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Wissenschaftsrat: Wintersitzungen
„Deutschland soll ein weltweit sichtbarer und wettbewerbsfähiger Wissenschaftsstandort sowie ein Modell freier und starker Wissenschaft sein“

Der Wissenschaftsrat hat auf seinen Wintersitzungen eine 10-Punkte-Agenda mit einem Zielbild 2040 für den Wissenschaftsstandort Deutschland vorgestellt und einen Kurswechsel in der Gesundheitspolitik hin zu mehr Prävention gefordert +++ Wolfgang Wick bleibt Vorsitzender des Wissenschaftsrats, Julia Arlinghaus Vorsitzende der Wissenschaftskommission +++ Reakkreditierung von zwei privaten HAW

Aktualisiert: 02.02.2026

Von: academics
News Wissenschaftssystem

Artikelinhalt

Zielbild für das Jahr 2040 Gesundheitspolitik: „Kurswechsel hin zu mehr Prävention“ Personalien Reakkreditierungen

Zielbild für das Jahr 2040

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© academics Grafik

Der Wissenschaftsrat hat bei seiner Wintersitzung im Januar 2026 angesichts sich drastisch wandelnder Rahmenbedinungen für Wissenschaft in Deutschland eine 10-Punkte-Agenda mit einem Zielbild für das Jahr 2040 vorgestellt: „Deutschland soll ein weltweit sichtbarer und wettbewerbsfähiger Wissenschaftsstandort sowie ein Modell freier und starker Wissenschaft sein – geprägt durch Spitzenforschung, hochwertige Bildungsangebote und hohe gesellschaftliche Wirksamkeit“, heißt es in einer Mitteilung.

Geopolitische Unsicherheiten, wirtschaftliche und gesellschaftliche Herausforderungen, internationale Konkurrenz sowie technologische Umbrüche machten strategische Entscheidungen und konkrete Änderungen nötig: „Wir drohen in Zukunft den Anschluss zu verlieren, wenn wir nicht heute die Weichen richtig stellen. Die Wissenschafts- und Innovationspolitik muss schneller und wirksamer auf neue Umstände reagieren können“, betont der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Wolfgang Wick. „Dafür müssen Prioritäten gesetzt werden, um auch mit begrenzten Ressourcen Veränderungen voranzutreiben. Es braucht eine bessere und schnellere Koordination über Ressortgrenzen hinweg sowie zwischen Bund und Ländern. Vertrauen und Eigenverantwortung müssen gestärkt, Kontrolle und Hemmnisse abgebaut sowie Entscheidungswege, Förderinstrumente und Verwaltungsprozesse vereinfacht werden.“

In seiner Agenda fordert der Wissenschaftsrat neben Reformen:

  • Eine entschlossene Profilierung, Investitionen und Konsolidierung: Wissenschafts- und Innovationspolitik muss in den kommenden Jahren genügend Mittel mobilisieren, um die Souveränität und Stärke von Wissenschaft und Innovation in Deutschland zu sichern und auszubauen. Mittel für Bildung, Forschung und Innovation sicherten die Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft und dürften nicht länger als konsumtive Ausgaben gelten.
  • Wissenschaftsfinanzierung als staatliche Kernaufgabe muss verlässlich bleiben: Ziel bleibe exzellente Forschung und ein international sichtbarer Platz in der Spitzengruppe. Krisen und knappe Ressourcen erzwängen Konzentration. Ressourcen müssten gezielt und nachhaltig eingesetzt werden – durch klare Prioritäten sowie eine bessere Vernetzung und Bündelung von Kräften im wissenschaftlichen System.
  • Die mittelfristige Neuordnung von Profil, Steuerung und Finanzierung der außeruniversitären Forschung durch Bund und Länder: Dazu gehörten ihre Unterscheidung voneinander, die Zusammenarbeit mit Hochschulen und der Umgang mit Forschungsinfrastrukturen. Auch das Verhältnis von institutioneller und projektbezogener Förderung gehöre auf den Prüfstand, so der Wissenschaftsrat: Nur so ließen sich Nachhaltigkeit, Verlässlichkeit und Freiräume in ein Gleichgewicht bringen.

Neben der Politik richtet sich die Agenda auch an die Wissenschaft und insbesondere an die Hochschulen als Schlüsselakteure gesellschaftlicher, politischer, technologischer Transformationen. Sie sollten Priorität in der Politik genießen. Zugleich sind sie strategisch gefordert: Gesellschaftliche und technologische Umbrüche erfordern eine neue Architektur des Studienangebots. Länder und Hochschulen sollten ihr Studienangebot länderübergreifend und wissenschaftsgeleitet prüfen. Wenig nachgefragte Studiengänge sind gegebenenfalls zu bündeln oder abgestimmt zurückzubauen. Gleichzeitig gilt es, Konzepte für den Umgang mit veränderten Studierendenzahlen, wachsender Heterogenität und neuen Lehrformen zu entwickeln sowie Maßnahmen zur Steigerung des Studienerfolgs auszubauen.

