Berufe im Krankenhaus
Von Arzt über Medizinformatikerin bis Klinikmanager – Jobs für Akademiker:innen in Kliniken

In Krankenhäusern sind viele unterschiedliche Berufsgruppen auf eine gemeinsame Zusammenarbeit angewiesen, um den Klinikbetrieb aufrecht zu erhalten © andresr / iStock.com
In den deutschen Kliniken arbeiten neben Ärzt:innen auch viele Angestellte und Freiberufler:innen aus anderen Berufsgruppen. Und für fast alle Jobs, ob im medizinischen oder Verwaltungsbereich, wird dringend Personal gesucht. Welche Berufe dort ausgeübt werden und welche Einstiegsmöglichkeiten Akademiker:innen haben, lesen Sie hier.
Aktualisiert: 16.12.2024
Die Krankenhauslandschaft in Deutschland
Die Kliniklandschaft in Deutschland ist sehr heterogen. Nach den zuletzt vom Statistischen Bundesamt erfassten Daten gab es im Jahr 2023 deutschlandweit 1.874 Krankenhäuser; die Tendenz ist seit Jahren leicht rückläufig. 28,5 Prozent davon (534) sind öffentliche Einrichtungen wie Unikliniken oder kommunale Krankenhäuser (1991 waren es noch 46 Prozent). Rund ein weiteres Drittel (590) sind freigemeinnützige Krankenhäuser, beispielsweise die kirchlichen Einrichtungen oder von der Arbeiterwohlfahrt betriebene Kliniken. 40 Prozent der Krankenhäuser (750) sind in privater Hand, dazu gehören etwa Asklepios, Helios oder Sana.
Da die privaten Krankenhäuser im Schnitt kleiner sind als die öffentlichen und freigemeinnützigen, fällt die prozentuale Verteilung der Betten und damit auch der zu besetzenden Jobs anders aus. So stellten die öffentlichen Kliniken im Jahr 2023 47 Prozent der Betten, die privaten hingegen nur rund 20 Prozent.
Am 31.12.2023 arbeiteten in den deutschen Krankenhäusern 1.424.394 Menschen, mehr als je zuvor. Davon waren
- 211.994 hauptamtliche Ärzt:innen
- 1.083.370 nichtärztliches Personal
- 528.323 nichtärztliches Personal im Pflegedienst.
Medizinische Berufe und Arbeitsfelder in den Krankenhäusern
In den Krankenhäusern fallen die verschiedensten Aufgaben an, aber nur rund 15 Prozent davon betreffen den ärztlichen Dienst. Zu den wesentlichen Berufsgruppen im medizinischen Bereich zählen laut der Deutschen Krankenhausgesellschaft:
- Ärzt:innen
In Krankenhäusern arbeiten Ärzt:innen aller Fachrichtungen. Einige ärztliche Fachbereiche, wie beispielsweise die Anästhesie oder die Herzchirurgie, sind fast ausschließlich in Krankenhäusern vertretern. Auch Allgemeinmediziner:innen kommen in den Notaufnahmen zum Einsatz. Im Unterschied zu niedergelassenen Ärzt:innen ist der Anteil an Beratungs- und Vorsorgeleistungen geringer, der therapeutische Teil der Arbeit dafür höher. Zudem ist die Fähigkeit zur Teamarbeit gefragt, da in größeren Fachabteilungen teils zehn oder mehr Ärzt:innen zusammenarbeiten. Die Arbeitsbelastung ist aufgrund der Schicht- und Nachtdienste im Krankenhaus oft höher als bei niedergelassenen Ärzt:innen. - Gesundheits- und Krankenpfleger:innen
Das Tätigkeitsprofil der Pflegenden im Krankenhaus ist kurativ ausgerichtet und konzentriert sich auf die Pflege am Bett sowie die Pflege in den Funktionsabteilungen. Es unterscheidet sich damit deutlich von der Altenpflege, die ihre Patient:innen über einen längeren Zeitraum in den täglichen Lebenssituationen unterstützen. Fachlich weitergebildetes Pflegepersonal kann auch auf den Intensivstationen eingesetzt werden. Die Arbeit dort unterscheidet sich von der Pflege außerhalb der Intensivstationen – zum einen aufgrund des intensiveren Betreuungsverhältnisses, zum anderen aufgrund der notwendigen technischen Ausstattung. Das Pflegepersonal in den Funktionsbereichen, wie beispielsweise im Operationsdienst oder in der Endoskopie, geht keiner pflegerischen Tätigkeit am Patientenbett nach. Während Pflegeberufe lange Zeit fast ausschließlich im Rahmen einer Ausbildung erlernt wurden, zeichnet sich hier ein Trend zur Akademisierung der Pflege ab. - MTAs
Ob in den Laboratorien, in der Radiologie oder der Funktionsdiagnostik – knapp 200.000 medizinisch-technische Assistent:innen sind in den Kliniken beschäftigt. Sie unterstützen beispielsweise bei der Patientenuntersuchung, führen Laboruntersuchungen oder Röntgenuntersuchungen durch. - Hebammen
Rund 9.000 festangestellte sowie rund 1.500 freiberufliche Hebammen sind in den Krankenhäusern in erster Linie für die Geburtshilfe sowie die Wochenbettbetreuung zuständig. Für Hebammen gilt nach Ende der Übergangsfrist ab 2023 grundsätzlich: Wer diesen Beruf ergreifen möchte, muss ein Bachelorstudium absolvieren. Die Ausbildung an einer Berufsfachschule ist dann nicht mehr möglich.
