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Interview: Prof. Dr. Anna Lene Seidler
„Ich forsche einfach unglaublich gern“

Anna Lene Seidler bei der DHV-Gala auf der Bühne

Prof. Dr. Anna Lene Seidler bei der Gala der Deutschen Wissenschaft im März 2026 © Be.A.Star.Productions

Prof. Dr. Anna Lene Seidler erforscht, wie sich die Gesundheitschancen von Kindern und Jugendlichen gerechter gestalten lassen. Im Interview erzählt die academics Nachwuchswissenschaftlerin 2025 über ihre Motivation, ihren Weg und ihr Engagement für Chancengleichheit.

Aktualisiert: 01.04.2026

Von:
Maike Schade (mas) ,
Julia Gertig
Akademische Laufbahn Nachwuchspreis Medizin, Gesundheitswesen Köpfe der Wissenschaft

academics: Frau Seidler, was zeichnet Sie als Wissenschaftlerin und Professorin aus?
Prof. Dr. Anna Lene Seidler: Meine Begeisterung! Ich forsche einfach unglaublich gern. Und ich mag es, Menschen und Daten zusammenzubringen, um gute Antworten auf wichtige Fragen zu finden.

Welche Fragen sind das? 
Für mich ist eine Forschungsfrage dann wichtig, wenn sie das Potenzial hat, die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen positiv zu verändern. Welche Fragen wirklich relevant sind, erfährt man am besten im direkten Austausch mit Eltern, Kindern und Jugendlichen, Klinikerinnen und Klinikern, politischen Entscheidungsträgern und Forschenden aus aller Welt. Gleichzeitig beschäftige ich mich auch viel damit, bessere Forschungsmethoden zu entwickeln und das Forschungssystem so zu verbessern, dass Forschung besser bei den Menschen ankommt.

„Für mich ist eine Forschungsfrage dann wichtig, wenn sie das Potenzial hat, die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen positiv zu verändern.“

Prof. Dr. Anna Lene Seidler

Hat Ihre Forschung schon konkrete Verbesserungen für die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen gebracht, und wenn ja: welche?
Ja, meine Forschung hat zu konkreten Veränderungen in internationalen Leitlinien beigetragen. Zum Beispiel konnten wir in einer großen internationalen Meta-Analyse zeigen, dass ein späteres Abklemmen der Nabelschnur die Sterblichkeit bei Frühgeborenen um rund 30 Prozent senken kann. Diese Ergebnisse haben internationale Leitlinien für die Behandlung von Frühgeborenen verändert.

Warum ist gerade die Kinder- und Jugendgesundheit bzw. Health Equity für Sie so ein Herzenthema? Was liegt Ihnen hierbei persönlich besonders am Herzen?
Kinder können sich ihre Startbedingungen nicht aussuchen. Gleichzeitig kann gesundheitliche Ungleichheit im Kindes- und Jugendalter lebenslange Folgen haben. Meine Forschung sucht nach Ansatzpunkten, solche Ungleichheiten sichtbar zu machen und zu verringern – damit alle Kinder die Chance auf ein langes, gesundes Leben haben. Besonders spannend finde ich dieses Thema auch, weil es an der Schnittstelle von Medizin, Wissenschaft und Politik liegt.

Beschreiben Sie sich mit 3 Adjektiven.
Engagiert, analytisch, gut gelaunt.

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Welche Herausforderungen mussten Sie auf Ihrem Weg zur Professur überwinden?
Wissenschaftliche Karrieren verlaufen selten geradlinig. Auch bei mir gab es Rückschläge, Ablehnungen und Sackgassen. Als junge Professorin habe ich schon das Gefühl, mich manchmal besonders beweisen zu müssen. Gleichzeitig hatte ich das große Glück, auf meinem Weg sehr viel professionelle und persönliche Unterstützung zu erfahren.

Auch Ihre Karriere verlief nicht „geradlinig“, wie Sie es nennen: Sie sind promovierte Psychologin, dazu Biostatistikerin, Epidemiologin und arbeiten extrem interdisziplinär und international mit großen Datensätzen. Ihr Tipp an junge Wissenschaftler:innen: Was sollte einen bei seinen Karriereentscheidungen leiten? 
Ich glaube nicht, dass es den einen richtigen Weg gibt. Bei neuen Projekten stelle ich mir gern ein paar Fragen: Halte ich das Thema für wichtig? Begeistert mich die Forschungsfrage? Was kann ich aus diesem Projekt lernen und mitnehmen? Ich glaube außerdem, dass gute Kollaborationen und Teamarbeit sehr wichtig sind. Mit wem kann ich gut zusammenarbeiten? Von wem kann ich lernen? Ich habe auch schon Forschende, die ich bewundere, einfach angeschrieben oder angesprochen, ob sie sich eine Zusammenarbeit vorstellen könnten. Daraus sind viele tolle Kollaborationen entstanden.

