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Studie: Moderate KI-Nutzung steigert Arbeitszufriedenheit

Sowohl zu geringer als auch zu hoher Einsatz von KI-Technologie in Unternehmen führt zu geringerer Arbeitszufriedenheit der Mitarbeitenden. Das hat eine Studie der Uni Münster ergeben.

Aktualisiert: 15.12.2025

Von: academics
News Akademische Laufbahn Informatik / IT

Zufriedenheit bei mittlerer Nutzung am höchsten

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© academics Grafik

Ein Forschungsteam des Instituts für Entrepreneurship der Universität Münster und der TU Braunschweig liefert neue Erkenntnisse zur Auswirkung von KI auf die Unternehmenspraxis und Digitalisierungskonzepte. Die Forscher zeigten, dass der Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der KI-Adoption – also der Nutzung von KI-Systemen – in Unternehmen und der Arbeitszufriedenheit der Beschäftigten keiner simplen, linear steigenden Funktion folgt. Stattdessen lässt sich der Zusammenhang als umgekehrte U-förmige Kurve beschreiben. In der Statistik wird eine solche Kurve verwendet, um einen Effekt zu erklären, bei dem ein Ergebnis bei mittleren Werten einer Ursache am höchsten ist und bei sehr niedrigen oder sehr hohen Werten wieder sinkt. Die Studienergebnisse sind in dem Fachjournal „Journal of Management Studies“ veröffentlicht .

Goldilocks-Prinzip: „Alles hängt vom Maß ab“

Der Einsatz von KI in Unternehmen folgt dem sogenannten Goldilocks-Prinzip: Bei geringer Nutzung bleibt der erhoffte Effekt aus, da zu wenig Unterstützung nicht den gewünschten Mehrwert bringt. Bei mittlerem Einsatzniveau hingegen sind Angestellte am zufriedensten: KI übernimmt routinemäßige Aufgaben, ermöglicht mehr kreative und anspruchsvolle Tätigkeiten und macht die Arbeitsplätze dadurch spannender. Wird die KI jedoch zu intensiv eingesetzt, etwa durch hohe Automatisierung, kehrt sich der Effekt um: Die Zufriedenheit sinkt möglicherweise aufgrund von Autonomieverlust, eingeschränkter Kontrolle und steigender Komplexität. „Unsere Studie zeigt, dass die Adoption von KI weder grundsätzlich gut noch schlecht ist – alles hängt vom Maß ab“, sagt Dr. Colin Schulz, Erstautor der Studie. „Zu wenig, aber auch zu viel Technologie kann die Arbeitszufriedenheit mindern.“

KI-Prozesse sensibel gestalten

Wie sich KI positiv oder negativ auf Beschäftigte auswirkt, hängt wesentlich von der Unternehmenskultur und dem organisatorischen Umgang mit Daten ab. In Unternehmen mit einer hohen „Exploration Orientation“, also einer Kultur von Risikobereitschaft, Experimentierfreude und Innovationsorientierung, vertragen Mitarbeiter ein höheres Maß an KI, bevor ihre Zufriedenheit sinkt. In Organisationen mit sehr strikter Datenverwaltung fallen die Ausschläge insgesamt geringer aus, da sich positive und negative Effekte eher ausgleichen. „Die Ergebnisse unterstreichen, dass der Umgang mit KI keine rein technische, sondern vor allem auch eine soziale Entscheidung ist“, betont Prof. Dr. David Bendig, Leiter der Studie. „Wer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einbindet und KI-Prozesse sensibel gestaltet, kann den entscheidenden Unterschied machen.“

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Quantitative Muster mit qualitativen Interviews verglichen

Für jedes Unternehmen wurde das Ausmaß der KI-Adoption anhand einer computerunterstützten Textanalyse von Unternehmensdaten ermittelt. „Um die Zufriedenheit des Personals zu messen, haben wir die Bewertungen von Angestellten auf dem Portal ‚Glassdoor‘ genutzt. Das ist eine Online-Plattform für Arbeitgeberbewertungen und Gehaltsvergleiche. Für die Analyse haben wir rund 2,45 Millionen Bewertungen herangezogen“, erklärt Colin Schulz.

Um ein tieferes Verständnis der Mechanismen zu gewinnen, führten die Forscher zusätzlich qualitative Interviews in ausgewählten Unternehmen durch. Dabei handelt es sich um einen Ansatz, der quantitative Muster mit konkreten Erfahrungsberichten kombiniert. Die Studie stützt sich auf die sogenannte Job Characteristics Theory, nach der bestimmte Eigenschaften von Arbeitsaufgaben, etwa Autonomie, Komplexität oder Lernmöglichkeiten, die Arbeitszufriedenheit maßgeblich beeinflussen.

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Erkenntnisse auch auf das deutsche Gesundheitswesen übertragbar

Auch wenn die Studie auf US-Unternehmen aus der freien Wirtschaft basiert, lassen sich die Erkenntnisse auf andere Organisationen übertragen, beispielsweise auf Krankenhäuser oder andere Einrichtungen des Gesundheitswesens. „Gerade dort, wo Automatisierung und KI-gestützte Assistenzsysteme Einzug halten, ist die Perspektive der Angestellten von zentraler Bedeutung“, erklärt David Bendig. Für Führungskräfte oder Betriebsräte bedeute das, KI-Einführungen zu unterstützen, etwa zur Unterstützung administrativer Abläufe, Dokumentation oder Datenanalyse.

Wird jedoch übermäßig automatisiert und der menschliche Handlungsspielraum eingeschränkt, kann das Gegenteil eintreten: Überforderung, Entmündigung und verminderte Motivation können die Folge sein. Die digitale Transformation muss daher mit organisatorischer Sensibilität und partizipativer Gestaltung einhergehen. David Bendig betont: „KI-Projekte sollten nicht nur aus Effizienzgedanken geplant werden, sondern immer auch mit Blick auf das Wohlbefinden der Menschen, die damit arbeiten.“

Quelle: Uni Münster (mas)

Über die Studie

Schulz, C., Bendig, D., Bräunche, A. and Kindermann, B. (2025), Curse or Blessing: Investigating the Influence of Firms’ Artificial Intelligence Adoption on Employee Job Satisfaction. J. Manage. Stud.

DOI: 10.1111/joms.70004

Die Untersuchung stützt sich auf einen Datensatz von 509 börsennotierten US-Unternehmen aus dem Zeitraum 2009 bis 2020. Dazu wurden elf Interviews mit Führungskräften aus diesen Unternehmen geführt.

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    Perspektive HAW-Professorin – Online-Seminar für Frauen und weiblich gelesene Personen

    Datum Mi, 18.11.2026
    Zeit 09:15 bis 11:15
    Redner Prof. Dr. Lydia Göse (TH Wildau)
    Redner Marianne Löhndorf (TH Lübeck)

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    Gemeinsam mit dem Fellowship-Programm „Zia – Visible Women in Science“ wollen wir diese und weitere Fragen in einem kostenfreien, interaktiven Online-Seminar rund um den Karriereweg HAW-Professur beantworten.

    Neben Einblicken in Voraussetzungen, Berufungsverfahren und den Berufsalltag geht es vor allem um Themen, die Frauen auf ihrem Karriereweg bewegen: Wie lässt sich eine Professur mit Familie und Privatleben vereinbaren? Welche Hürden können auf dem Weg entstehen? Und was hilft dabei, den nächsten Karriereschritt selbstbewusst zu gehen?

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