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Wissenschaftsfreiheit in Sachsen-Anhalt
Nach AfD-Erfolg in Sachsen-Anhalt: Wissenschaft warnt vor Einschränkung der Freiheit von Forschung und Lehre

Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September 2026 ist die AfD mit rund 43,8 Prozent der Stimmen stärkste Kraft geworden und verfehlte damit nur knapp die absolute Mehrheit der Sitze im Landtag. Ob sie eine Regierung bilden kann, ist nach wie vor unklar. Falls ja: Was bedeutet das für die Wissenschafts- und Kunstfreiheit in diesem Bundesland? Eine Einordnung.

Aktualisiert: 28.08.2026

Von:
Maike Schade (mas)
News Akademische Laufbahn Wissenschaftssystem

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Wahlergebnis: AfD stärkste Kraft, Regierungsbildung offen Was die AfD an den Hochschulen ändern will Reaktionen aus der Wissenschaft Magdeburger Hochschulrektor sichert Schutz zu

Wahlergebnis: AfD stärkste Kraft, Regierungsbildung offen

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© academics Grafik

Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September 2026 ist die AfD mit rund 43,8 Prozent der Stimmen stärkste Kraft geworden und verfehlte damit nur knapp die absolute Mehrheit der Sitze im Landtag. Die CDU und die SPD mussten deutliche Verluste hinnehmen. Noch ist offen, wer das Bundesland regieren wird; ein AfD-Ministerpräsident ist jedoch eine reale Möglichkeit.

Das Wahlergebnis löste bundesweit Reaktionen aus der Wissenschaftswelt aus – von Hochschulverbänden über Förderorganisationen bis zu einzelnen Hochschulleitungen. Anlass zur Sorge sind dabei nicht nur allgemeine Erwartungen an eine künftige Landesregierung, sondern konkrete wissenschaftspolitische Pläne, die die AfD in ihrem Landesprogramm und in Landtagsdebatten bereits formuliert hat.

Was die AfD an den Hochschulen ändern will

Im Landesprogramm der AfD Sachsen-Anhalt zur Wissenschaftspolitik (S. 92 ff.) heißt es wörtlich: „Wir werden die Politik aus der Wissenschaft verbannen, alle wissenschaftsfremden Quoten und Diskriminierungen abschaffen, echte akademische Freiheit wiederherstellen, die deutschen Studiengänge und Studienabschlüsse wieder einführen und den unwissenschaftlichen Genderismus zurückdrängen.“ Konkret fordert die AfD unter anderem die Abschaffung von Gleichstellungsgesetzen und -programmen sowie der Gender Studies und die Rückabwicklung des Bologna-Prozesses, also eine Wiedereinführung des Diploms und des Magisters (statt Bachelor und Master).

Der hochschulpolitische Sprecher der AfD-Landtagsfraktion, Dr. Hans-Thomas Tillschneider, erklärte im Landtag laut Plenarprotokoll: „Unser Antrag, die sogenannten Gender Studies an der Universität abzuschaffen, wurde als Eingriff in die Wissenschaftsfreiheit kritisiert." Er kündigte an: „Wir werden alles abschaffen, was unsere Universitäten seit 1968 verhunzt hat", und sprach von „Cancel Culture", „Wokeness" und „Genderschwachsinn", die aus seiner Sicht „die Wissenschaftsfreiheit und damit die Wissenschaft ersticken". Lobend erwähnt er US-Präsident Donald Trump, der in den USA „die Wissenschaftsfreiheit wiederherstellt, indem er linken Schwätzern und Pseudowissenschaftlern endlich – endlich! – den Geldhahn zudreht“.

Laut dem Academic Freedom Index Update 2026 nahm die Wissenschaftsfreiheit in den USA zuletzt stark ab. Auf der GAIN-Jahrestagung in San Francisco Ende August bestätigte sich dieses Bild: Auch wenn einige der dort anwesenden Postdocs in Gesprächen mit unserer Redakteurin erklärten, mit den Rahmenbedingungen zufrieden zu sein und in den USA bleiben zu wollen (vor allem von den Universitäten in Stanford und Berkeley, naturwissenschaftlicher Bereich), klagten viele andere über ausbleibende Fördermittel oder gar einem Gefühl der Bedrohung. Nicht wenige sagten, das Land verlassen zu wollen.

Nicht nur in der Wissenschaft plant die AfD massive Eingriffe. Auch mit Blick auf die Kulturförderung deutete die AfD-Politikerin Beatrix von Storch am Wahlabend in der ZDF-Sendung „maybrit illner" eine Neuausrichtung an: „Es müssen sich alle Sorgen machen, die mit Steuergeldern finanziert werden und irgendwelche nicht produktiven Dinge tun, die alle nur links, woke, grün und sonst was sind." Konservative oder rechte Projekte würden nicht gefödert, und das müsse sich ändern.