Darüber hinaus sind in Krankenhäusern und Kliniken zahlreiche weitere Berufsgruppen im medizinischen Bereich beschäftigt. Dazu zählen beispielsweise
- Pharmazeut:innen sowie pharmazeutisch-technische Assistent:innen,
- Bewegungstherapeut:innen (Physiotherapeut:innen, Heilgymnastik, Tanztherapeut:innen, usw.)
- Beschäftigungstherapeut:innen oder Ergotherapeut:innen
- Sprachtherapeut:innen (Logopäd:innen, Sprachheilpädagog:innen, Sprechwissenschaftler:innen, usw.)
- Diätassistent:innen und Ernährungsberater:innen,
- Masseur:innen und medizinische Bademeister:innen,
- Hygienekontrolleur:nnen,
- Chemie- und Biologielaborant:innen,
- Chirurgie- oder Orthopädiemechaniker:innen,
- Notfallsanitäter:innen.
Verwaltungsangestellte in Krankenhäusern und Kliniken
Krankenhäuser und Kliniken sind für die Pflege und Heilung von Patient:innen verantwortlich – und gleichzeitig sind sie Unternehmen, die möglich wirtschaftlich arbeiten sollen. Rund 65.000 Angestellte arbeiten deshalb im Verwaltungsdienst der Kliniken. Darunter fallen verschiedenste Tätigkeiten etwa im Controlling, im Personalwesen, in der Krankenhausleitung, der Öffentlichkeitsarbeit sowie in stark wachsendem Maße im IT-Bereich. Einige typische Berufe im Überblick:
- Gesundheitsökonomen und -manager beschäftigen sich mit den wirtschaftlichen Fragen des Gesundheitswesens. Zentrale Aufgabe ist es also meist, mit möglichst geringen Kosten eine optimale gesundheitliche Versorgung zu gewährleisten. Sie sind in der Krankenhausleitung tätig. Gesundheitsökonomie und -management sind eigenständige Studiengänge.
- Mitarbeiter in der Personalabteilung sind für die Gewinnung, Einstellung und Entlassung des Krankenhauspersonals zuständig. Auch die Lohnabrechnungen, der Arbeits- und Datenschutz, die Überwachung geleisteter Dienstzeiten sowie die kurz-, mittel- und langfristige Planung der Mitarbeiterkapazitäten gehören zu den Aufgaben von Personalern. Meist haben sie ein wirtschaftswissenschaftliches Studium (VWL, BWL, Wirtschaftswissenschaften) mit anschließender Spezialisierung auf Personalmanagement absolviert.
- Angestellte im Controlling sind für die Budgetplanung zuständig. Sie werten die relevanten Daten aus, analysieren Prozesse und kontrollieren Betriebsabläufe. Schwachstellen werden identifiziert und strategische Maßnahmen zur Optimierung geplant und umgesetzt.
- PR- und Öffentlichkeitsbeauftragte sollen den Bekanntheitsgrad und die Reputation eines Krankenhauses oder einer Klinik steigern – der Wettbewerbs- und Kostendruck ist hoch, ein guter Ruf unter (potenziellen) Patienten und auch Bewerbern deshalb entscheidend. Vor allem größere Häuser verfügen deshalb über eine eigene PR- und Öffentlichkeitsabteilung oder zumindest Verantwortliche für diesen Tätigkeitsbereich. Die Mitarbeiter dieser Abteilung verfassen Pressemeldungen, organisieren Pressekonferenzen, kümmern sich um den Webauftritt und die sozialen Kanäle des Krankenhauses, gestalten Flyer, Image- und Infobroschüren und organisieren Veranstaltunge wie Tage der offenen Tür. PR-Manager können die nötige Qualifikation entweder im Rahmen einer Ausbildung oder eines Studiums (Public Relations, Kommunikationsmanagement) erlangen.
