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Nachruf: Jürgen Habermas (1929 – 2026)
Die Goethe-Universität trauert um Jürgen Habermas

Jürgen Habermas bei einer Rede

Jürgen Habermas bei einem Vortrag an der Goethe-Universität zu seinem 90. Geburtstag ©  Uwe Dettmar / Goethe-Universität

Jürgen Habermas ist verstorben. Die Goethe-Universität nimmt Abschied von ihrem Emeritus, einem prägenden Kopf der Frankfurter Schule und wichtigen öffentlichen Intellektuellen. 

Aktualisiert: 17.03.2026

Von: academics
News Geisteswissenschaften Köpfe der Wissenschaft

Artikelinhalt

Habermas an der Goethe-Universität Frankfurt Werk und intellektuelles Vermächtnis Kurzvita Jürgen Habermas (1929 – 2026)

Habermas an der Goethe-Universität Frankfurt

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© academics Grafik

Am 14. März 2026 ist der Philosoph Jürgen Habermas in seinem Haus in Starnberg verstorben. Die Goethe-Universität trauert um ihren Emeritus, der der Universität von 1964 bis 1971 als Nachfolger von Max Horkheimer auf dem Lehrstuhl für Philosophie und Soziologie und, nach seiner Zeit als Direktor des Max-Planck-Instituts zur Erforschung der Lebensbedingungen der wissenschaftlich-technischen Welt in Starnberg, erneut von 1983 bis zu seiner Emeritierung 1994 als Professor für Philosophie angehörte.

Würdigung durch den Universitätspräsidenten

„Habermas‘ Beiträge zu einer philosophischen Theorie kommunikativer Vernunft, zur Grundlegung einer Theorie vernünftiger Freiheit und gesellschaftlicher Gerechtigkeit, zur Normativität und Institutionalisierung des Rechts und zur Rolle von Religion in säkular-pluralistischen Gesellschaften haben zu einer weltweiten Rezeption und zu lebendigen Debatten eingeladen, die an der Goethe-Universität Frankfurt bis auf den heutigen Tag weitergeführt werden“, sagt Universitätspräsident Prof. Enrico Schleiff in Würdigung des Verstorbenen in einer Pressemitteilung.

„So wirken seine bahnbrechenden Arbeiten, aber auch seine persönliche Präsenz an der Universität und seine vertrauensvolle Nähe zu vielen Mitgliedern unserer Universität weit über die Lebensspanne dieses außerordentlichen Forschers und einzigartigen Hochschullehrers hinaus. Sie werden die Forschung und Lehre an der Goethe-Universität Frankfurt auch in Zukunft im Verbund der Rhein-Main-Universitäten weiterhin nachhaltig prägen.“

Forschungsschwerpunkt in Frankfurt

Habermas hatte bereits 2011 einen Teil seines Vorlasses der Goethe-Universität übergeben, einen weiteren 2025. Damit ist die Forschung zu seinem Werk primär in Frankfurt verortet, dem Schwerpunkt seines Werdens und Wirkens. Die Frankfurter Schule, die Kritische Theorie und das Werk von Jürgen Habermas gehören zentral zum Selbstverständnis der Goethe-Universität.

Werk und intellektuelles Vermächtnis

Mit Jürgen Habermas verliert die Goethe-Universität einen der weltweit bedeutendsten Philosophen des 20. und 21. Jahrhunderts und den wichtigsten Vertreter der zweiten Generation der „Frankfurter Schule", der die von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer geprägte Kritische Theorie maßgeblich weiterentwickelt hat.

Habermas' philosophisches Schaffen ist von beeindruckender Breite und Tiefe. Sein Hauptwerk, die zweibändige „Theorie des kommunikativen Handelns" (1981), gilt als Meilenstein der Sozialphilosophie. Darin entwickelte er eine Gesellschaftstheorie, die Verständigung – nicht Macht oder Eigeninteresse – als Grundmodus menschlicher Interaktion begreift. Sein Konzept der kommunikativen Rationalität setzt darauf, dass Geltungsansprüche im herrschaftsfreien Diskurs eingelöst werden können.

Bereits mit „Strukturwandel der Öffentlichkeit" (1962), seiner Habilitationsschrift, legte Habermas einen Grundstein für die moderne Öffentlichkeitstheorie. Die Studie zur Entstehung und zum Verfall der bürgerlichen Öffentlichkeit ist bis heute ein Referenzwerk in Soziologie, Politikwissenschaft und Medientheorie.

