Studie: Kunstforschung an Hochschulen
HoF-Publikation: Künstlerische Forschung in Deutschland bereits stärker verankert als angenommen
- Neue Studie des Instituts für Hochschulforschung (HoF) an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg untersucht erstmals systematisch 46 staatliche Kunst- und Musikhochschulen (KMHS) in Deutschland
- Künstlerische Forschung ist an mehr als der Hälfte der Hochschulen bereits fest im Masterstudium verankert, meist als Pflichtbestandteil
- 43 von 46 Hochschulen verfügen über ein Promotionsrecht, wissenschaftlich-künstlerische Promotionen gibt es jedoch erst an 8 Einrichtungen
- Eine rein künstlerische Promotion bietet bislang nur die Hochschule für bildende Künste Hamburg an (seit 2025, Pionierrolle)
- Governance-Strukturen für Forschung sind an gut der Hälfte der Hochschulen etabliert, Qualitätssicherung für Forschung bleibt jedoch die Ausnahme (nur 9 von 46 Hochschulen)
Aktualisiert: 22.10.2026
Erste systematische Bestandsaufnahme an deutschen Kunst- und Musikhochschulen
© academics Grafik
Künstlerische Forschung ist an mehr als der Hälfte der Hochschulen bereits fest im Masterstudium verankert. Das ergab eine Studie des Instituts für Hochschulforschung (HoF) an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Für die Untersuchung „Künstlerische Forschung an Kunst- und Musikhochschulen in Deutschland. Eine empirische Feldsondierung“ wurden erstmals in systematischer Breite die organisationalen Strukturen aller 46 staatlichen KMHS in Deutschland erfasst. Grundlage der Erhebung waren Website- und Dokumentenanalysen, Auswertungen statistischer Daten sowie ergänzende Abfragen direkt an den Hochschulen.
Künstlerische Forschung zunehmend im Studium verankert
Ein zentrales Ergebnis der Studie: Künstlerische Forschung ist deutlich stärker in Studium und Lehre integriert als bislang angenommen. An mehr als der Hälfte der untersuchten Hochschulen sind entsprechende Angebote bereits im Masterbereich verankert – überwiegend als verpflichtender Bestandteil der Curricula. Im Bachelorbereich besteht dagegen noch deutlicher Ausbaubedarf: Hier findet sich künstlerische Forschung bislang nur an wenigen Hochschulen und meist lediglich als Wahlpflichtangebot.
Die Studie bestätige zudem die hohe internationale Anziehungskraft der deutschen KMHS-Landschaft, heißt es in einer Mitteilung: Im Wintersemester 2024/25 waren insgesamt 36.201 Personen an den Hochschulen eingeschrieben, der Anteil internationaler Studierender lag bei 35 Prozent – deutlich höher als an Universitäten (18 Prozent) oder Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (17 Prozent).
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Promotionsmöglichkeiten wachsen, bleiben aber ungleich verteilt
Besondere Aufmerksamkeit widmet die Studie der postgradualen Qualifikationsphase. 43 der 46 untersuchten Hochschulen verfügen inzwischen über ein Promotionsrecht, 40 Einrichtungen nutzen dieses auch aktiv. Die tatsächlichen Promotionsmöglichkeiten konzentrieren sich bislang jedoch überwiegend auf wissenschaftliche Fächer: Wissenschaftlich-künstlerische Promotionen werden derzeit nur an acht Hochschulen angeboten. Eine primär künstlerische Promotion existiert seit 2025 bislang ausschließlich an der Hochschule für bildende Künste Hamburg, die damit als Pionierin gilt. Zugleich befindet sich das Feld laut Studie in einer dynamischen Entwicklungsphase: Zahlreiche Hochschulen erweitern ihre Promotionsangebote oder entwickeln neue Modelle künstlerischer Qualifizierung.
Governance etabliert sich, Qualitätssicherung hinkt hinterher
Forschung und künstlerische Forschung würden an den KMHS zunehmend organisatorisch verankert, so die Studie: Bereits gut die Hälfte der Hochschulen verfügt über Governance-Strukturen für den Forschungsbereich, etwa durch zuständige Vizepräsident:innen oder Prorektor:innen, entsprechende Stabsstellen oder Einheiten des Forschungsmanagements. Hochschulen mit solchen Strukturen weisen laut Studie deutlich häufiger sichtbare Aktivitäten im Bereich künstlerischer Forschung auf und haben diese auch in strategische Entwicklungsdokumente integriert.
Bei den administrativen Kapazitäten sieht die Studie dagegen noch erheblichen Nachholbedarf: Zwar ist das Verwaltungs- und technische Personal an den KMHS in den vergangenen Jahren überproportional gewachsen, im Vergleich zu Universitäten bleibt die Ausstattung aber deutlich geringer. Auch bei der Qualitätssicherung zeigt sich ein gemischtes Bild: An zwei Drittel der Hochschulen gibt es entsprechende Regelungen, diese beziehen sich jedoch fast ausschließlich auf Studium und Lehre. Forschung ist bislang nur in neun Fällen Gegenstand solcher Vereinbarungen.
Ausblick: Standortspezifische Lösungen statt Einheitsmodell
Die Autorinnen der Studie, PD Dr. Britta Behm und Sebastian Schneider, plädieren angesichts der großen Heterogenität der Hochschulen hinsichtlich Größe, Spartenprofil, Geschichte und regionaler Rahmenbedingungen gegen organisationale Standardlösungen. Stattdessen schlagen sie vor, die Integration künstlerischer Forschung als standortspezifisches Ökosystem zu konzipieren, in dem Studium, Promotion, Administration, Governance, Qualitätssicherung und Finanzierung im Rahmen der jeweiligen Hochschulentwicklung aufeinander abgestimmt werden. Für die weitere Erforschung des Feldes sehen die Autor:innen zudem Potenzial in qualitativen Untersuchungen zu Gelingensbedingungen und Barrieren, in Best-Practice-Fallstudien sowie in internationalen Vergleichsstudien.
(dw)
Diese News wurde mit KI-Unterstützung erstellt.
Blick in die Studie
Die Studie „Künstlerische Forschung an Kunst- und Musikhochschulen in Deutschland. Eine empirische Feldsondierung"entstand im Rahmen des vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderten Verbundprojekts ILLUME, das das HoF gemeinsam mit der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF durchführt. Sie ist als PDF frei verfügbar.