Wann ist ein Zweitstudium sinnvoll?
Wer ein Zweitstudium antritt, investiert nochmals mehrere Jahre, bevor das eigentliche Berufsleben beginnt oder weitergeht. Hinzu kommt die finanzielle Belastung während der Studienzeit. Der Beginn eines Zweitstudiums ist daher ein Schritt, der wohl überlegt sein sollte und den jeder Studierende gut begründen können sollte – denn häufig ist im Rahmen einer Bewerbung für ein Zweitstudium auch ein Motivationsschreiben mit Begründung für das Zweitstudium erforderlich. Die Tatsache, dass sich jemand aus rein persönlichem Interesse für ein Thema ein Zweitstudium in Erwägung zieht, ist dabei nicht wirklich ausreichend.
Sinnvoll ist die Entscheidung für ein Zweitstudium, wenn
- sich zeigt, dass die Karriereaussichten für den mit dem Erststudium angestrebten Job sehr schlecht sind.
- sich der Arbeitsmarkt seit dem Abschluss des Erststudiums so stark verändert hat, dass die Jobchancen deutlich schlechter stehen als erwartet oder als bisher.
- die Inhalte und Schwerpunkte des Erststudiums nicht das halten, was sie anfangs versprachen.
- für den angestrebten Beruf zusätzliche Kenntnisse nötig sind.
- die eigene Qualifikation durch eine Fächer- oder Themenkombination gesteigert werden soll.
Zweitstudium: Zulassungsvoraussetzungen
Während zulassungsfreie Studiengänge grundsätzlich allen für ein Zweitstudium offenstehen, die eine Hochschulzugangsberechtigung bzw. ein abgeschlossenes Erststudium vorweisen können, gibt es für zulassungsbeschränkte Studiengänge in fast allen Bundesländern eine Quote für Zweitstudienbewerber. Diese Quote liegt bei zwei bis vier Prozent. In diesen Studiengängen sind somit nur wenige Plätze – nämlich durchschnittlich zwei bis drei pro Fachrichtung – für Absolventen undAbsolventinnen eines Zweitstudiums reserviert. Lediglich Bremen und Hamburg unterscheiden nicht zwischen Erst- und Zweitstudienbewerbenden.
Für die zulassungsbeschränkten Studiengänge Medizin, Pharmazie, Tiermedizin und Zahnmedizin erfolgt die bundesweite Vergabe von Studienplätzen für Erst- wie auch für Zweitstudienbewerber über hochschulstart.de. Hier sind für ein Zweitstudium höchstens drei Prozent der Studienplätze vorgesehen. Die tatsächliche Vergabe der Plätze erfolgt über ein Punktesystem, bei dem sowohl das Prüfungsergebnis des Erststudiums als auch die Gründe für das Zweitstudium eine Rolle spielen.
Zweitstudium: Welche Gebühren und Kosten fallen an?
In den meisten Bundesländern fallen keine Gebühren für ein Zweitstudium an. Lediglich in Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz werden Gebühren von bis zu 650 Euro erhoben. Die regulären Semesterbeiträge der Hochschulen sind jedoch überall zu zahlen und werden in den drei genannten Bundesländern zusätzlich zu den Gebühren für das Zweitstudium fällig.
An privaten Hochschulen ist es zwar in der Regel leichter, einen Zweitstudienplatz zu bekommen. Allerdings fallen hier meist deutlich höhere Studiengebühren an.
Bafög und Kindergeld während des Zweitstudiums: Wer bekommt es?
BAföG im Zweitstudium
Eine finanzielle Förderung nach Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) ist grundsätzlich nur für Erstausbildungen möglich – also nur für ein Erst-, nicht aber für ein Zweitstudium. Wer also bereits ein Bachelorstudium absolviert hat und dafür Unterstützung mittels BAföG erhalten hat, kann in der Regel kein zweites Mal BAföG beantragen. Es gibt in Einzelfällen aber Ausnahmen.
Kindergeld im Zweitstudium
Die Altersgrenze für den Bezug von Kindergeld liegt grundsätzlich bei 18 Jahren. Für Studierende erhöht sich diese Grenze auf 25 Jahre – allerdings muss das Studium ernsthaft betrieben werden. Neben der Immatrikulationsbescheinigung kann der Staat auch Leistungsnachweise einfordern. Studierende dürfen außerdem nebenher nicht mehr als 20 Wochenstunden arbeiten. Ansonsten entfällt der Anspruch auf Kindergeld.
Zweitstudium und Steuer: Was kann abgesetzt werden?
Aus steuerlicher Sicht kann sich ein Zweitstudium lohnen, denn im Gegensatz zum Erststudium können Ausgaben hier als Werbungskosten – oder auch Fortbildungskosten – in voller Höhe abgesetzt werden. Das betrifft etwa Kosten für Arbeitsutensilien, das Arbeitszimmer oder Fahrtkosten.
WICHTIG: Diese Kosten müssen vom Studierenden selbst bezahlt werden. Studiengebühren, die von den Eltern gezahlt werden, müssen auf den Namen des Studierenden laufen.