Nach dem Biologiestudium
Karrierewege für Biowissenschaftler:innen nach dem Masterabschluss
Nach dem Master in Biowissenschaften: einen Job suchen? Promovieren? Oder ein Zweitstudium? Über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Karrierewege.
Aktualisiert: 09.05.2026
Artikelinhalt
Lohnt sich eine Promotion nach dem Biologiestudium?
Wer sein Biologiestudium erfolgreich abgeschlossen hat, spielt vielleicht mit dem Gedanken, eine Dissertation zu schreiben und seinen oder ihren Doktor zu machen. Diese Entscheidung will wohl überlegt sein, denn generell stehen den Vorteilen einer Promotion auch eine Reihe von Nachteilen. Gerade in naturwissenschaftlichen Fächern wie der Biologie kann eine abgeschlossene Promotion in einigen Bereichen jedoch von großem Nutzen sein, denn hier wird in der Praxis oft erst die Verleihung des Doktorgrades als eigentlich berufsqualifizierender Hochschulabschluss angesehen. Daher gilt es zunächst zu überlegen, welche Stellen oder Tätigkeitsfelder später infrage kommen und den Stellenmarkt in diesen Bereichen im Hinblick auf die Einstellungsvoraussetzungen zu analysieren.
Vorteile der Promotion
Der Doktortitel in der Biologie ist in jedem Fall Voraussetzung, sollte eine wissenschaftliche Karriere im Hochschulbereich angestrebt werden. Aber auch in außeruniversitären Forschungseinrichtungen wie den Max-Planck- oder Leibniz-Instituten oder als Laborbiolog:in in der Industrie ist es in der Regel von Vorteil oder gar notwendig, eine erfolgreich abgeschlossene Promotion vorweisen zu können. Auch im Bereich der wissenschaftsnahen Jobs, wie beispielsweise dem Wissenschaftsmanagement, das sich mit Projektplanung und -steuerung befasst, ist ein Doktortitel erwünscht. Generell ist eine Promotion von Vorteil, wenn Führungspositionen angestrebt werden – egal in welchem Bereich.
Mehr lesen:
➥ Lohnt die Promotion in der Biologie?
➥ Jobchancen in der Biologie
Dr. Kerstin Elbing vom Verband der Biowissenschaften (VBIO)
Wer sich in erster Linie aus finanziellen Motiven dazu entscheidet, nach dem Biologiestudium zu promovieren, ist nach Ansicht von Dr. Kerstin Elbing vom Verband der Biowissenschaften (VBIO) nicht gut beraten. „Niemand sollte den Doktor machen, nur um im Berufsleben mehr Geld zu verdienen. Denn das ist im Bereich der Biologie nicht garantiert. Das Gehalt hängt von einer Reihe anderer Faktoren ab, zum Beispiel von der Größe des Unternehmens oder der Position. Und während der Promotion ist das Gehalt ja in der Regel auch geringer als bei einem Arbeitnehmer, der direkt nach dem Master voll einsteigt.”
Darüber hinaus gibt es auch Berufszweige für Biolog:innen, in denen der Master als Abschluss in der Regel ausreicht. Wer sich beispielsweise für den kommunikativen Bereich – als Wissenschaftsjournalist:in oder Mitarbeiter:in in Pressestellen von Forschungsinstitutionen – entscheidet oder als Umweltgutachter:in arbeiten möchte, hat durch den Doktortitel nicht zwingend Vorteile. „Das, was diese Kandidaten bei einer Promotion an Lebenszeit investieren, kann unter Umständen sinnvoller genutzt werden, zum Beispiel durch gezielte berufsvorbereitende praktische Tätigkeiten wie ein Volontariat”, rät Elbing.
Als Entscheidungshilfe kann sowohl ein Gespräch in der Berufsberatung lohnenswert sein als auch das Versenden einiger Bewerbungen mit Masterabschluss, um die Resonanz im Arbeitsmarkt zu testen.
Doktorarbeit nebenberuflich schreiben
In Ausnahmefällen kann es sinnvoll sein, die Doktorarbeit nebenberuflich zu schreiben, also berufsbegleitend zu promovieren. Dies ist besonders dann empfehlenswert, wenn die berufliche Tätigkeit inhaltlich mit dem Thema der Doktorarbeit in Verbindung steht und beispielsweise für ein bestehendes oder geplantes Produkt geforscht wird.
Diese Doppelbelastung kann jedoch sehr fordernd sein, gutes Zeitmanagement und Organisationstalent sind unabdingbare Voraussetzungen. In der Praxis kann es zudem zu problematischen Situationen kommen, die den gleichzeitigen Fokus auf Beruf und Doktorarbeit erschweren. „In der Biologie müssen für eine Dissertation meist umfangreiche Versuche durchgeführt werden. Die Anwesenheit im Labor ist oftmals unverzichtbar, und das häufig zu unregelmäßigen Zeiten. Der Rhythmus wird vom Untersuchungsgegenstand vorgegeben”, erklärt Elbing. „Trotzdem einer geregelten Arbeit im Unternehmen nachzugehen, gestaltet sich oft als schwierig.”
