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Boreout
Wenn Unterforderung im Job krank macht: Symptome und Behandlung des Boreout-Syndroms

Eine erschöpfte, verzweifelte Frau am Schreibtisch

Unterforderung im Job kann in den Boreout führen. © filadendron / iStock

Langeweile und Unterforderung im Job können zu einem Boreout führen – eine ernsthafte Erkrankung. Was steckt hinter dem weit verbreiteten Syndrom? academics klärt auf.

Aktualisiert: 12.03.2025

Von:
Maresa Wolbert
Job und Gesundheit Karriereplanung

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Boreout (von englisch: to bore – sich langweilen) ist eine ernsthafte Erkrankung, die auf ständiger, extremer Unterforderung im Job zurückzuführen ist
  • Die Symptome ähneln denen eines Burnouts und können sowohl psychischer als auch körperlicher Natur sein. Mögliche Symptome sind beispielsweise Antriebslosigkeit bis hin zur Depression, Panikattacken, Kopfschmerzen, Schwindel, Magen-Darm-Beschwerden, Schlafstörungen oder auch Verspannungen

Artikelinhalt

Was ist ein Boreout?  Symptome und Anzeichen Boreout-Phasen Maßnahmen Selbsttest

Was ist ein Boreout? 

Ein, zwei Stündchen auf E-Mails antworten, kurz ein paar Telefonate führen – und dann: Füße hoch. Was nach einem entspannten Arbeitstag klingt, kann auf Dauer zum Problem werden. Denn wer seine Fähigkeiten im Job dauerhaft nicht unter Beweis stellen kann und stattdessen unterfordert ist, ist schnell frustriert, ein sogenannter Boreout droht. 

Der Begriff leitet sich vom englischen Wort boredom ab, zu Deutsch: Langeweile. Unter Boreout leidet, wer sich im Arbeitsleben langweilt beziehungsweise extrem unterfordert fühlt. Damit ist das Boreout-Syndrom quasi das Gegenteil des Burnout-Syndroms – jedoch mit sehr ähnlichen Symptomen.

Boreout: Aktuelle Zahlen

Boreout ist weit verbreitet. Das zeigt die repräsentative Befragung „Arbeitszufriedenheit in Krisenzeiten“. Im Auftrag des Personaldienstleisters Avantgarde Experts befragte das Forschungs-, Daten- und Analyseunternehmen YouGov im Jahr 2022 hierzu 1.062 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Eine der Kernfragen der Untersuchung lautete „Wie sehr fordert Sie Ihr aktueller Job?“. Das Ergebnis zeigt: Vielen Angestellten droht nicht etwa ein Burnout, sondern ein Boreout: 

  • 25 Prozent der Befragten sind der Meinung, ihr Potenzial werde nicht ausgeschöpft. 
  • 13 Prozent finden, sie könnten wertvoller für das Unternehmen sein. 
  • Drei Prozent fühlen sich komplett unterfordert. 

Das sind insgesamt 41 Prozent. 

Viele sehen ihren Arbeitgeber in der Verantwortung für ihre Unterforderung, so die Studie. 35 Prozent der Befragten kritisieren, dass ihr Arbeitgeber nur schlecht die Bedürfnisse der Mitarbeitenden erkenne und beachte. Wundert es da, dass 18 Prozent der Befragten überlegen, innerhalb des nächsten halben Jahres den Job zu wechseln? Wohl kaum. Bei den 18- bis 34-Jährigen sind laut der Umfrage sogar 29 Prozent auf dem Sprung.

Ursachen für ein Boreout

Dauerhafte Unterforderung kann auf zwei Arten passieren: Bei der quantitativen Unterforderung ist für den Arbeitnehmenden schlicht zu wenig zu tun. Bei der qualitativen Unterforderung bleibt der Arbeitnehmende stets unter seinen Möglichkeiten. Das heißt, er kann seine Qualifikationen und sein Know-how gar nicht zeigen. So bleibt sein Potenzial ungenutzt. 

Straining und Boreout

Wenn Arbeitgebende einen Boreout bewusst provozieren, spricht man von „Straining“. Diese besondere Form des Mobbings leitet sich vom englischen Verb to strain ab, was mit belasten, anstrengen übersetzt werden kann. 

