Umweltwissenschaften
Jobs mit Sinn und Zukunft: Berufe für Umweltwissenschaftler

Ein Umweltwissenschaftler nimmt eine Wasserprobe an einem Gewässer

Umweltwissenschaftler:innen bieten sich vielfältige Chancen im Umweltsektor. © LeoPatrizi / iStock

Umweltwissenschaftler:innen erforschen die Ursachen ökologischer Probleme, um Schäden vorzubeugen oder im Nachhinein zu beseitigen, und tragen durch ihre Arbeit zu einer erfolgreichen Energiewende bei. Dementsprechend sind sie äußerst gefragte Fachkräfte. Alle Infos über mögliche Berufsfelder, die Ausbildung, das Gehalt und Perspektiven.

Veröffentlicht: 31.08.2023

Von: Florian Heil

Die Umweltwissenschaften sind ein interdisziplinär ausgerichtetes Fachgebiet, das alle umweltrelevanten Bereiche zusammenführt. Es basiert vor allem auf biologischen und anderen naturwissenschaftlichen Grundlagen, auf Kenntnissen aus der Geografie und Umweltplanung sowie gesellschaftlichen, ökonomischen und soziologischen Komponenten. Die Wissenschaft befasst sich mit den relevanten Fragestellungen zur Umwelt und ihren Teilgebieten Boden, Wasser und Luft, der Erforschung dieser Teilgebiete und den Wechselwirkungen mit dem Menschen.

Die Umweltwissenschaften verfolgen das übergeordnete Ziel, durch Analysen die in der Umwelt ablaufenden Prozesse besser zu verstehen und Lösungen zu finden, um Probleme zu beseitigen, die durch menschliche Eingriffe entstanden sind. Dazu gehören beispielsweise der Klimawandel, Umweltverschmutzung oder Ressourcenmanagement und ganz allgemein die Verwundbarkeit der Ökosysteme an Land und im Meer.

Grundsätzlich sollten angehende Umweltwissenschaftler:innen Interesse an und Kenntnisse in Biologie, Geografie, Chemie und Physik mitbringen. Auch das Beherrschen der englischen Sprache ist wichtig, da Fachliteratur oft nicht in Deutsch verfügbar ist. Prädestiniert ist ein Studium der Umweltwissenschaften, das an immer mehr Hochschulen in Deutschland angeboten wird.

Bereits der Bachelor-Studiengang Umweltwissenschaften eröffnet den Einstieg in verschiedene Berufsfelder. Alternativ bietet er die Möglichkeit zur Fortsetzung des Studiums in einem aufbauenden Master-Studiengang. Umweltwissenschaftliche Studiengänge sind in der Regel entweder naturwissenschaftlich oder ingenieurwissenschaftlich ausgerichtet. Laut Jörg Drewenskus, 2. Vorsitzender des Berufsverbandes Umweltwissenschaften e. V., ist der Master dringend empfehlenswert, um sich die benötigten umfangreichen Kenntnisse und Fähigkeiten anzueignen, die für eine Vielzahl der infrage kommenden Jobs nötig sind.

Darüber hinaus gibt es verwandte Studiengänge, deren Absolvent:innen ähnliche Qualifikationen mitbringen. Zu nennen sind beispielsweise Geoökologie, Ressourcen- und Umweltmanagement, Umweltingenieurwesen, Landschaftsökologie und Naturschutz oder Energie- und Umwelttechnik.

Gut zu wissen

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Die Aufgaben von Umweltwissenschaftler:innen sind breit gefächert und können je nach Einsatzgebiet höchst unterschiedlich sein. In den verschiedensten Green Jobs erforschen sie die Ursachen ökologischer Probleme, um Schäden vorzubeugen oder im Nachhinein zu beseitigen, und tragen durch ihre Arbeit zu einer erfolgreichen Energiewende bei. 

Sie analysieren und überwachen die Erderwärmung und andere Klimaphänomene, beschäftigen sich mit der der Qualität von Böden und Gewässern sowie der Wasserverfügbarkeit und engagieren sich in umweltrelevanten Prozessen wie der Circular Economy (Kreislaufwirtschaft).