Was macht Rostock bzw. die neuen Bundesländer als Wissenschaftsstandort attraktiv und wie möchten Sie den Standort ggf. künftig mitprägen?
Vorher in Sydney habe ich an einer sehr großen Universität gearbeitet. In Rostock sind die Wege oft kürzer und direkter, dadurch ist vieles persönlicher und es entstehen auch viele interdisziplinäre Ideen. Außerdem gibt es hier viel Gestaltungsraum. Ich möchte diesen nutzen und dazu beitragen, unseren schönen Wissenschaftsstandort international noch sichtbarer, vernetzter und attraktiver wird. Und gute Entwicklungsmöglichkeiten für junge Forschende bietet, und insbesondere auch Frauen, Forschenden aus aller Welt und mit verschiedenen Perspektiven und Hintergründen.

„Ich habe schon die Erfahrung gemacht, dass man sich als junge Frau in leitenden Positionen manchmal erst besonders beweisen muss und es nicht immer leicht ist, sich Gehör zu verschaffen. “

Prof. Dr. Anna Lene Seidler

Kommen wir zu Ihrem gesellschaftlichen Engagement. Sie sind Mentorin für Frauen in der Wissenschaft – welche Impulse geben Sie jungen Wissenschaftlerinnen mit auf den Weg?
Ich möchte jungen Wissenschaftlerinnen mitgeben, sich etwas zuzutrauen, sich durchzusetzen und sich Gehör zu verschaffen. Außerdem halte ich es für sehr wichtig, sich mit anderen Wissenschaftlerinnen zu vernetzen und gegenseitig zu unterstützen. Gemeinsam erreicht man mehr als allein! 

Welche Erfahrungen haben Sie als Frau in der Wissenschaft gemacht – insbesondere in leitenden Positionen?
Ich habe schon die Erfahrung gemacht, dass man sich als junge Frau in leitenden Positionen manchmal erst besonders beweisen muss und es nicht immer leicht ist, sich Gehör zu verschaffen. Gleichzeitig habe ich aber auch sehr viel Unterstützung erlebt. Gerade deshalb weiß ich, wie wichtig Netzwerke und Förderprogramme für Frauen sind.

Wo sehen Sie Fortschritte für Frauen in der Wissenschaft, und wo braucht es weiterhin strukturelle Veränderungen?
Frauen in der Wissenschaft sind heute sichtbarer und viele Themen werden offener angesprochen werden als früher. Gleichzeitig sind Frauen auf Professuren in vielen Fächern noch immer unterrepräsentiert. Das liegt auch an strukturellen Problemen, die wir weiter angehen müssen.

➥ Das könnte Sie interessieren: Preise der Wissenschaft 2026 verliehen

Wer oder was hat Sie im Laufe Ihrer Karriere besonders inspiriert?
Mich inspirieren Menschen, die wissenschaftliche Exzellenz mit Verantwortungsbewusstsein, Großzügigkeit und echter Förderung anderer verbinden – und die sich selbst dabei nicht zu ernst nehmen. Ich habe das große Glück, in meiner Laufbahn die Unterstützung einiger solcher besonderen Menschen zu erfahren.

Als Professorin, Mentorin und Netzwerkerin: Welche Verantwortung sehen Sie für sich gegenüber jungen Wissenschaftlerinnen?
Mir ist wichtig, junge Wissenschaftlerinnen zu ermutigen, ihnen etwas zuzutrauen und Räume zu schaffen, in denen sie sich entwickeln können. Aber es reicht nicht, nur individuell zu fördern — wir brauchen auch bessere Strukturen, verlässlichere Karrierewege und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Zur Person: Prof. Dr. Anna Lene Seidler

Prof. Dr. Anna Lene Seidler, Gewinnerin des academics Nachwuchspreises 2025

© privat

Anna Lene Seidler ist Professorin an der Universitätsmedizin Rostock, wo sie den Lehrstuhl für Health Equity in Child Health an der Klinik für Psychiatrie, Neurologie, Psychosomatik und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter und am Deutschen Zentrum für Kinder- und Jugendgesundheit (Standort Greifswald/Rostock) innehat. Zuvor war sie Forschungsgruppenleiterin am National Health and Medical Research Council Clinical Trials Centre der University of Sydney, Australien. Zwischenzeitlich war sie Gastwissenschaftlerin am QUEST Center der Charité Berlin und am University College London London. Prof.in Seidler hat ein herausragendes internationales Netzwerk, sie ist Honorary Affiliate am der University of Sydney, Australien, Honorary Principle Research Fellow am University College London, Großbritannien, und Hauptansprechpartnerin der internationalen Cochrane Prospective Meta-Analysis Methods Group. Sie ist außerdem Forschungsbereichsleiterin des Translating Early Prevention of Obesity in Childhood (EPOCH-Translate) Centre for Research Excellence in Australien.

➥ Nachwuchspreis 2025: Anne Lene Seidler ausgezeichnet

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