Straining bedeutet, dass einem Arbeitnehmer die Arbeitsinhalte bewusst entzogen werden. Betroffene werden mit voller Absicht von Aufgaben entbunden, von Meetings ausgeschlossen oder von Projekten abgezogen. Das hat zur Folge, dass sie sozial ausgegrenzt werden und anfangen, sich zu langweilen – mit oftmals ernsthalten Konsequenzen. Die Belastungssituation führt zu vermehrten Krankschreibungen und kann in einem Boreout enden.

In vielen Fällen kündigen Betroffene letztlich oder machen aufgrund der Stresssituation Fehler, die Arbeitgebende zur Kündigung veranlassen. Und damit erreicht der Arbeitgeber sein Ziel. Denn wer Straining betreibt, ist darauf aus, dass die Betroffenen aus dem Unternehmen ausscheiden. 

So können Unternehmen Angestellte loswerden, die sie aufgrund des Arbeitnehmerschutzes nicht oder nicht abfindungsfrei kündigen könnten. Sie sollen Platz machen für Personen, die ihrer Ansicht nach besser in die Firma passen, etwa, weil sie günstiger sind.

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Boreout: Symptome und Anzeichen

Boreout-Betroffene entwickeln häufig Strategien, die die Unterforderung und Langeweile vertuschen sollen. Sie dehnen eigentlich schnell zu erledigende Tätigkeiten unnötig aus oder machen Überstunden, um vielbeschäftigt zu wirken. 

Hält das Boreout-Syndrom über einen längeren Zeitraum an, schwindet das Interesse am Job, am Unternehmen und an der Branche. Betroffene reduzieren ihr Engagement und leisten nur noch Dienst nach Vorschrift. Sie haben Angst davor, sich an den Arbeitsplatz zu binden, während der Gedanke an einen Jobwechsel sie gleichzeitig überfordert – ein krankmachender Mix aus Stress, Belastung und lähmender Ohnmacht.

Das Boreout-Syndrom kann sich in einer Vielzahl von psychischen und physischen Symptomen niederschlagen. Zu den psychischen Anzeichen gehören: 

  • Antriebs- und Schlaflosigkeit
  • Orientierungs- und Ziellosigkeit
  • Niedergeschlagenheit bis hin zu sozialem Rückzug
  • Unzufriedenheit bis hin zur Verzweiflung
  • Gereiztheit bis hin zu Panikattacken

Zu den körperlichen Symptomen zählen:

  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Kopf- und Rückenschmerzen
  • Verspannungen
  • Müdigkeit
  • Tinnitus
  • Schwindelgefühle
  • Infektionsanfälligkeit

Boreout-Phasen

Boreout-Betroffene geraten schnell in eine Negativspirale: Die dauerhafte Unterforderung belastet Körper und Geist gleichermaßen. Das tägliche Versteckspiel vor Kolleginnen und Kollegen artet oft aus in einen permanenten Gewissenskonflikt, die gesundheitliche Belastung nimmt zu. Die Langeweile führt zu Stress, der Stress führt wiederum zu psychischen Problemen. Ein Abwärtstrend, der sich in verschiedene Phasen unterteilen lässt:

  • Kein Interesse, mehr Ablenkung: Wer dauerhaft im Job unterfordert ist, hat irgendwann wenig Interesse an seiner Arbeit und lenkt sich während seiner Arbeitszeit häufig mit privaten Dingen ab – die Leistung schwindet. 
  • Mehr Frust, weniger Wertschätzung: Unterforderung führt zu Frustration. Und wer frustriert ist, neigt zur Verbitterung oder Sarkasmus.
  • Negative Außenwirkung: Diese schlechte Stimmung und Gereiztheit fallen auch dem Umfeld aus. Arbeitgebende und Kollegen oder Kolleginnen ziehen Konsequenzen: Aufgaben werden an andere Mitarbeiter verteilt, die soziale Interaktion mit den Kollegen nimmt ab. 
  • Innere Kündigung und Krankmeldung: Frustration und Monotonie nehmen zu. Viele Betroffene haben innerlich bereits gekündigt, sie werden krank. 
  • Belastete Zusammenarbeit: Das hohe Frustrationslevel sowie die häufige Abwesenheit machen eine loyale und konstruktive Arbeit im Unternehmen immer schwieriger. Die möglichen Folgen: Krisengespräche, Abmahnungen und letztlich die Kündigung. 


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Was tun bei einem Boreout?

Betroffene, die keinen Weg aus dieser Krankheit finden, benötigen Unterstützung. Das Problem zu ignorieren und es zu überspielen, verstärkt hingegen das Gefühl von innerer Erschöpfung und Unzufriedenheit. 

