„Bildung in Deutschland“
Bildungsungleichheit, mangelnde Kompetenzen bei Schüler:innen, Personalmangel: Die Ergebnisse des Nationalen Bildungsberichts 2026
Der 11. Nationale Bildungsbericht sieht nach wie vor viele Herausforderungen und Probleme im deutschen Bildungssystem. Autorensprecher Prof. Dr. Kai Maaz fordert Reaktionen der Politik – und zwar bereits im frühkindlichen Bereich.
Aktualisiert: 26.06.2026
Die wichtigsten Erkenntnisse des Bildungsberichts
© academics Grafik
Seit 20 Jahren gibt es den Nationalen Bildungsbericht. Die gute Nachricht laut Prof. Dr. Kai Maaz, Sprecher der Autorengruppe: Es hat sich in diesem Zeitraum durchaus etwas getan im deutschen Bildungswesen, beispielsweise im Kita- oder Ganztagsausbau. Die schlechte: Es gibt nach wie vor Probleme
- beim Rekrutieren von Personal
- beim Zusammenwirken von verschiedenen Bildungseinrichtungen
- mit den Kompetenzständen von Kindern
- bei der sozialen Bildungsgleichheit.
Die Politik, so Maaz in einem Youtube-Video des DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation, reagiere oft reaktiv – wo sie doch aktiv gegen Bildungsungleichheit und deren Ursachen vorgehen müsste.
Basiskompetenzen: Zu wenige Kinder und Jugendlich erreichen Mindeststardards
Kein gutes Fazit zieht der Nationale Bildungsbericht 2026 bei den Basiskompetenzen, also Deutsch/Lesen und Mathematik. Hier habe Deutschland in den vergangenen Jahren „im Prinzip eine Kehrtwende gemacht“, sagt Maaz: In den ersten Jahren nach der ersten PISA-Studie 2001 mit verheerenden Ergebnissen (dem sogenannten „PISA-Schock“) seien die Kompetenzen zunächst gestiegen, erklärt Maaz, in den vergangenen Jahren aber wieder geringer geworden. Viele Kinder würden nicht die Mindeststandards in diesen Fächern erreichen.
Nun geht es hier ja nicht nur um Schulnoten in Deutsch und Mathe. Lese- und Rechenkompetenzen sind die Basis für die meisten Schulfächer und darüber hinaus auch nahezu jegliche berufliche Ausbildung und somit Teilhabe. Zudem sind sie die Basis für nicht-kognitive Fähigkeiten, also etwa kooperatives Zusammenarbeiten, kritisches Denken, Problemlösung. Voraussetzung hierfür sei beispielsweise, dass man sich „durch Lesen die Welt aneignen kann, dass man sich ausdrücken kann, in Wort und in Schrift“, so Maaz. Dies seien Voraussetzungen auch für die sogenannten Zukunftskompetenzen (Future Skills). Laut der Bundesagentur für Arbeit sind das:
- Technologisch-methodische Kompetenzen (z. B. mithilfe digitaler Technologien zusammenarbeiten; Daten, Informationen und digitale Inhalte bewerten und analysieren; AI Literacy; Critical Data Literacy – wichtig für die technische und inhaltliche Anwendung und Gestaltung digitaler Medien bis hin zum Einsatz von KI
- Soziale Kompetenzen (z. B. Kommunikationsfähigkeit, Einfühlungsvermögen, Teamfähigkeit) – wichtig für die Zusammenarbeit in Teams
- Personale Kompetenzen (z. B. kreatives Denken, Eigeninitiative, Resilienz) – wichtig angesichts der aktuellen technologischen und ökologischen Transformationsprozesse sowie dem neuen Verständnis von Arbeit (New Work), die verstärkt Selbstmanagement-Kompetenzen erfordern
- Transformative Kompetenzen (z. B. kritisches Denken, Innovationsfähigkeit) – wichtig für die Entwicklung von selbstbestimmten, verantwortungsbewussten und nachhaltigen Handlungsentscheidungen
Dass der Kompetenzstand der deutschen Jugendlichen nicht gut ist, bestätigten auch die Ergebnisse der jüngsten PISA-Erhebung im Jahr 2022: Hier verfehlten 30 Prozent der 15-jährigen Schüler:innen die Mindestanforderungen in Mathematik, beim Lesen waren es 25 Prozent. Die Ergebnisse der PISA-Studie 2025 werden am 8. September 2026 erwartet.
Fachkräftemangel: Bessere Qualifizierung nötig
Eine globale Aussage über den Stand eines Fachkräftemangels lässt sich laut Maaz nicht tätigen.
Frühkindliche Bildung: Durch den Geburtenrückgang würden in einigen Regionen Kindertagesstätten geschlossen, wodurch es freies Personal auf dem Markt gebe. Dies müsse genutzt werden, „Qualität ins System zu bringen“ – also das Personal an anderer Stelle einzusetzen. Es wäre falsch, als Reaktion auf diese Entwicklung weniger Erzieher:innen auszubilden.
Schulen: Hier konstatiert der Nationale Bildungsbericht große Unterschiede zwischen den Regionen und Fächern. Der Bericht fordert laut Maaz eine bessere Qualifizierung sowie die Implementierung bzw. den Ausbau digitaler Technologien, um personelle Engpässe besser überwinden zu können.
Über den Nationalen Bildungsbericht
„Bildung in Deutschland“ ist ein indikatorengestützter Bericht, der im Jahr 2006 erstmals erschien. Er bildet das deutsche Bildungswesen als Ganzes ab und reicht von der frühen Bildung bis zur Weiterbildung im Erwachsenenalter. Der aktuelle, mittlerweile 11. Bericht 2026 legt im Schwerpunktkapitel den Fokus auf das Thema „Bildungsungleichheiten nach sozialer Herkunft“.