Hochschulpolitik
Sommersitzungen 2026: Empfehlungen und Bewertungen des Wissenschaftsrats
Der Wissenschaftsrat (WR) hat auf seinen Sommersitzungen vom 01. bis 03.07.2026 in Hamburg mehrere hochschulpolitisch wichtige Themen beraten. Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:
- Private Hochschulen stellen bereits 27 Prozent aller Hochschulen – der WR empfiehlt mehr Öffnung zum staatlichen Sektor.
- Der WR ruft in einer weiteren Empfehlung „intellektuelle Souveränität“ als Leitprinzip für den Umgang mit generativer KI in der Hochschulbildung aus.
- Der WR bewertet den Zukunftsvertrag Studium und Lehre erstmals und lobt ihn als unverzichtbares Förderinstrument.
- Von drei geprüften Erweiterungsanträgen von Leibniz-Instituten erhält das SOEP die Bestnote „exzellent“.
- Die Munich Business School wird für weitere fünf Jahre institutionell akkreditiert.
Aktualisiert: 17.07.2026
Umgang mit generativer KI
© academics Grafik
Der Wissenschaftsrat hat auf seinen Sommersitzungen (1. bis 3. Juli 2026 in Hamburg) eine ganze Reihe hochschulpolitisch relevanter Bewertungen und Empfehlungen beraten. Eine Empfehlung widmet sich dem Einsatz generativer Künstlicher Intelligenz in der Hochschulbildung. Der WR sieht darin weitreichende Chancen – etwa verbesserten Zugang zu Wissen, personalisierte Lernunterstützung oder Fortschritte bei Barrierefreiheit –, warnt aber zugleich vor grundsätzlichen Risiken wie Kompetenzverlust, Fehlinformiertheit oder einer Beeinträchtigung selbstbestimmten Denkens.
In seinen „Empfehlungen für die Hochschulbildung in Zeiten generativer KI“ plädiert der WR für das Leitprinzip „Intellektuelle Souveränität“, das Autonomie, kritische Reflexion und Widerstand gegen Vereinfachung einfordert. Konkret empfiehlt der WR:
- KI-Kompetenzen bei Lehrenden und Studierenden aufzubauen und KI-freie Räume im Curriculum zu verankern.
- Prüfungsformate umzugestalten und eine Kultur des gegenseitigen Vertrauens zu fördern.
- Hochschulen als soziale Lernorte zu stärken.
- Die Lernwirksamkeit von KI-Anwendungen wissenschaftlich zu prüfen und zu begleiten.
- Souveräne und leistungsfähige KI-Infrastrukturen zu entwickeln.
Die dafür nötige Transformation der Hochschulbildung sei ressourcenintensiv, aber nicht optional. Gefordert seien alle Ebenen von der Hochschulleitung bis zu Bund und Ländern.
Wolfgang Wick, Vorsitzender des WR
Private Hochschulen sollen stärker eingebunden werden
In einer weiteren Empfehlung befasst sich der Wissenschaftsrat mit dem privaten Hochschulsektor, der sich nach eigener Einschätzung von einer Randerscheinung zu einem festen Bestandteil der deutschen Hochschullandschaft entwickelt hat: 27 Prozent der Hochschulen befinden sich mittlerweile in privater Trägerschaft, 13 Prozent aller Studierenden haben sich für eine private Hochschule entschieden. Der WR sieht darin einen Beitrag zur akademischen Fachkräftesicherung, verweist aber auch auf Herausforderungen: Viele private Hochschulen müssten akademische Prinzipien und wirtschaftliche Effizienz in Einklang bringen, Forschung spiele häufig eine untergeordnete Rolle.
„Staatliche und private Hochschulen sollten sich stärker einander öffnen“, so Wick. Private Hochschulen könnten durch Zusammenarbeit mit staatlichen Einrichtungen und die konsequente Orientierung an hohen Qualitätsstandards wissenschaftlich profitieren. Staatliche Hochschulen wiederum könnten von der Flexibilität privater Anbieter lernen. Der WR beschreibt den privaten Sektor als sehr heterogen: Hinter den 116 privaten Hochschulen stünden unterschiedliche Betreiber und Geschäftsmodelle, nur wenige seien renditeorientiert. Die starke Abhängigkeit von Studienentgelten und der Wettbewerbsdruck erschwerten jedoch den Aufbau nachhaltiger Strukturen. Die Länder und andere Akteure der Qualitätssicherung stünden in der Verantwortung, Qualität und Innovation im privaten Hochschulsektor zu fördern.
