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Interview: Manja Schüle – Wissenschaftsministerin des Jahres 2026
„Wissenschaft ist kein Luxus, sondern die Grundlage für Fortschritt“

Dr. Manja Schüle wird als Wissenschaftsministerin des Jahres 2026 ausgezeichnet

Dr. Manja Schüle bei der Gala der Deutschen Wissenschaft im März 2026 © DHV/Be.A.Star-Productions

Dr. Manja Schüle ist Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg und wurde vom Deutschen Hochschulverband zur „Wissenschaftsministerin des Jahres" gekürt. Im Interview spricht sie über ihre Vision für Brandenburg als europäischen Wissenschafts-Hotspot und darüber, warum Forschung die Grundlage unserer Zukunft ist.

Aktualisiert: 14.04.2026

Von: Julia Gertig
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Manja Schüle, gebürtig in Frankfurt/Oder, ist seit 30 Jahren Potsdamerin – und als brandenburgische Ministerin für Wissenschaft, Kultur und Forschung nach eigener Aussage „für die klügsten und kreativsten Köpfe in Brandenburg zuständig. Mein Job ist, für die Rahmenbedingungen zu sorgen, damit sie frei denken, fair arbeiten und verlässlich gestalten können.“

academics: Frau Dr. Schüle, wofür stehen Sie als Wissenschaftsministerin?
Für Verlässlichkeit und Partnerschaft – und für die Überzeugung, dass Wissenschaft über unsere Zukunft entscheidet.

Beschreiben Sie sich mit 3 Adjektiven.
Zielstrebig, kooperativ und neugierig – denn Neugier ist der Treibstoff der Wissenschaft.

Sie wurden vom Deutschen Hochschulverband zur „Wissenschaftsministerin des Jahres“ gewählt. Was bedeutet diese Auszeichnung für Sie ?
Das ist der schönste Lohn für meine Arbeit, weil die Auszeichnung aus der Wissenschafts-Community selbst kommt und ich freue mich sehr, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler spüren, dass ihre Anliegen gehört werden – und das motiviert mich ungemein.

Was motiviert Sie noch bei Ihrer täglichen Arbeit als Wissenschaftsministerin?
Jeden Tag sehe ich, was passiert, wenn kluge Menschen zusammenkommen und neue Wege gehen. Ob in der Krebsforschung, der KI-Entwicklung oder der nachhaltigen Landwirtschaft: Wissenschaft verändert Leben – und das zu unterstützen, ist einer der sinnvollsten, und im übrigen wunderbarsten, Jobs der Welt.

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„Neugier ist der Treibstoff der Wissenschaft"

Dr. Manja Schüle

Wie schaffen Sie Vertrauen in Zeiten knapper Haushalte und politischer Umbrüche?
Vertrauen entsteht nicht nur durch Worte, sondern selbstverständlich durch Taten – durch Präsenz, ehrlichen Dialog und Verlässlichkeit. Ich bin jetzt seit gut sechs Jahren Ministerin, daher wissen viele – oder ich hoffe, dass viele es wissen –, dass ich zu meinem Wort stehe und auch für den Willen, in schwierigen Zeiten Lösungen zu finden.

Wie zeichnet sich Brandenburg als dynamischer Wissenschaftsstandort aus?
Ich sage immer gerne: Brandenburg bietet das Beste aus zwei Welten: sehr, sehr viel Raum für neue Ideen – und eine der dichtesten Forschungslandschaften Europas rund um Potsdam. Wir haben wirklich starke Hochschulen und Forschungsinstitute von Weltrang. Und mit dem Strukturwandel in der Lausitz entsteht gerade eine der innovativsten Regionen Deutschlands.

In die Zukunft geblickt: Was ist Ihre Vision für Brandenburg als Wissenschafts- und Innovationsstandort?
Mein Ziel ist, dass Brandenburg national wie international als Hotspot für Forschung und Transfer sichtbar wird – bis 2035 wollen wir Europas Zentrum für die Gesundheitsforschung und im Bereich Digitalisierung und KI sein. Und vor allem soll Brandenburg dann auch sichtbar sein als Land, das den Strukturwandel erfolgreich gemeistert hat und nachhaltig davon profitiert. Wir wollen zeigen, dass Transformation eine Chance für die Menschen ist – wenn man mutig, klug und gemeinsam handelt.

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Hochschulen stehen aktuell vor großen Herausforderungen: Finanzierung, Fachkräftemangel, Digitalisierung, internationale Wettbewerbsfähigkeit. Wo sehen Sie den dringendsten Handlungsbedarf?
Unser aller Aufgabe ist es, unsere Hochschulen langfristig stark aufzustellen – und zwar finanziell, strukturell und auch ideell. Sie brauchen Planungssicherheit, um Angriffe auf die Wissenschaftsfreiheit abzuwehren und auch, um im nationalen oder internationalen Wettbewerb bestehen zu können. Gleichzeitig müssen wir der Gesellschaft klarmachen – oder dafür werben –, dass Hochschulen keine Elfenbeintürme sind, sondern wirkliche Wissensfabriken, die Lösungen für die ganz großen Fragen, für die Herausforderungen unserer Zeit liefern.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Wissenschaft in Deutschland?
Mehr Mut, mehr Risikobereitschaft – und mehr Vertrauen in die Kraft der Forschung. Wissenschaft ist nämlich kein Luxus, sondern die Grundlage für Fortschritt, Wohlstand und natürlich für eine offene Gesellschaft. Ich wünsche mir, dass wir sie als das begreifen, was sie ist: nämlich das Herzstück unseres gemeinsamen Wandels.

„Unser aller Aufgabe ist es, unsere Hochschulen langfristig stark aufzustellen – und zwar finanziell, strukturell und auch ideell.“

Dr. Manja Schüle

Zur Person: Dr. Manja Schüle

Dr. Manja Schüle beim Interview als Wissenschaftsministerin des Jahres 2026

© DHV/Be.A.Star-Productions

Dr. Manja Schüle ist Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, wo sie seit November 2019 die Hochschul-, Forschungs- und Kulturpolitik des Landes verantwortet. Die in Frankfurt (Oder) geborene Politikwissenschaftlerin studierte an der Universität Potsdam und promovierte 2006 als Stipendiatin der Friedrich-Ebert-Stiftung über politische Bildung. Zuvor war sie Referentin bei der SPD-Landtagsfraktion Brandenburg sowie Büroleiterin in den brandenburgischen Ministerien für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie und für Bildung, Jugend und Sport. Bei der Bundestagswahl 2017 gewann sie als einzige SPD-Abgeordnete in Ostdeutschland ein Direktmandat und war dort Mitglied im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung. Nach der Landtagswahl im September 2024 errang sie erneut ein Direktmandat im Wahlkreis Potsdam I und wurde am 11. Dezember 2024 zum zweiten Mal als Ministerin vereidigt.

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