Ein erster sinnvoller Schritt ist es oftmals, mit dem Arbeitgeber zu sprechen, um gemeinsam mit ihm wieder einen Sinn in den eigenen Aufgaben zu finden. Betroffene sollten den Verantwortlichen in diesem Gespräch klar machen, dass sie bereit für eine neue Herausforderung sind. So können den Neigungen angepasste Aufgabenbereiche und Verantwortungen wieder Schwung in die Arbeitswelt bringen und zu Zufriedenheit führen. Bringt das Gespräch mit dem Personalverantwortlichen oder der Führungskraft allerdings nichts, sollten Betroffene in einem zweiten Schritt einen Unternehmenswechsel in Betracht ziehen. 

Tipp: Registrierte Nutzer und Nutzerinnen von academics profitieren nicht nur von passenden Stellenanzeigen, über die sie informiert werden. Im Downloadbereich gibt es zudem Online-Seminare und Informationen rund um die Themen Karriereberatung, Jobsuche und Bewerbung – zum Beispiel ein Handout zum Thema Selbstanalyse. Dieses Handout hilft Ihnen dabei, sich klar zu machen, was Ihnen im Leben wichtig ist und welche Werte für Sie beruflich und privat eine Bedeutung besitzen. Registrierung und Downloads sind kostenlos.

Boreout: Therapie und Fokuswechsel

Doch auch die Jobsuche kann herausfordernd sein. Denn die permanente Unterforderung und Langeweile können Boreout-Betroffene in eine regelrechte Sinnkrise stürzen. Viele glauben nicht mehr an ihre Expertise, schalten ab und resignieren – schlechte Voraussetzungen, um bei einem neuen Arbeitgeber zu punkten. 

In dieser Situation kann eine Psychotherapie, in der über eigene Interessen und Ziele gesprochen wird, die Lösung sein. Innerlich gestärkt kann die Suche nach einem neuen Arbeitgeber leichter fallen. 

Wenn ein Boreout droht, ist außerdem eine gute Work-Life-Balance hilfreich. Sinnstiftende Hobbys, Ehrenämter und andere Freizeitbeschäftigungen können dazu beitragen, den eigenen Fokus nicht so sehr auf die Arbeitswelt zu legen und das Risiko für ein Boreout minimieren.

Selbsttest: So lässt sich ein Boreout erkennen

Wer den Verdacht hat, unter Boreout zu leiden, sollte sich mit diesen Fragen auseinandersetzen. Wer mehrere dieser Fragen mit einem Ja beantworten kann, läuft Gefahr, an Boreout erkranken zu können. Es könnte an der Zeit sein, sich Hilfe zu holen.

  • Langweile ich mich bei der Arbeit? 
  • Fühle ich mich unglücklich im Job? Gibt er mir einen tieferen Sinn?
  • Verbringe ich meine Arbeitszeit häufig mit privaten Dingen? 
  • Lasse ich mir bei der Arbeit unnötig Zeit?
  • Gebe ich vor dem Arbeitgeber und Kolleginnen vor, gut beschäftigt zu sein?
  • Bin ich nach einem Arbeitstag erschöpft, obgleich nicht viel zu tun war? 
  • Denke ich über einen Jobwechsel nach, lasse aber eine Bewerbung aus finanziellen Aspekten oder aus Angst vor weiterem Stress sein?


Aktuelle Veranstaltungen

  • Online Seminar
    Ausgebucht

    Alternative Career Paths in Academia and Beyond

    Datum October 20, 2026
    Zeit 4.30 p.m.
    Ort online
    Redner Dr. Michaela Hergersberg (Karrierecoach München)

    It doesn’t always have to be a professorship: After completing your doctorate, many career paths connected to academia are open to you. These include roles in research management, patents or alumni relations, technology transfer, communications, and consulting. In our free online seminar, you will gain an overview of the available options, the qualifications required, and how to plan your next career move.

    This online seminar will be held in English.