- IT-Fachkräfte: Ohne IT geht in nahezu keinem Unternehmen mehr etwas – schon gar nicht in einem Krankenhaus, in dem ein reibungslos funktionierendes IT-System unter Umständen lebensrettend sein kann. IT-Mitarbeiter:innen müssen sein Funktionieren sicherstellen, auftretende Probleme lösen sowie neue und innovative IT-Lösungen entwickeln und etablieren. Auch die Datensicherheit gehört zum Aufgabenbereich der IT-Spezialist:innen in Krankenhäusern. Voraussetzung ist ein Studium der (Medizin-)Informatik.
- Ingenieure für Medizintechnik sind für die Entwicklung von medizinischen Verfahren, chirurgischen Instrumenten und medizintechnischen Geräten wie Implantaten, Prothesen, Röntgengeräten oder Herzschrittmachern zuständig. Für diesen Job ist ebenfalls ein spezielles Studium notwendig.
Darüber hinaus sind in Krankenhäusern Bürofachangestellte, Köche und Küchenpersonal, Friseur:innen, Gastronom:innen und Einzelhändler tätig.
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Perspektiven und Gehalt: Was verdient man im Krankenhaus?
In nahezu allen Berufsgruppen suchen die Krankenhäuser Personal. Pflegekräfte sowohl für die Allgemein- als auch die Intensivstationen werden überaus dringend benötigt, zudem werden jedes Jahr zwischen 3.000 und 4.000 neue Ärzte eingestellt. Auch Hebammen haben in den Kliniken hervorragende Perspektiven, da sich in den vergangenen Jahren viele Geburtshelfer in die Selbstständigkeit zurückgezogen haben und der Bedarf daher groß ist. Im Verwaltungsdienst werden vor allem IT-Fachkräfte gesucht. Laut einer repräsentativen Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO und des Deutsche Krankenhausinstituts (DKI) im Januar 2024 haben demnach „rund drei Viertel der Krankenhäuser Probleme, offene Stellen für IT-Fachkräfte zu besetzen. Im Mittel können dort 14 Prozent der IT-Vollzeitstellen nicht besetzt werden“.
In diesem und anderen Bereichen der Verwaltung sind auch Quereinsteiger:innen willkommen. In der Krankenpflege ist ein Quereinstieg möglich, wenn eine einschlägige Ausbildung absolviert wurde. So arbeiten beispielsweise auch ausgebildete Altenpfleger:innen im Krankenhaus.
Ärzt:innen an Unikliniken haben die besten Gehälter
Die Bandbreite der Gehälter an Krankenhäusern und Kliniken ist ebenso groß wie die Vielfalt der Jobs. Angestellte werden in der Regel nach Tarif bezahlt: Ärzt:innen beispielsweise an kommunalen Krankenhäusern nach dem TV-Ärzte VKA, an Universitätskliniken nach dem TV-Ärzte TDL und in privaten Kliniken nach den jeweiligen Haustarifverträgen. Einen detaillierten Überblick über die Gehälter bei den verschiedenen Arbeitgebern am Beispiel von Assistenzärzten bietet dieser academics-Ratgeber.
Am meisten verdienen Ärzt:innen an Universitätskliniken – hier reicht die Spanne von 5.308 Euro brutto monatlich (Assistenzarzt, Stufe 1) bis hin zu 11.648 Euro brutto im Monat (Leitender Oberarzt, Stufe 3). Eine Ausnahme bilden forschende Ärzt:innen, die weniger oder gar nicht in der Patientenversorgung tätig sind: Sie werden nach dem jeweiligen Tarifvertrag des Landes vergütet. Da dies ein Minus von bis zu 2.000 Euro monatlich bedeuten kann, haben einige Unikliniken spezielle Haustarifverträge für forschende Ärzt:innen abgeschlossen, um die Attraktivität dieses wichtigen Jobs zu steigern.
Einen Überblick über die durchschnittlichen Gehälter weiterer Beschäftigter bietet die folgende Tabelle.
Durchschnittsgehälter in Krankenhäusern nach Position
Position | Gehalt (brutto pro Monat) |
---|---|
Anästhesie-/Intensivpflegekraft |
4.223 Euro |
Fachkrankenpflegekraft Psychiatrie |
3.683 Euro |
Kinderkrankenpflegekraft |
3.944 Euro |
Hebamme |
4.007 Euro |
Medizinische:r Fachangestellte:r (MFA) |
2.828 Euro |
Medizinisch-technische:r Assistent:in (MTA) |
3.717 Euro |
Betriebswirt:in im Gesundheitswesen |
4.607 Euro |
Fachwirt:in im Sozial- und Gesundheitswesen |
3.735 Euro |
Gesundheitsökonom/-manager:in |
4.983 Euro |
Ingenieur:in der Medizintechnik |
4.606 Euro |
Kaufmann/-frau im Gesundheitswesen |
3.5552 Euro |
Medizininformatiker:in |
5.455 Euro |
Quelle: gehalt.de, stepstone.de, medi-karriere.de, Bundesagentur für Arbeit © academics