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Reaktionen aus der Wissenschaft

Die Wissenschaft reagierte besorgt auf das Wahlergebnis. Im Folgenden Auszüge einiger Stellungnahmen.

HRK und LRK Sachsen-Anhalt: Wissenschaftsfreiheit aus dem Streit heraushalten

Einen Tag nach der Wahl äußerten sich die Präsidenten der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und der Landesrektorenkonferenz (LRK) Sachsen-Anhalt, Walter Rosenthal und Folker Roland, in einem gemeinsamen Statement. Sie forderten eine handlungsfähige Regierung „auf der Grundlage von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit" und betonten: „Wissenschaftsfreiheit, Kunstfreiheit und Hochschulautonomie müssen dem tagespolitischen Streit entzogen werden."

Die Hochschulen erwarteten von der künftigen Landesregierung Verlässlichkeit, eine klare wissenschaftspolitische Perspektive sowie eine strategische Weiterentwicklung des Wissenschafts- und Innovationsstandorts auf Basis bestehender Zielvereinbarungen und Finanzierungszusagen. Zudem müssten internationale Studierende und Forschende weiterhin darauf vertrauen können, in Sachsen-Anhalt willkommen und vor Diskriminierung geschützt zu sein.

DAAD: Sorge um Weltoffenheit und Fachkräftesicherung

Auch der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) reagierte mit Besorgnis. „Wir blicken mit großer Sorge auf das Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt", erklärte DAAD-Präsident Joybrato Mukherjee in einer Mitteilung. Der DAAD erwarte von einer künftigen Landesregierung, die Wissenschaftsfreiheit zu schützen sowie Weltoffenheit und Willkommenskultur an den Hochschulen zu erhalten und zu fördern. Die Hochschulen in Sachsen-Anhalt seien wichtige Innovationsmotoren, zu deren Leistungsfähigkeit internationale Studierende und Promovierende erheblich beitrügen; internationale Absolventinnen und Absolventen seien zudem für die Fachkräftesicherung unverzichtbar.

DHV: Grundgesetz und Landesverfassung als Maßstab

Der Deutsche Hochschulverband (DHV) respektiere das Votum der Wählerinnen und Wähler als demokratischen Souverän, teilte er über „Forschung & Lehre“ mit. Von allen Parteien, die eine künftige Landesregierung anstrebten, erwarte der Verband jedoch die „konsequente Einhaltung des Grundgesetzes und der Landesverfassung". Forschung und Lehre müssten frei von politischer Einmischung bleiben.

Bereits vor der Wahl hatten DHV und Deutscher Philologenverband (DPhV) mit einer Pressemitteilung gemeinsam zur Wahlbeteiligung aufgerufen und erklärt: „Die Freiheit von Bildung und Wissenschaft ist Voraussetzung für Demokratie, Wohlstand und gesellschaftlichen Fortschritt. Wo Lehrinhalte parteipolitisch gesteuert, Hochschulen in ihrer Autonomie beschränkt oder Forschungsergebnisse nach politischer Opportunität bewertet werden, geraten Erkenntnis, Vielfalt der Perspektiven und internationaler Austausch unter Druck."

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Magdeburger Hochschulrektor sichert Schutz zu

Über die Verbandsebene hinaus positionierten sich auch einzelne Hochschulleitungen. Der Rektor der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Jens Strackeljan, wandte sich nach der Wahl mit einer Rundmail an die Hochschulcommunity – insbesondere an internationale Mitglieder, die sich um ihren Platz an der Universität sorgten: „Sie gehören zu dieser Universität. Sie sind hier willkommen. Daran ändert das Wahlergebnis nichts." Und weiter: „Wissenschaft muss frei sein. Forschung und Lehre dürfen nicht politischen Vorgaben unterworfen werden." Diese unmittelbare, an die eigene Hochschulcommunity gerichtete Zusicherung dokumentierte der Wissenschaftsjournalist Jan-Martin Wiarda in seinem Blog.

Wiarda: Bildung und Wissenschaft sind „erste Einfallstore“

Wiarda kritisierte in seinen Kommentaren zum Wahlergebnis, dass Bildung und Wissenschaft in der öffentlichen Kommentierung des Wahlabends kaum eine Rolle gespielt hätten – obwohl sie aus seiner Sicht zu den „ersten Einfallstoren" landespolitischer Umsetzungspläne der AfD zählten. Als Beleg verwies er auf eine ARD-Umfrage, wonach 29 Prozent der Wählerinnen und Wähler der AfD die größte Bildungskompetenz zusprachen, gegenüber 16 Prozent für die CDU. Zudem erinnerte er daran, dass bereits vor der Wahl 23 Wissenschaftsorganisationen und Wirtschaftsverbände gemeinsam ein Bekenntnis zum Schutz von Wissenschaftsfreiheit, Willkommenskultur und einer offenen Gesellschaft veröffentlicht hatten – dessen Belastbarkeit sich nun in der Praxis erweisen müsse.

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