Ein weiterer Punkt: Für forschende Biolog:innen ist ein intensiver Austausch mit Kolleg:innen wichtig. Dies erfordert die Bereitschaft und zeitliche Flexibilität, an Kongressen und anderen Veranstaltungen teilzunehmen.
Lohnt sich ein Zweitstudium nach dem Biologiestudium?
Etwa 80 Prozent der Biologiestudierenden, die ihren Bachelor-Abschluss in der Tasche haben, setzen ihr Studium bis zum Master fort. Der Bachelor ist ein eigenständiger, berufsqualifizierender Abschluss, an den Studierende ein Zweitstudium in anderen Fächern anknüpfen können. Ein Pädagogik-Studium im Anschluss an einen Bachelor in Biologie könnte beispielsweise sinnvoll sein, falls eine Tätigkeit als Lehrer:in angestrebt wird. Oder ein Masterabschluss in Umweltkommunikation, falls eine Spezialisierung in diese Richtung gewünscht ist.
Ein komplettes Zweitstudium nach dem Master in Biologie ist nur bedingt empfehlenswert, allein schon vom Zeitaufwand her. „Zusatzqualifikationen sind immer gut, doch die müssen sich nicht durch ein Zweitstudium angeeignet werden”, sagt Elbing. „Zudem ist ein Zweitstudium keine Garantie, dass es hinterher nahtlos ins Berufsleben übergeht.” Praktika, Traineeprogramme, Weiterbildungseinrichtungen oder Honorarjobs seien mit einem Master in der Hand oft die bessere Alternative, um sich weiter fortzubilden und einen Einstieg ins Berufsleben zu finden.
Diese Jobs könnten Sie interessieren
Biochemie • Bioinformatik • Biologie • Biomedizin • Biophysik • Biotechnologie • Mikrobiologie • Molekularbiologie • Biologie, Physik • Professor Pharmazeutische Biologie • Postdoc Pharmazeutische Biologie • Professor Biologie • Postdoc Biologie • Promotion Biologie • Wissenschaftlicher Mitarbeiter Biologie • Professur Molekularbiologie • Postdoc Molekularbiologie • Promotion Molekularbiologie • Professur Mikrobiologie • Postdoc Mikrobiologie • Laborleiter Mikrobiologie
Berufsperspektiven für Biolog:innen
Das Berufsbild für Biolog:innen ist extrem heterogen, der Karriereweg nicht vorgezeichnet. Es gibt eine Reihe von Berufen nach dem Biologiestudium oder nach der Promotion, die für Biowissenschaftler:innen infrage kommen.
- Der stabilste und größte Arbeitsmarkt liegt in den Bereichen der Biotechnologie und Biomedizin. Absolvent:innen gehen hier aber nur zu einem geringen Teil in die Forschung, dafür vornehmlich in das Qualitätsmanagement, die Arzneimittelzulassung oder in das Marketing großer Unternehmen.
- Vor allem nach abgeschlossener Promotion sind Biolog:innen zudem im Patentwesen gefragt, um Patente aus den Biowissenschaften zu betreuen, sei es in Patentämtern, Biotechnologie- und Pharmafirmen oder Kanzleien.
- Auch in der Umwelttechnologie gibt es Beschäftigungsfelder für Biolog:innen, so etwa in der Produktion von Treibstoffen aus Mikroorganismen oder pflanzlicher Biomasse.
- Die genetische Diagnostik stellt einen weiteren Bereich dar, der für Biowissenschaftler:innen infrage kommt.
- Manchen Biolog:innen gelingt es auch, sich mit einer guten Idee selbstständig zu machen und erfolgreich ein Start-up auf die Beine zu stellen.
- Dann gibt es natürlich das Berufsfeld der Forschung und Lehre. Professuren an Hochschulen oder Abteilungsleiterstellen an außeruniversitären Forschungszentren sind jedoch rar gesät. Wer in diesen Bereich vorstoßen möchte, sollte sich damit anfreunden können, zumindest zeitweise im Ausland arbeiten zu müssen.
„Wir haben in Deutschland jedes Jahr rund 5.100 neue Masterabsolventen und gut 2.400 Promotionen in Biowissenschaften. Die Arbeitslosenzahl schwankt dagegen seit Jahren um ca. 4.000. Die Perspektiven für Biologen, einen Job zu finden, sind also gar nicht mal so schlecht”, sagt Elbing. Den unbefristeten, gut dotierten Traumjob auf Lebenszeit gebe es für Biolog:innen allerdings eher selten. Oft sind gerade für Berufsanfänger:innen befristete Stellen, Krankheitsvertretungen oder Honorarjobs die Regel.
➥ Erfahren Sie mehr über die Berufsaussichten in der Biologie.