Promotionen an HAW
CHE-Auswertung: Zahl der HAW-Promovierenden verdreifacht
- Bundesweit hat sich die Zahl der HAW-Promovierenden von 455 (2023) auf 1.667 (2025) mehr als verdreifacht.
- Bayern führt mit 499 direkt an einer HAW promovierenden Personen den Ländervergleich an – das sind knapp 30 Prozent aller 1.667 HAW-Promovierenden in Deutschland (2025).
- 14 von 16 Bundesländern ermöglichen HAW inzwischen ein eigenständiges Promotionsrecht; Niedersachsen zieht Ende 2026 als vorletztes Land nach.
- Sachsen droht als einziges Bundesland ohne eigenes HAW-Promotionsrecht zurückzufallen – trotz Platz 2 bei kooperativen Promotionen mit 266 Promovierenden.
- Trotz starkem Wachstum forschen weniger als 1 Prozent der insgesamt rund 216.000 Promovierenden in Deutschland direkt an einer HAW.
Aktualisiert: 29.10.2026
Zahl der HAW-Promovierenden hat sich mehr als verdreifacht
© academics Grafik
Bundesweit gewinnt die Promotion an HAW deutlich an Bedeutung: 2023 zählte das Statistische Bundesamt noch 455 Promovierende an HAW, zwei Jahre später waren es bereits 1.667 – die Zahl hat sich damit mehr als verdreifacht. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des CHE Centrum für Hochschulentwicklung, die auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes basiert. „Die jüngsten Zahlen zeigen, dass die eigenständige Promotion an HAW sich etabliert hat. 14 von 16 Ländern räumen ihren HAW diese Möglichkeit ein, Ende des Jahres wird mit Niedersachsen das vorletzte Land nachziehen. Die forschungsstarken Hochschulen sind gut vorbereitet und nutzen diese Möglichkeit“, sagt Ulrich Müller, Leiter politische Analysen beim CHE und Autor der Publikation. Trotz des starken Wachstums bleibt der Anteil reiner HAW-Promotionsverfahren bislang gering: Von den insgesamt rund 216.000 Promovierenden in Deutschland forschen weniger als ein Prozent direkt an einer HAW.
Bayern führt den Ländervergleich klar an
Bayern führt den bundesweiten Vergleich bei Promotionen an Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) an: Im Jahr 2025 arbeiteten dort 499 Personen direkt an einer HAW an ihrer Doktorarbeit – knapp 30 Prozent aller 1.667 HAW-Promovierenden in Deutschland. Auf den weiteren Plätzen folgen Hessen mit 377, Nordrhein-Westfalen mit 327 und Baden-Württemberg mit 273 Personen.
Auch bei kooperativen Promotionen liegt Bayern vorn
Auch bei den sogenannten kooperativen Promotionen, bei denen Universität und HAW die Doktorarbeit gemeinsam betreuen, das Promotionsrecht aber weiterhin bei der Universität liegt, führt Bayern den Vergleich an. Im Jahr 2025 zählte der Freistaat hier 520 Promovierende, gefolgt von
- Sachsen mit 266,
- Baden-Württemberg mit 261 und
- Nordrhein-Westfalen mit 207 Personen.
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CHE: Sachsen droht ein Wettbewerbsnachteil
Während Bayern und andere Bundesländer die Promotionsmöglichkeiten für HAW ausbauen, hält Sachsen am bisherigen Privileg der Universitäten fest und könnte schon Ende des Jahres das einzige Bundesland ohne entsprechende gesetzliche Regelung sein. Dabei bestehe auch in Sachsen großes Interesse an Promotionen unter Beteiligung von HAW, heißt es in der Mitteilung des CHE: Mit 266 kooperativ Promovierenden liegt das Land – vermutlich mangels Alternative für HAW-Absolvent:innen – demnach bundesweit auf dem zweiten Platz. Eine eigenständige Promotion an einer sächsischen HAW ist jedoch weiterhin nicht möglich. Bereits Anfang Oktober hatte Müller bei einer Anhörung im Sächsischen Landtag vor den Folgen gewarnt: „Ein Verzicht auf ein eigenständiges HAW-Promotionsrecht wäre ein gravierender Wettbewerbsnachteil für Sachsen.“ Aus Sicht des CHE bietet die Drittmitteleinwerbung der sächsischen HAW gute Voraussetzungen, um besonders forschungsstarken Bereichen ein eigenes Promotionsrecht zu ermöglichen.
Qualitätsstandards widerlegen frühere Bedenken
„Zum Start vor zehn Jahren befürchteten Kritiker:innen noch einen Qualitätsverlust durch HAW-Promotionen. Heute sehen wir, dass an HAW teilweise sogar klarere und verbindlichere Qualitätsstandards gelten als an Universitäten. Die damaligen Befürchtungen, HAW-Promotionen seien Doktorarbeiten zweiter Klasse, haben sich nicht bestätigt“, sagt Müller laut Mitteilung. Ein wesentlicher Grund für die hohe Akzeptanz der HAW-Promotionen seien die hohen Qualitätsanforderungen: Die Länder vergeben das Promotionsrecht gezielt nur an forschungsstarke Bereiche, die beteiligten Professor:innen müssen ihre Forschungsleistungen und Drittmitteleinwerbungen nachweisen. Hinzu kommen klare Vorgaben für die Betreuung und die Qualitätssicherung. Das CHE empfiehlt, die besonderen Stärken der HAW auch bei Promotionen sichtbar werden zu lassen – dazu zählen vor allem der enge Praxisbezug, die Zusammenarbeit mit Unternehmen und gesellschaftlichen Einrichtungen sowie die Forschung an konkreten Problemen.
(mas)
Über den CHE Check
Der CHECK „Promotionsrecht für HAW in Deutschland – Update Oktober 2026“ von Ulrich Müller bietet einen Überblick über die Promotionsmöglichkeiten in allen 16 Bundesländern, vergleicht die rechtlichen Regelungen und wertet Daten des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2025 aus.