Öffentlicher Dienst
Personalmangel im öffentlichen Dienst erreicht neuen Höchststand
- Dem Staat fehlen laut dbb aktuell 631.000 Beschäftigte – 31.000 mehr als im Vorjahr
- Größte Personallücken: Kranken- und Altenpflege (125.200), Schulen (120.000), Kommunalverwaltungen (112.000), Kitas (97.000)
- Demografischer Wandel verschärft die Lücke: 2026 gehen über zwei Prozent der Beschäftigten altersbedingt in den Ruhestand, in den nächsten zehn Jahren scheiden mindestens weitere 1,42 Millionen (26,3 Prozent) aus
Aktualisiert: 28.08.2026
631.000 Beschäftigte fehlen
© academics Grafik
Dem öffentlichen Dienst in Deutschland fehlen aktuell 631.000 Beschäftigte, um seine Aufgaben vollständig erfüllen zu können. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Gewerkschaftsabfrage des dbb beamtenbund und tarifunion, wie der Verband mitteilte. Gegenüber dem Vorjahr ist die Zahl der fehlenden Mitarbeiter:innen um 31.000 gestiegen.
Um einen weiteren Verfall der staatlichen Leistungsfähigkeit zu verhindern, müssten die öffentlichen Arbeitgeber jetzt handeln, forderte dbb-Bundesvorsitzender Volker Geyer am 27. August 2026 im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Er verlangte „eine umfassende Aufgabenkritik beim Staat, eine durchgreifende, Bevölkerung und Beschäftigte gleichermaßen entlastende Digitalisierung, eine aufgabengerechte Personalausstattung sowie wettbewerbsfähige Arbeitsbedingungen im öffentlichen Dienst“.
Besonders groß ist der Personalbedarf laut dbb in folgenden Bereichen:
- Kranken- und Altenpflege: 125.200 fehlende Beschäftigte
- Schulen: 120.000 fehlende Beschäftigte
- Kommunalverwaltungen: 112.000 fehlende Beschäftigte
- Kitas: 97.000 fehlende Beschäftigte
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Aktuelle Personalbedarfe im öffentlichen Dienst (Stand: August 2026)
| Bereich | Fehlende Beschäftigte |
|---|---|
|
Kranken- und Altenpflege |
125.200 |
|
Schulen |
120.000 |
|
Kommunalverwaltungen* |
112.000 |
|
Kitas |
97.000 |
|
Landespolizei |
55.000 |
|
Steuerverwaltung |
50.000 |
|
Verteidigung |
20.000 |
|
Bundespolizei |
17.000 |
|
Öffentlicher Gesundheitsdienst |
13.500 |
|
Justiz (Richter:innen, Justizvollzug, Verwaltung) |
10.500 |
|
Zoll |
6.500 |
|
Arbeitsagenturen/Jobcenter |
2.800 |
|
Lebensmittelkontrolle |
1.500 |
|
Gesamt |
631.000 |
*) allg. Verwaltung, Ausländerbehörden, Bauämter, Jugendämter, Ordnungsämter, Sozialämter/Soziale Arbeit, Feuerwehren etc.
Quelle: dbb beamtenbund und tarifunionUrsachen: Demografischer Wandel und veränderte Sicherheitslage als Treiber
Als einen zentralen Grund für die wachsende Personallücke nannte Geyer den demografischen Wandel: Jährlich gingen zwei Prozent der Belegschaft in den Ruhestand, ohne dass alle Stellen nachbesetzt würden. Laut der dbb-Übersicht zur Personalbedarfserhebung scheiden in den kommenden zehn Jahren sogar mindestens weitere 1,42 Millionen Beschäftigte (26,3 Prozent) altersbedingt aus dem öffentlichen Dienst aus. Rechnet man die erwartbaren Neueinstellungen dagegen, verbleibt rechnerisch eine zusätzliche Personallücke von mehreren hunderttausend Stellen. Zwar steigt die absolute Beschäftigtenzahl im öffentlichen Dienst seit einigen Jahren wieder leicht an und liegt aktuell bei 5,5 Millionen – dennoch spitzt sich der Personalmangel weiter zu.
Verschärft wird die Lage laut dbb zusätzlich durch stetige Aufgabenzuwächse, etwa durch die Ganztagsbetreuung, die Grundsteuerreform, die Zeitenwende, die Digitalisierung der Verwaltung, neue Dokumentationspflichten und die Kindergrundsicherung, sowie durch neue Herausforderungen in den Bereichen Bildung, Migration, Infrastruktur/Verkehr sowie innere und äußere Sicherheit. Auch die alternde Gesellschaft stelle den öffentlichen Dienst vor wachsende Probleme. Ob und ab wann eine durchgreifende Digitalisierung und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz die Personalnot lindern können, sei unklar – kurz- und mittelfristig sei durch den Umstellungsaufwand sogar eher mit Mehrbedarfen zu rechnen.
Digitalisierung als Teil der Lösung – kein Allheilmittel
Der dbb sehe in der Digitalisierung großes Potenzial zur Lösung des Personalproblems, so Geyer. Man stehe dazu im konstruktiven Austausch mit Bundesdigitalminister Karsten Wildberger. Gleichzeitig betonte er, dass Künstliche Intelligenz den Personalmangel zwar mindern, aber nicht vollständig beheben könne. Als Beispiel nannte er die Finanzverwaltung, in der 50.000 Beschäftigte fehlten: Zusätzliche Steuerfahnder-Stellen rechneten sich für die Staatskasse, ihre Tätigkeit könne durch KI zwar vereinfacht, aber nicht ersetzt werden.
(mas)