutzten die Forschenden Unterschiede bei den Beschäftigungsmöglichkeiten, die sich aus den Arbeitsplätzen von Eltern und Geschwistern der Beschäftigten ergeben. Stellt der Arbeitgeber eines Verwandten neue Mitarbeitende ein, erhalten Beschäftigte Zugang zu neuen Informationen über potenzielle Stellen und Arbeitgeber. Diese Gelegenheiten bieten eine glaubwürdige externe Option – entweder für einen Stellenwechsel oder für die Verhandlung eines höheren Gehalts beim aktuellen Arbeitgeber.
Wichtig für die Aussagekraft der Studie: Die für Männer und Frauen verfügbaren Stellenangebote waren von vergleichbarer Qualität. Die einstellenden Unternehmen unterschieden sich weder hinsichtlich Löhnen noch Produktivität oder geografischem Standort. Bot sich eine solche externe Option, stieg die Wahrscheinlichkeit eines Arbeitgeberwechsels um das Vierfache.
Unterschiedliche Reaktionsmuster
Die Forschenden stellen fest, dass die Löhne von Männern in ihren aktuellen Jobs bei solchen Gelegenheiten steigen. Frauen in derselben Situation verzeichnen dagegen keine vergleichbaren Lohnzuwächse – und das, obwohl sie genauso häufig wie Männer den Arbeitgeber wechseln. „Frauen scheinen auf externe Möglichkeiten mit einem Jobwechsel zu reagieren, anstatt sie zu nutzen, um mit ihrem aktuellen Arbeitgeber höhere Löhne auszuhandeln“, sagt Gülümser. „Männer hingegen erzielen eher Lohnerhöhungen, ohne ihren Arbeitgeber zu verlassen.“
Effekt nur bei individuellen Verhandlungsspielräumen
Die Studie zeigt zudem, dass sich die beschriebenen Effekte auf Arbeitsplätze konzentrieren, an denen Löhne individuell ausgehandelt werden können. Bei Beschäftigten, deren Vergütung durch Tarifverträge weitgehend festgelegt ist, profitierten weder Männer noch Frauen von Gehaltserhöhungen infolge externer Stellenangebote. Geschlechtsspezifische Unterschiede treten demnach nur dort zutage, wo Arbeitgeber über Löhne entscheiden können und Beschäftigte Verhandlungsspielraum haben.
Zur Studie
Originalpublikation: RFBerlin Research Insight: „The Renegotiation Gap: Why Outside Job Opportunities Widen the Gender Wage Gap“, von Peter Fredriksson, Doğan Gülümser und Lena Hensvik; hier zu finden: https://www.rfberlin.com/research-insight/
Weitere Informationen: „Outside Job Opportunities and the Gender Gap in Pay“, RFBerlin Discussion Paper 71/25, von Fredriksson, P., D. Gülümser und L. Hensvik;
Bedeutung für die Debatte um Lohntransparenz
Die Ergebnisse haben Auswirkungen auf aktuelle politische Diskussionen zur Lohntransparenz. Die EU-Richtlinie zur Lohntransparenz, die bis Juni 2026 umgesetzt werden soll, wird voraussichtlich die Informationen über Lohnunterschiede innerhalb von Unternehmen verbessern. Die Studie legt jedoch nahe, dass Transparenz allein geschlechtsspezifische Lohnunterschiede möglicherweise nicht beseitigen kann. „Die Erhöhung der Lohntransparenz ist ein wichtiger Schritt“, sagt Gülümser. „Unsere Ergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass politische Maßnahmen, die Frauen dazu ermutigen, aktiver über Löhne zu verhandeln, und die Unternehmen dabei unterstützen, sicherzustellen, dass die Praktiken der Lohnfestlegung einheitlich auf alle Beschäftigten angewendet werden, ebenfalls notwendig sein könnten, um geschlechtsspezifische Lohnunterschiede zu verringern.“
(che)