Konkret können Umweltwissenschaftler:innen beispielsweise

  • Umweltverträglichkeitsprüfungen durchführen, auswerten und die Ergebnisse interpretieren, zum Beispiel im öffentlichen Dienst bei Umweltbehörden
  • als Gutachter:innen arbeiten
  • Baufirmen, Architekturbüros, Städteplanungsagenturen oder öffentliche Institutionen beraten
  • in Forschung und Lehre als wissenschaftliche Mitarbeitende oder Professor:innen an Hochschulen arbeiten
  • als Bindeglied zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesell­schaft kommunal den Ausbau von Innovationsökosystemen vorantreiben
  • als wissenschaftliche Mitarbeitende in der Stadtplanung mitwirken
  • im Wissenschaftsjournalismus tätig sein
  • als Referent:in Versicherungstechnik im Bereich Nachhaltigkeit bei Versicherern oder Verbänden arbeiten
  • an biologischen Stationen der Städte und Kreise Naturschutzgebiete kartieren, kontrollieren sowie Bewirtschaftungs- und Renaturierungskonzepte für Schutzgebiete erarbeiten und deren Umsetzung fachlich begleiten 
  • an der Verkehrswende mitarbeiten und Mobilitätskonzepte aufstellen
  • in der Agrar- und Forstwirtschaft nachhaltige Bewirtschaftungsformen entwickeln und umsetzen
  • im Umweltmonitoring arbeiten, d. h. stoffliche Belastungen von Ökosystemen erfassen und bewerten; mit Freilandarbeit, Probennahme, Laborarbeit, Datenanalyse und Modellierung
  • im Berufsfeld der Umweltbildung arbeiten, beispielsweise in der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) in Kindergärten, Schulen, Volkshochschulen und weiteren Bildungseinrichtungen
  • Ökosysteme erfassen und bewerten, wenn Eingriffe in Natur und Landschaft vorgenommen werden sollen
  • als Klimaschutzmanager:innen bzw. Klimaschutzbeauftragte in Kommunen klimafreundliche Modernisierungen vorantreiben und Klimaschutzkonzepte erstellen
  • in der Umweltpolitik Schutz- und Hilfsprogramme erstellen und diese in die Tat umsetzen
  • sich an der Entwicklung nachhaltiger Technologien beteiligen, sofern ein ingenieurwissenschaftlicher Hintergrund vorliegt
  • und/oder Führungsaufgaben wie beispielsweise eine Sachgebietsleitung übernehmen, um Teams aus verschiedenen Fachgebieten anzuleiten.

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Nach einem erfolgreich abgeschlossenem Studium im Bereich der Umweltwissenschaften oder einem vergleichbaren Fach ergeben sich zahlreiche Beschäftigungsmöglichkeiten in vielen verschiedenen Branchen und bei diversen Arbeitgebern

Eine große Anzahl an Umweltwissenschaftler:innen kommt in der universitären und außeruniversitären Forschung unter, in der öffentlichen Verwaltung, in Regierungsbehörden oder in Umweltverbänden und -organisationen. Beispielhaft können hier das Bundesamt für Naturschutz, das Bundesumweltamt, die Max-Planck-Institute oder auch die Leibniz-Gemeinschaft genannt werden. Auch NGOs und Bildungseinrichtungen stellen Umweltwissenschaftler:innen ein.

Darüber hinaus warten Jobs in Umweltschutzabteilungen von Unternehmen, in Umwelt-, Planungs- und Ingenieurbüros. Einige Umweltwissenschaftler:innen machen sich selbstständig, beispielsweise als Gutachter:innen, Sachverständige, Green Consultants oder Zertifizierungsauditor:innen. 

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Das Gehalt von Umweltwissenschaftler:innen hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zu den wesentlichen zählen Arbeitgeber, Branche und Berufserfahrung. 

Laut Daten der Bundesagentur für Arbeit liegt das Mediangehalt bei gut 60.000 Euro brutto im Jahr (Stand: August 2023). Die Hälfte der Beschäftigten in diesem Beruf verdient danach zwischen 49.000 Euro und 77.000 Euro im Jahr, jeweils 25 Prozent liegen darunter oder darüber. Bei der Erhebung dieser Gehälter wurden allerdings nicht nur Umweltwissenschaftler:innen berücksichtigt, sondern auch Umweltanalytiker:innen, Umweltgutachter:innen und -auditor:innen, Umweltmanagementbeauftragte sowie Geoökolog:innen.

In der öffentlichen Verwaltung ergeben sich die Gehälter aus den jeweiligen Tarifverträgen. Forschungseinrichtungen orientieren sich in der Regel an diesen Einstufungen. In vielen Fällen ist für Umweltwissenschaftler:innen mit Hochschulabschluss die Entgeltgruppe E13 relevant. Dort bewegen sich die Grundgehälter – abhängig von der Berufserfahrung und geltendem Tarifvertrag – etwa zwischen 50.000 Euro und 73.000 Euro brutto im Jahr. Laut Jörg Drewenskus vom Berufsverband Umweltwissenschaften e. V. wurden in der Vergangenheit aber auch zahlreiche Beschäftigte in die Entgeltgruppe E12 eingeordnet.

Die Karriereperspektiven sind für Umweltwissenschaftler:innen im Jahr 2023 laut Drewenskus sehr gut. Zum einen spiele ihnen die demografische Entwicklung in die Hände, da viele infrage kommende Stellen in der öffentlichen Verwaltung von Personen besetzt seien, die jetzt oder in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen würden. Zum anderen würden im Umweltsektor seit einigen Jahren vermehrt ehemalige Stellen wiederbesetzt oder ganz neue Stellen geschaffen, beispielsweise für Klimaschutzbeauftragte in Kommunen und Organisationen. Der grüne Arbeitsmarkt wachse, und dieses Wachstum werde mutmaßlich noch einige Jahre andauern.

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