Internationaler Forschungspreis
Sieben Humboldt-Professuren in Berlin für 2026 verliehen
- Sechs Wissenschaftler und eine Wissenschaftlerin können sich über den hochdotierten Preis freuen.
- Bei der Verleihung betonte AvH-Präsident Robert Schlögl die Strahlkraft der Spitzenforschenden.
- Mit der Humboldt-Professur wechseln sie aus dem Ausland an deutsche Hochschulen.
- Die Auszeichnung ist mit bis zu zehn Millionen Euro Förderung verbunden.
Aktualisiert: 17.05.2026
Internationale Spitzenforschende wechseln nach Deutschland
© academics Grafik
Forschung & Lehre: Sechs internationale Wissenschaftler und eine Wissenschaftlerin wechseln mit einer Humboldt-Professur aus dem Ausland nach Berlin, Dresden, Düsseldorf, Freiburg, Göttingen, Karlsruhe und Tübingen. Einige von ihnen kehren an die Hochschule zurück, an der sie einst studierten.
Überreicht wurden die Preise am Abend des 12. Mai in Berlin von der Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, Dorothee Bär, und Professor Robert Schlögl, Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH). Der Preis ist mit bis zu zehn Millionen Euro Förderung ausgestattet.
Die Forschenden kommen aus Australien, Schweden, Saudi-Arabien, dem Vereinigten Königreich und den USA – teils zurück – an deutsche Hochschulen. Fünf von ihnen forschen im naturwissenschaftlichen Bereich: Materialwissenschaften, Strukturbiologie, Zellbiologie, Bioengineering und Theoretische Chemie. Die anderen beiden beschäftigen sich wissenschaftlich mit der Theoretischen Philosophie beziehungsweise mit der Wirtschaft.
"Eine sehr gute Investition in die Zukunft"
Bundesforschungsministerin Bär sagte bei der Preisverleihung: "Wissenschaft und Forschung sind eine unerschöpfliche Quelle an Ideen für Innovationen und Technologien, die unser Leben besser machen." Dafür stehe auch die Alexander von Humboldt-Professur. Die Prämierten hätten sich aus fünf verschiedenen Ländern und vier Kontinenten aus aufgemacht, um nach Deutschland zu kommen. Das zeige, dass Deutschland international ein hochattraktiver Wissenschaftsstandort sei.
Bundesforschungsministerin Dorothee Bär
In seiner Rede betonte Stiftungspräsident Schlögl, dass die Humboldt-Professur sowohl wissenschaftliche Exzellenz in der Vergangenheit würdige als auch Leistungen, die von den Preisträgerinnen und Preisträgern weiterhin erwartet würden. "Sie ist eine sehr gute Investition in die Zukunft", hob er hervor. Hochschulen können sich damit strategisch verstärken und im internationalen Wettbewerb profilieren: "Bisher konnten 135 Humboldt-Professor*innen an deutsche Hochschulen berufen werden. Und von diesen sind gut 90 Prozent auch nach Ablauf der Förderung weiter in Deutschland tätig. Um sie herum entstehen Zentren für exzellente, internationale, interdisziplinäre Forschung", erläuterte der Stiftungspräsident die Strahlkraft der Spitzenforschenden.
Stiftungspräsident Robert Schlögl
Gleichzeitig betonte Schlögl, dass die Wissenschaftsfreiheit eine Grundvoraussetzung "für vorbehaltloses Fragen" sei und unbedingt zusammen mit der Demokratie wehrhaft gemacht werden müsse. "Wir brauchen weitreichende Maßnahmen in Politik und akademischen Einrichtungen, um unser Wissenschaftssystem zu stärken und gegen Angriffe resilient zu machen", mahnte er.
