Public Sector
Der öffentliche Dienst: Mit Sicherheit gute Aussichten auf eine berufliche Zukunft
Ob Bildung, Verwaltung, Sicherheit, Justiz oder Pflege – die vielfältigen Arbeitsbereiche im öffentlichen Dienst bieten im Zuge der zunehmenden Digitalisierung neue interessante Berufsbilder und Karrierechancen. Ein Überblick.
Aktualisiert: 09.01.2026
Fachkräftemangel im öffentlichen Dienst
Sicherheit, Struktur, Planbarkeit und insbesondere durch die Digitalisierung neu entstandene Berufsbilder und Karrierechancen: Der öffentliche Dienst, gerne auch als „Staatsdienst“ bezeichnet, bietet mit seinen Vorteilen der Privatwirtschaft zunehmend die Stirn und steigt in der Gunst von Job-Interessent:innen. Mit Blick auf ihre berufliche Zukunft sehen beispielsweise 24 Prozent der Studierenden den Staat als den „attraktivsten“ Arbeitgeber an, wie eine Studie des Wirtschaftsprüfungsunternehmens Ernst & Young im vergangenen Jahr ergab. „In wirtschaftlich herausfordernden Zeiten, wie wir sie gerade erleben, ist der Wunsch nach Jobsicherheit nachvollziehbar. Studierende erwarten im öffentlichen Dienst einen sicheren Job, attraktive Arbeitszeiten und zumeist auch eine ausgewogene Work-Life-Balance“, erklärt Nathalie Mielke von Ernst & Young die Ergebnisse.
Während in den vergangenen Monaten immer wieder Schlagzeilen von Unternehmen aus der Privatwirtschaft zu lesen waren, die bereits Personal abbauen oder aber planen, dies zu tun, steigt die Zahl der Mitarbeitenden bei Bund, Ländern und Kommunen weiter an. Rund 5,4 Millionen Menschen waren 2024 laut Statistischem Bundesamt im öffentlichen Dienst beschäftigt – 60.800 mehr als noch im Jahr zuvor. Doch immer noch zu wenig. Es herrscht ein Fachkräftemangel. Neben der Bundeswehr sind es vor allem
- Krankenhäuser,
- Kitas,
- Schulen,
- Hochschulen,
- Alten- und Pflegeheime in kommunaler Trägerschaft und
- die Polizei,
die Personal suchen.
Einer der wesentlichen Gründe für den enormen Bedarf ist der demografische Wandel. Bereits in diesem Jahr gehen zwei Prozent der Beschäftigten aus dem öffentlichen Dienst in den Ruhestand. Im Laufe der nächsten zehn Jahre werden es insgesamt 1,39 Millionen sein – knapp ein Drittel (27 Prozent) der gesamten Belegschaft. Selbst erwartbare Neueinstellungen können diese Lücke nicht schließen. Das geht aus aktuellen Zahlen des dbb beamtenbund und tarifunion hervor.
„Smart City“: Digitalisierung schafft neue Job- und Karriereaussichten
Ein weiterer Grund für nicht nur gute, sondern vor allem auch neue Job- und Karriereaussichten im öffentlichen Dienst ist die fortschreitende Digitalisierung. Moderne Technologien wie etwa Blockchain, Künstliche Intelligenz und Automatisierung erhalten Einzug auch in die Behördenetagen, unter dem Stichwort „Smart City“ sollen Kommunen und Regionen intelligent, vernetzt und lebenswerter werden.
„In einer Smart City wird intelligente Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) verwendet, um Teilhabe und Lebensqualität zu erhöhen und eine ökonomisch, ökologisch und sozial nachhaltige Kommune oder Region zu schaffen“, erklärt das Bundesamt für Sicherheit und Informationstechnik (BSI) und fügt an: „Das Konzept der ‚Smart City‘ sieht neben der Digitalisierung einzelner Sektoren auch deren Vernetzung vor, um Synergien zu nutzen. So kann beispielsweise im Bereich der Mobilität der Verkehrsfluss optimiert werden, um die Fahrdauer zu verkürzen und Emissionen zu reduzieren. Digitale Dienstleistungen ermöglichen dabei die Reservierung eines freien Parkplatzes, der gleichzeitig die Infrastruktur zum Laden des Elektrofahrzeugs bereitstellt.“
Die fortschreitende Digitalisierung – Stichwort „Smart City“ – eröffnet neue Karrierechancen im öffentlichen Dienst. © metamorworks / iStock.com
Besonders gesucht: Qualifizierte IT-Kräfte
Damit derartige Szenarien Realität werden, braucht es spezielles Know-how. Gesucht werden in diesem Zuge daher beispielsweise qualifizierte Fachkräfte für
- IT-Sicherheit,
- Datenanalyse,
- Prozessoptimierung,
- digitale Kommunikation sowie
- für die Gestaltung benutzerfreundlicher digitaler Anwendungen – und das bei den unterschiedlichen Arbeitgebern des öffentlichen Dienstes.
IT-Jobs im öffentlichen Dienst
Auch Hochschulen und die Polizei suchen IT-Expert:innen
So bewirbt sich beispielsweise die Polizei Hamburg auf ihrer Seite bei Jobsuchenden mit den Zeilen: „Die Polizei besteht nicht nur aus den uniformierten Kolleginnen und Kollegen, es steckt viel mehr dahinter, als man denkt. Die IT-Abteilung ist eine sehr besondere Organisationseinheit der Polizei Hamburg. Durch ihre Dienstleistungen ist sie unverzichtbar für die moderne Polizeiarbeit und trägt einen großen Teil zur Wahrung der inneren Sicherheit und Ordnung bei.“
Auch die Hochschulen hierzulande wissen um die Chancen und Möglichkeiten des technischen Fortschritts – Stichwort etwa „hybride Lehre“ – und versuchen mit der Herausforderung mitzuhalten. Fast alle von ihnen (93,5 Prozent) haben laut dem aktuellen Monitor Digitalisierung 360° des Hochschulforums Digitalisierung eine konkrete Strategie zur Digitalisierung. Allerdings berichten 38,5 Prozent der Hochschulleitungen, dass es schwierig ist, für die Umsetzung einer solchen Strategie passende IT-Fachkräfte zu finden.
Schon gewusst?
33 Prozent aller Beschäftigen im öffentlichen Dienst sind laut Statistischem Bundesamt verbeamtet – insgesamt sind es rund 1,7 Millionen. Die meisten sind bei den Ländern und Kommunen tätig, etwa als Lehrkräfte oder bei der Polizei.
Quereinstieg: Staatlich geförderte Fortbildungsprogramme
„Egal, ob in den Bundesbehörden, in den Kommunen oder ganz konkret bei Zoll, Finanzamt und Polizei – überall ist die Digitalisierung ein zentrales Zukunftsthema“, sagt Matthäus Fandrejewski, Vorsitzender der dbb jugend gegenüber dem Portal staatklar.org. Dieses informiert mit einem Newsletter und Jobkompass insbesondere jüngere Menschen über Berufsmöglichkeiten im öffentlichen Dienst. Berufserfahrene sowie insbesondere Quereinsteiger:innen können im Rahmen von mitunter sogar staatlich geförderten Fortbildungsprogrammen, Seminaren und Online-Kursen ihr vorhandenes Wissen weiter spezifizieren und so ihre Jobmöglichkeiten deutlich verbessern.
Mehr lesen: Quereinstieg in den öffentlichen Dienst – Voraussetzungen und Chancen
Dieser Artikel war Teil der Sonderveröffentlichung „Arbeiten im Public Sector“ in der ZEIT 44/2025, Ressort Wissen.