Zukunftsvertrag Studium und Lehre
Erstmals hat der WR auf Bitte der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) den 2021 eingeführten „Zukunftsvertrag Studium und Lehre stärken“ (ZSL) wissenschaftlich bewertet. Mit dem Bund-Länder-Programm wollen Bund und Länder den Wissenschaftsstandort Deutschland stärken, die internationale Wettbewerbsfähigkeit verbessern und Hochschulen finanzielle Planungssicherheit bieten.
Der WR-Vorsitzende Wolfgang Wick bezeichnet den ZSL als „strukturpolitisch enorm wichtiges und zugleich effizientes Programm“, das trotz kurzer Laufzeit bereits ein unverzichtbares Instrument zur Verbesserung von Studien- und Lehrbedingungen geworden sei und einen wesentlichen Beitrag zur Fachkräftesicherung leiste. Der WR empfiehlt, die Hauptziele des Programms in ihrer aktuellen Ausrichtung beizubehalten und die Schwerpunktsetzung bei dauerhaften Beschäftigungsverhältnissen fortzuführen. Zudem regt der WR an, die Schwerpunkte des Programms regelmäßig zu überprüfen. Perspektivisch sollten außerdem die Kennzahlen für die Mittelverteilung überarbeitet, das Berichtswesen digitalisiert und der ZSL stärker durch Begleitforschung und länderübergreifenden Austausch flankiert werden.
Bewertungen für Erweiterungen von Leibniz-Instituten
Auf Bitten der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) hat der Wissenschaftsrat zudem drei strategische Erweiterungsanträge von Leibniz-Einrichtungen bewertet – mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen von „exzellent“ bis „nicht hinreichend“. Besonders überzeugt hat das Vorhaben des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, das seine Wiederholungsbefragungen künftig vierteljährlich statt jährlich durchführen und die Stichprobe vergrößern will, um gesellschaftlichen Wandel und die Auswirkungen akuter Krisen schneller erfassen zu können. Der WR bewertete den Antrag insgesamt als „exzellent“.
Eine sehr gute Gesamtbewertung erhielt der Erweiterungsantrag des Leibniz-Instituts für Lebensmittel-Systembiologie an der TU München, das seine 2018 begonnene Neuausrichtung von der klassischen Lebensmittelchemie zu einer interdisziplinären Lebensmittel-Systembiologie fortsetzen will. Der Erweiterungsantrag des Leibniz-Instituts für Agrartechnik und Bioökonomie (ATB) in Potsdam wurde dagegen als „nicht hinreichend“ eingestuft: Das Konzept sei zum Zeitpunkt der Begutachtung noch nicht ausgereift genug gewesen. Der WR empfiehlt dem Institut, klarere Schwerpunkte zu setzen und sozialwissenschaftliche, ökonomische und transformative Kompetenzen stärker zu berücksichtigen.
Munich Business School für fünf weitere Jahre akkreditiert
Schließlich hat der Wissenschaftsrat auf seinen Sommersitzungen auch ein Verfahren der Institutionellen Akkreditierung beraten: Die Munich Business School (MBS) wird für weitere fünf Jahre akkreditiert. Die Hochschule überzeugt laut WR durch ein stimmiges, praxisnahes Studienangebot mit Schwerpunkt Internationale Betriebswirtschaft und wird den Anforderungen an eine Hochschule für angewandte Wissenschaften insgesamt gut gerecht. Positiv hervorgehoben werden die Fortschritte bei Forschungsleistungen und Forschungsrahmenbedingungen. Der WR empfiehlt der MBS dennoch Anpassungen der Governance sowie eine Prüfung des Ausbaus ihres wissenschaftlichen Mittelbaus.
Munich Business School auf einen Blick
- Profil: Internationale Business School mit anwendungsorientiertem Ansatz in Lehre und Forschung
- Studienangebot: 1 Bachelorstudiengang, 4 Masterprogramme, 1 MBA-Programm (alle in Präsenz)
- Studierende: rund 790 (Wintersemester 2025/26)
- Hauptberufliche Professuren: 19 Vollzeitäquivalente
(che)