Preisträgerinnen und Preisträger der Humboldt-Professur
Professor Christopher Barner-Kowollik
…studierte an der Universität Göttingen, wo er 1999 seine Promotion in physikalischer Chemie abschloss. Seine Forschung ermögliche die Entwicklung fortschrittlicher Materialien, die Anwendung in der Medizin, Nanotechnologie und Materialentwicklung finden. "Wir beschäftigen uns damit, wie Licht Moleküle verändert", sagte er im Interview mit Badische Neueste Nachrichten. Sein neuer Arbeitgeber ist das Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Dorthin wechselt er von der Queensland University of Technology in Brisbane, Australien.
Professor Sebastian Deindl,
Strukturbiologie, wechselt von der Uppsala University, Schweden, an die Eberhard Karls Universität Tübingen, wo er einst studierte. Die Forschungsergebnisse des Biophysikers sind sowohl für die Grundlagenforschung als auch für die Medizin von Bedeutung. Mit seiner Humboldt-Professur möchte die Universität ihre internationale Spitzenposition in der Strukturbiologie weiter ausbauen.
Assoziierter Professor Simon Elsässer,
Zellbiologie, zählt zu den führenden Experten für die technologische und methodische Weiterentwicklung der Epigenetik und synthetischen Biologie. Vom schwedischen Karolinska Institutet in Solna kommend, will der Biochemiker an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg den Forschungsschwerpunkt "Signale des Lebens" vergrößern.
Assoziierte Professorin Sahika Inal
…ist eine international führende Wissenschaftlerin in der organischen Bioelektronik. Ihr Ziel ist es, funktionale polymere Werkstoffe noch leistungsfähiger zu machen und mit biologischen Systemen zu verbinden. Sie verlässt die King Abdullah University of Science and Technology (KAUST) in Saudi-Arabien und geht an die Technische Universität Dresden und das Leibniz-Institut für Polymerforschung Dresden.
Professor Reinhard Maurer
…promovierte an der Technischen Universität München und gilt als Pionier der Anwendung von Methoden des Maschinellen Lernens und der Künstlichen Intelligenz in der theoretischen Chemie. Er wechselt von der University of Warwick, Vereinigtes Königreich, an die Georg-August-Universität Göttingen und das Max-Planck-Institut für Multidisziplinäre Naturwissenschaften.
Professor Michael Moehler
…ist ein weltweit anerkannter analytischer Philosoph und ein führender Experte in der Gesellschaftsvertragstheorie. Seine neue Forschungsheimat ist die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, wofür er die US-amerikanische Virginia Polytechnic Institute and State University verlässt. In Düsseldorf soll er ein neues universitätsweites Forschungsinstitut für Philosophy, Politics and Economics leiten.
Professor Michael Weber
…ist ein weltweit anerkannter Experte für Haushaltsfinanzen und Inflation. Der Ökonom wechselt von der University of Chicago, USA, an die ESMT Berlin (European School of Management and Technology). Mit dieser Berufung möchte die ESMT Berlin zur führenden Institution für Finanzforschung in Deutschland aufsteigen.
Alexander von Humboldt-Professur
Die vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) finanzierte Alexander von Humboldt-Professur holt internationale Spitzenforschende an deutsche Universitäten. Neben der herausragenden wissenschaftlichen Qualifikation der Kandidatinnen und Kandidaten sind die Konzepte der Hochschulen entscheidend, die den Forschenden und ihren Teams eine dauerhafte Perspektive in Deutschland bieten sollen.
Jedes Jahr werden bis zu zehn Auszeichnungen an Forschende aller Fachrichtungen verliehen. Der Preis beinhaltet bis zu zehn Millionen Euro Förderung, um die finanziellen Bedingungen und die Flexibilität für die Geförderten zu optimieren.
Die Finanzierung konnte im Dezember 2025 durch das 1.000-Köpfe-Plus-Programm erhöht werden. Der Förderzeitraum wurde zudem standardmäßig auf sieben Jahre verlängert, die Verwaltungspauschale auf 20 Prozent aufgestockt und flexiblere Gehaltsregelungen für die Humboldt-Professur ermöglicht.
(che)