In „Faktizität und Geltung" (1992) verknüpfte er seine Diskurstheorie mit der Rechtsphilosophie und entwarf ein normatives Modell deliberativer Demokratie: Legitimes Recht entsteht demnach nur durch Verfahren, die allen Betroffenen gleichberechtigte Teilhabe ermöglichen.

Habermas blieb zeitlebens ein Denker, der philosophische Abstraktion mit politischer Gegenwart verband. Er mischte sich ein – in den Historikerstreit der 1980er Jahre, in die Debatten um die europäische Integration, zuletzt noch mit seinem Alterswerk „Auch eine Geschichte der Philosophie" (2019), in dem er das Verhältnis von Glauben und Wissen über zwei Jahrtausende nachzeichnete.

Ein öffentlicher Intellektueller

Zugleich war Jürgen Habermas der einflussreichste öffentliche Intellektuelle der Bundesrepublik Deutschland, dessen Stimme auch im wiedervereinigten Deutschland nach 1990 und weit über Deutschland hinaus wahrgenommen wurde. Mehr als jeder andere Philosoph seiner Generation verkörperte er die Figur des engagierten Denkers, der theoretische Reflexion mit dem Eintreten für demokratische Öffentlichkeit verband – eine Haltung, die er selbst zeitlebens vorlebte.

(che/mas)

Kurzvita Jürgen Habermas (1929 – 2026)

Jürgen Habermas (*18. Juni 1929 in Düsseldorf; † 14 März 2026 in Starnberg) war einer der einflussreichsten Philosophen und Sozialtheoretiker der Gegenwart sowie ein zentraler Vertreter der zweiten Generation der Frankfurter Schule. Er studierte Philosophie, Geschichte, Psychologie, deutsche Literatur und Ökonomie in Göttingen, Zürich und Bonn und promovierte 1954. Internationale Wirkung entfaltete er insbesondere mit seiner Theorie des kommunikativen Handelns und seinen Arbeiten zu Demokratie, Recht und Öffentlichkeit. An der Goethe-Universität Frankfurt lehrte Habermas 1964 bis 1971 sowie erneut von 1983 bis zu seiner Emeritierung 1994.

Aktuelle Veranstaltungen

  • Online Seminar

    Alternative Career Paths in Academia and Beyond

    Datum October 20, 2026
    Zeit 4.30 p.m.
    Ort online
    Redner Dr. Michaela Hergersberg (Karrierecoach München)

    It doesn’t always have to be a professorship: After completing your doctorate, many career paths connected to academia are open to you. These include roles in research management, patents or alumni relations, technology transfer, communications, and consulting. In our free online seminar, you will gain an overview of the available options, the qualifications required, and how to plan your next career move.

    This online seminar will be held in English.

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  • Online Seminar

    Perspektive HAW-Professorin – Online-Seminar für Frauen und weiblich gelesene Personen

    Datum Mi, 18.11.2026
    Zeit 09:15 bis 11:15
    Redner Prof. Dr. Lydia Göse (TH Wildau)
    Redner Marianne Löhndorf (TH Lübeck)

    Wie gelingt der Weg zur HAW-Professur? Und welche Fragen stellen sich dabei ganz besonders für Frauen?

    Gemeinsam mit dem Fellowship-Programm „Zia – Visible Women in Science“ wollen wir diese und weitere Fragen in einem kostenfreien, interaktiven Online-Seminar rund um den Karriereweg HAW-Professur beantworten.

    Neben Einblicken in Voraussetzungen, Berufungsverfahren und den Berufsalltag geht es vor allem um Themen, die Frauen auf ihrem Karriereweg bewegen: Wie lässt sich eine Professur mit Familie und Privatleben vereinbaren? Welche Hürden können auf dem Weg entstehen? Und was hilft dabei, den nächsten Karriereschritt selbstbewusst zu gehen?

    Infos und Tipps aus erster Hand kommen dabei von Prof. Dr. Lydia Göse (TH Wildau), mit der wir über ihren persönlichen Weg zur Professur sprechen, und Marianne Löhndorf (TH Lübeck), die Einblicke in Berufungsverfahren und Karrierewege gibt.

    Besonders wichtig: Dieses Webinar lebt vom Austausch. In einem eigenen Networking-Block haben die Teilnehmerinnen Raum, miteinander ins Gespräch zu kommen, Fragen zu stellen, Erfahrungen zu teilen und neue Kontakte zu knüpfen. Die Teilnehmerinnenzahl ist deshalb auf 250 limitiert.

    Das Online-Seminar findet in Kooperation mit der Kampagne „Karriere mit Wirkung“ und dem Fellowship-Programm „Zia – Visible Women in Science and Humanities“ der ZEIT statt.

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