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  • academics Event

    Podiumsdiskussion & Austausch: Karrierewege in und aus der Wissenschaft (Berlin Science Week)

    Datum Fr, 6.11.2026
    Zeit 14-16 Uhr
    Ort Haus der Kulturen der Welt (HKW), John-Foster-Dulles-Allee 10 10557 Berlin
    Redner Dr. Hanna Proner (DIE ZEIT)
    Redner Dr. Nicole Saverschek
    Redner Dr. Nina Fechler
    Redner Dagny Lüdemann
    Redner Dr. Nele Diekmann

    In diesem zweistündigen Bühnenslot geben vier Expertinnen und Rolemodels persönliche Einblicke in ihre beruflichen Wege und berichten von Chancen, Entscheidungen und Erfahrungen an unterschiedlichen Schnittstellen zur Wissenschaft. Ob der Weg tiefer in die Forschung führt, um einem Forschungsprojekt zum durchschlagenden Erfolg zu verhelfen oder in die Gründung eines Start-Ups oder vielleicht ins Wissenschaftsmanagement oder auch in die Wissenschaftskommunikation – diese Ideen, Motivationen und vielleicht auch ganz neue Perspektiven diskutieren wir auf der Bühne, aber danach auch mit allen Teilnehmer:innen an Thementischen im persönlichen Gespräch – mit viel Zeit zum Fragen stellen und Erfahrungen teilen.

    Die Veranstaltung richtet sich an junge Wissenschaftler:innen und alle, die sich mit ihrer beruflichen Zukunft auseinandersetzen. Sie bietet Orientierung, Inspiration und ganz konkrete Einblicke in mögliche Karriereschritte in und aus der Wissenschaft.

    Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung (3-Tages-Pass für die Berlin Science Week) ist erforderlich – Link hinter dem Button „Mehr erfahren“!

    Role Models und Speakerinnen:

    • Dr. Nicole Saverscheck, promovierte Biologin, Leitung des Begabtenförderungswerk der Stiftung der Deutschen Wirtschaft
    • Dr. Nina Fechler, promovierte Chemikerin, Global Director Strategic Marketing & Business Development bei Evonik
    • Dagny Lüdemann, Biologin, Chefreporterin im Ressort Wissen für DIE ZEIT
    • Dr. Nele Diekmann, promovierte Geisteswissenschaftlerin, selbständig

    Moderation: Dr. Hanna Proner, Geschäftsführerin von academics und Director Science / ZEIT Talent bei DIE ZEIT

    Termin: Freitag, 6. November 2026, 14 bis 16 Uhr
    Veranstaltungsort: Haus der Kulturen der Welt (HKW), John-Foster-Dulles-Allee 10 10557 Berlin

    Mehr erfahren Weniger anzeigen
    Mehr Informationen
  • Online Seminar

    Perspektive HAW-Professorin – Online-Seminar für Frauen und weiblich gelesene Personen

    Datum Mi, 18.11.2026
    Zeit 09:15 bis 11:15
    Redner Prof. Dr. Lydia Göse (TH Wildau)
    Redner Marianne Löhndorf (TH Lübeck)

    Wie gelingt der Weg zur HAW-Professur? Und welche Fragen stellen sich dabei ganz besonders für Frauen?

    Gemeinsam mit dem Fellowship-Programm „Zia – Visible Women in Science“ wollen wir diese und weitere Fragen in einem kostenfreien, interaktiven Online-Seminar rund um den Karriereweg HAW-Professur beantworten.

    Neben Einblicken in Voraussetzungen, Berufungsverfahren und den Berufsalltag geht es vor allem um Themen, die Frauen auf ihrem Karriereweg bewegen: Wie lässt sich eine Professur mit Familie und Privatleben vereinbaren? Welche Hürden können auf dem Weg entstehen? Und was hilft dabei, den nächsten Karriereschritt selbstbewusst zu gehen?

    Infos und Tipps aus erster Hand kommen dabei von Prof. Dr. Lydia Göse (TH Wildau), mit der wir über ihren persönlichen Weg zur Professur sprechen, und Marianne Löhndorf (TH Lübeck), die Einblicke in Berufungsverfahren und Karrierewege gibt.

    Besonders wichtig: Dieses Webinar lebt vom Austausch. In einem eigenen Networking-Block haben die Teilnehmerinnen Raum, miteinander ins Gespräch zu kommen, Fragen zu stellen, Erfahrungen zu teilen und neue Kontakte zu knüpfen. Die Teilnehmerinnenzahl ist deshalb auf 250 limitiert.

    Das Online-Seminar findet in Kooperation mit der Kampagne „Karriere mit Wirkung“ und dem Fellowship-Programm „Zia – Visible Women in Science and Humanities“ der ZEIT statt.

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