Sichtbarkeit
Neues Handout: „Innovative Frauen sichtbar machen – Handreichung für Kommunikation & Gleichstellung in Hochschulen, Unternehmen und Organisationen“
Mit einer neuen Handreichung will das Metavorhaben „Innovative Frauen im Fokus“ (meta-IFiF) Hochschulen, Unternehmen und Organisationen praxisnahe Unterstützung geben, um die Sichtbarkeit von Frauen in Wissenschaft, Forschung und Innovation zu stärken. Wie meta-IFiF mitteilt, bündelt die Publikation „Innovative Frauen sichtbar machen – Handreichung für Kommunikation & Gleichstellung in Hochschulen, Unternehmen und Organisationen“ Erkenntnisse aus den 36 Projekten der BMFTR-Förderrichtlinie „Innovative Frauen im Fokus“ sowie weiterer Initiativen und verbindet Forschungsergebnisse mit konkreten Praxisbeispielen.
Aktualisiert: 28.08.2026
Sichtbarkeit als Voraussetzung für Teilhabe und Innovation
© academics Grafik
Die zentrale Botschaft der Handreichung: Mehr Sichtbarkeit für Frauen ist nicht nur eine Frage der Fairness, sondern eine Voraussetzung dafür, das vorhandene Innovationspotenzial von Frauen in Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft besser zu nutzen. Wer sichtbar ist, wird als Expert:in wahrgenommen, erhält Zugang zu Netzwerken, Ressourcen und Entscheidungsgremien und kann eigene Perspektiven und Ideen stärker in gesellschaftliche Entwicklungen einbringen. Organisationen können hierzu einen entscheidenden Beitrag leisten, indem sie Sichtbarkeit systematisch fördern und Chancengleichheit als kontinuierliche Aufgabe verstehen.
Strukturelle Ursachen für geringere Sichtbarkeit
Im ersten Teil der Handreichung werden die Ausgangslage und die strukturellen Ursachen für die geringere Sichtbarkeit von Frauen näher beleuchtet. Daten und Fakten zeigen, dass Frauen in Führungspositionen, in Forschung und Entwicklung sowie bei innovationsbezogenen Leistungen wie Patentanmeldungen, Gründungen oder Publikationen nach wie vor unterrepräsentiert sind. Diese geringere Repräsentanz wirkt sich unmittelbar auf Sichtbarkeit, Anerkennung und Karrierechancen aus.
Darüber hinaus zeigt sich, dass Ungleichheiten nicht nur in der Anzahl sichtbarer Frauen bestehen, sondern auch in der Wahrnehmung ihrer Leistungen: Frauen erhalten seltener wissenschaftliche Auszeichnungen, sind in Lehrplänen und wissenschaftlichen Kanones weniger präsent und werden deutlich seltener als Expertinnen in den Medien dargestellt. Zu den Ursachen zählen laut Handreichung unter anderem geschlechterstereotype Rollenbilder, fehlende oder unzureichende Möglichkeiten der Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie geschlechtsbezogene Verzerrungen bei der Bewertung von Kompetenz und Leistung.
Vier zentrale Handlungsfelder
Sichtbarkeit strukturell verankern: Im ersten Handlungsfeld geht es darum, strukturelle Veränderungen in Organisationen zu verankern, damit Sichtbarkeit und Chancengleichheit dauerhaft gefördert werden – etwa durch die Verankerung von Gleichstellung als strategisches Organisationsziel, familienfreundliche Rahmenbedingungen, geschlechtersensible Kommunikation sowie faire Karriere- und Auswahlprozesse. Als Beispiel nennt die Handreichung die Initiative „25 in 25“ des Instituts für Informatik OFFIS, durch die der Frauenanteil auf verschiedenen Hierarchieebenen nachhaltig erhöht werden konnte.
Sichtbarkeit langfristig erhöhen: Sichtbarkeit entsteht nach Einschätzung von meta-IFiF nicht durch einzelne Kampagnen, sondern durch kontinuierliche und strategisch geplante Maßnahmen. Empfohlen werden feste Kommunikationsformate, die systematische Auswertung von Sichtbarkeitsdaten und die langfristige Auffindbarkeit von Expertinnen – etwa über Datenbanken wie #InnovativeFrauen, Speakerinnen.org oder Femconsult sowie interne Expertinnenlisten in Organisationen.
Innovative Frauen als Role Models sichtbar machen: Role Models spielen laut Handreichung eine zentrale Rolle bei der Erweiterung von Karrierevorstellungen und dem Abbau stereotyper Berufsbilder. Sichtbare Wissenschaftlerinnen, Gründerinnen, Ingenieurinnen oder Führungskräfte bieten Orientierung und ermutigen insbesondere junge Frauen, eigene Karrierewege in bislang männerdominierten Bereichen einzuschlagen. Dabei solle die fachliche Expertise im Vordergrund stehen, nicht die Inszenierung als Ausnahme. Auch historische Vorbilder sollen sichtbar gemacht werden, wie das Projekt „Secret Service" der Senckenberg Gesellschaft zeigt, das die Beiträge lange übersehener Wissenschaftlerinnen, Laborantinnen und Zeichnerinnen zur Naturforschung aufarbeitet.
Frauen empowern für mehr Sichtbarkeit: Das vierte Handlungsfeld konzentriert sich auf Maßnahmen, die Frauen dabei unterstützen, Sichtbarkeit selbstbestimmt zu gestalten – nicht um vermeintliche Defizite auszugleichen, sondern um Handlungsspielräume zu erweitern. Empfohlen werden unter anderem Mentoring-Programme, Trainings zu Medien- und Kommunikationskompetenz, Netzwerke sowie Unterstützungsangebote bei Anfeindungen und digitaler Gewalt. Als Beispiel dient das Programm „Sichtbar zu eigenen Konditionen" der Universität Bielefeld, in dem Wissenschaftlerinnen aller Karrierestufen individuelle Sichtbarkeitsstrategien entwickeln und Unterstützung im Umgang mit Hassrede und digitalen Angriffen erhalten.
Roadmap für die Umsetzung
Abschließend präsentiert die Handreichung eine Roadmap, die Akteur:innen in Hochschulen, Unternehmen und anderen Organisationen einen Orientierungsrahmen für mehr Sichtbarkeit und Gleichstellung bieten soll. Die Schritte reichen von der strategischen Verankerung entsprechender Gleichstellungsziele über die Veränderung organisationaler Strukturen und die Stärkung von Kompetenzen bis hin zu Kommunikationsprozessen, Evaluation und Verstetigung. Sichtbarkeit wird dabei nicht als Einzelmaßnahme verstanden, sondern als Bestandteil eines langfristigen Kulturwandels in der jeweiligen Organisation.
(mas)