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Gesundheitspolitik: „Kurswechsel hin zu mehr Prävention“

Darüber hinaus fordert der Wissenschaftsrat in der Gesundheitspolitik einen Kurswechsel hin zu mehr Prävention. „Deutschlands Gesundheitssystem braucht einen Kulturwandel. Wir müssen Gesundheit und nicht Krankheit in den Mittelpunkt und damit Prävention über Reparatur stellen. Man weiß, was zu tun ist; man muss es nur endlich auch tun,“ sagt der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Wolfgang Wick. „Eine starke Prävention und Gesundheitsförderung sind kein nice to have, sie sind systemrelevant – für die Sicherung unserer Gesundheits- und Sozialsysteme, aber auch für unsere Wettbewerbsfähigkeit und nicht zuletzt für den gesellschaftlichen Zusammenhalt,“ betont Wick.

Obwohl die medizinische Versorgung qualitativ zur Weltspitze gehöre, hinke Deutschland bei der Lebenserwartung hinterher – und das Gesundheitssystem sei mit 500 Milliarden Euro im Jahr international eines der teuersten. In seinem Positionspapier „Für Prävention und Gesundheitsförderung handeln in Wissenschaft, Versorgung und Gesellschaft“ fordert der Wissenschaftsrat ein entschlossenes Handeln der Politik, die Vernetzung von Expertise verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen, einen effektiven Wissenstransfer, starke öffentliche Gesundheitsstrukturen sowie eine präventiv und interprofessionell wie interdisziplinär ausgerichtete Versorgung. Auch brauche es ein verbindliches Commitment in sämtlichen sektoralen Teilsystemen, die einen wesentlichen Einfluss auf Gesundheit haben – vom Agrar- und Ernährungs-, bis hin zum Verkehrs- und Mobilitätssektor.

Desweiteren regt der Wissenschaftsrat an:

  • einen erleichterten Forschungszugang zu Daten – bei striktem Datenschutz und hoher Sicherheit
  • Experimentierräume, beispielsweise Betriebe und Schulen, in denen neue Präventionsmaßnahmen erprobt werden
  • eine verbesserte Gesundheitskompetenz und Gesundheitskommunikation, die kulturelle wie soziale Faktoren besser berücksichtigen
  • interdisziplinäre Strukturen – etwa Präventionszentren an Hochschulen, die Medizin, Gesundheitswissenschaften, Psychologie, Sozial- und Umweltwissenschaften verbinden. Diese Zentren sollten außerdem auch Schnittstellen zwischen Forschung, Politik, Versorgung und Öffentlichkeit schaffen
  • mehr Forschung dazu, wie Präventionsmaßnahmen im Alltag umgesetzt werden können
  • eine stärkere Vermittlung von präventionsorientierten Denkweisen in der Ausbildung in Medizin und Gesundheitsberufen sollte stärker präventionsorientierte Denkweisen


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Personalien: Wolfgang Wick bleibt Vorsitzender

Folgende Personalien wurden bei den Wintersitzungen beschlossen:

  • Der Neuroonkologe Wolfgang Wick bleibt Vorsitzender des Wissenschaftsrats. Er wurde bei den Sitzungen des Wissenschaftsrats iwiedergewählt und ist damit am 1. Februar 2026 in seine vierte Amtszeit gestartet.
  • Auch die Vorsitzende der Wissenschaftlichen Kommission, Julia Arlinghaus, wurde für ein weiteres Jahr im Amt bestätigt. Arlinghaus ist Ordentliche Professorin für Logistik & Supply Chain Management an der Universität St. Gallen (HSG). Ihr Stellvertreter bleibt Ferdi Schüth (re.), Professor für Anorganische Chemie und Direktor des Max-Planck-Instituts für Kohlenforschung in Mülheim/Ruhr.
  • Neu im Vorstand der Wissenschaftlichen Kommission ist Uta Gaidys. Sie folgt auf Christian Facchi, der nach sechs Jahren im WR turnusgemäß ausschied. Uta Gaidys ist Professorin für Pflegewissenschaft und Dekanin der Fakultät Gesundheit an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg. Zu ihren Schwerpunkten gehören Ethik in der Gesundheitsversorgung und die Wissenschaftsbasierung von Pflege- und Gesundheitsfachberufen.
  • Zu gleichberechtigten Vorsitzenden der Verwaltungskommission sind Dr. Rolf-Dieter Jungk, Staatssekretär im Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt, sowie der Niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kultur, Falko Mohrs, wiedergewählt worden. Ihr Stellvertreter bleibt Markus Blume, Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst.

Vier neue Mitglieder wurden in den Wissenschaftsrat berufen:

  • Dr.-Ing. Bahman Azarhoushang, Professor für Fertigungstechnik | Leiter des KSF-Instituts – Institute for Advanced Manufacturing an der Hochschule Furtwangen
  • Dr. Hanna Hottenrott, Professorin für Innovationsökonomik an der TUM School of Management der Technischen Universität München
  • Dr. Eva-Maria Kieninger, Professorin für Deutsches und Europäisches Privatrecht sowie Internationales Privatrecht an der Universität Würzburg
  • Andrea Frank, Stellvertretende Generalsekretärin des Stifterverbandes

Reakkreditierung von zwei privaten HAW

Die Internationale Hochschule SDI München (SDI Hochschule) sowie die Quadriga Hochschule (Berlin) wurden vom Wissenschaftsrat reakkrediert – die SDI Hochschule für fünf Jahre, die Quadriga Hochschule für zehn Jahre.

(mas)

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