Promotionsdauer
Wie lange dauert eine Promotion?

Eine nachdenkliche Doktorandin am Schreibtisch in einer Bibliothek

Da ist Durchhaltevermögen gefragt: Eine Promotion dauert im Schnitt länger als vier Jahre © fizkes / iStock.com

Oft ist zu lesen: Eine Promotion dauert drei Jahre. Doch diese Zeitspanne reicht für eine Doktorarbeit meist nicht aus. Je nach Fachgebiet gibt es Unterschiede.

Veröffentlicht: 21.04.2024

Von: Florian Heil

Entsprechend der Promotionsordnung vieler Universitäten soll eine Dissertation innerhalb von drei Jahren geschrieben werden. Diese Zeitspanne ist allerdings nicht mehr als ein grober Richtwert und wird in den meisten Fällen überschritten. Zudem vergeht nach der Abgabe der Dissertation häufig noch rund ein weiteres Jahr bis zur Vergabe des Doktortitels, wenn die Zeit für die Beurteilung und die Veröffentlichung der Doktorarbeit einberechnet wird.

Die aus dem Jahr 2012 stammende HIS-/WiNBus-Studie „Promotionen im Fokus“ ergab eine durchschnittliche Promotionsdauer in Deutschland von 4,5 Jahren. Unterschiede zwischen den Geschlechtern konnten nicht festgestellt werden. Differenzen gab es allerdings unter Einbeziehung des Kontextes, in dem die Doktorarbeit absolviert wurde: Strukturierte Programme dauerten im Schnitt nur 4 Jahre, während wissenschaftliche Mitarbeiter:innen an Forschungsprojekten (4,5 Jahre) bzw. an Lehrstühlen (4,6 Jahre) deutlich länger benötigten. Frei Promovierende brauchten sogar 4,8 Jahre bis zur Fertigstellung ihrer Dissertation.

Laut einem Bericht der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) aus 2021 beträgt die durchschnittliche Promotionsdauer im Jahr 2018 51 Monate, also vier Jahre und drei Monate. Herangezogen wurden dabei Daten auf DFG-geförderten Institutionen. Auch hier wurden kaum geschlechtsspezifische Unterschiede festgestellt, allerdings unterscheide sich die Promotionsdauer in den unterschiedlichen Fachbereichen teils erheblich: Der Median lag in den Agrar- und Forstwissenschaften und der Tiermedizin bei 43 Monaten, in der Informatik, System- und Elektrotechnik dagegen bei 60 Monaten (bei allerdings jeweils relativ kleinen Fallzahlen).

Die Dauer der Promotion hängt von verschiedenen Faktoren ab, dazu zählen:

  • ob es sich um eine strukturierte oder individuelle Promotion handelt
  • in welchem Fachgebiet und zu welchem Forschungsthema die Doktorarbeit geschrieben wird
  • in welchen Lebensumständen sich der Doktorand befindet
  • ob die Promotion in Vollzeit oder berufsbegleitend abläuft

All diese Gegebenheiten müssen berücksichtigt werden, um eine seriöse Schätzung abzugeben, wie lange der gesamte Prozess andauern wird.

Die Dauer der Promotion unterscheidet sich je nach Fachbereich, allerdings nicht stark. Die Spreizung zwischen den Fächern liegt bei maximal einem Jahr. Nach der oben erwähnten HIS-/WiNBus-Studie ergibt sich aufgeschlüsselt nach Disziplinen folgende Durchschnittsdauer:

Promotion: Durchschnittliche Dauer nach Fachbereich

Fachbereich

Mathematik/Naturwissenschaften

Durchschnittliche Promotionsdauer

4,3 Jahre

Fachbereich

Erziehungswissenschaften/Psychologie

Durchschnittliche Promotionsdauer

4,3 Jahre

Fachbereich

Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Durchschnittliche Promotionsdauer

4,6 Jahre

Fachbereich

Ingenieurwissenschaften

Durchschnittliche Promotionsdauer

5 Jahre

Fachbereich

Geisteswissenschaften

Durchschnittliche Promotionsdauer

5,1 Jahre

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Eine Ausnahme bildet die Promotion in der Medizin. Die Doktorarbeit wird in diesem Fachbereich vielfach bereits während des Studiums begonnen und häufig auch abgeschlossen. Zudem ist der Umfang einer Dissertation in der Medizin meist deutlich geringer. So dauert die reine Arbeit an der Dissertation oft nur ein Jahr oder weniger. 

Eine Studie der Deutschen Physikalischen Gesellschaft e. V. (DPG) aus dem Jahr 2019 hat sich sehr detailliert mit der Dauer der Promotionsphase beschäftigt. Darin aufgeführt ist etwa der Befund der jährlichen KFP-Studierendenstatistik. Diese ergab, dass die im Jahr 2018 promovierten Physikerinnen und Physiker im Schnitt 4,6 Jahre an ihrer Promotion gearbeitet haben. In den fünf davorliegenden Jahren lag die Promotionsdauer relativ konstant bei 4,2 Jahren. Etwas anders schätzen die Promovierenden selbst laut einer Umfrage aus der DPG-Studie (siehe Tabelle) die Dauer ein. Ein Großteil von ihnen gab einen kürzeren Durchschnittswert an. 

Trotz des häufigen Überschreitens der meist geplanten drei Jahre für die Doktorarbeit war kein Studienteilnehmer der Ansicht, dass eine längere Promotionsphase automatisch zu besseren Dissertationen oder Forschungsergebnissen führe. Auch sonst sahen die meisten keine Korrelation zwischen der Dauer der Promotionsphase und der Qualität der wissenschaftlichen Ergebnisse. Die meisten Promovierenden hätten schlichtweg die Zeit unterschätzt, die sie für eine solche wissenschaftliche Arbeit benötigen würden.

Promotion: Durchschnittliche Dauer in der Physik

Dauer der Promotion

etwa 3 Jahre

Anzahl der Promovierten in Prozent (gerundet)

5,85 %

Dauer der Promotion

etwa 3,5 Jahre

Anzahl der Promovierten in Prozent (gerundet)

21,97 %

Dauer der Promotion

etwa 4 Jahre

Anzahl der Promovierten in Prozent (gerundet)

32,05 %

Dauer der Promotion

etwa 4,5 Jahre

Anzahl der Promovierten in Prozent (gerundet)

20,88 %

Dauer der Promotion

etwa 5 Jahre

Anzahl der Promovierten in Prozent (gerundet)

12,79 %

Dauer der Promotion

mehr als 5,5 Jahre

Anzahl der Promovierten in Prozent (gerundet)

6,47 %

Ergebnisse der Promovierendenumfrage: Übliche Promotionsdauer von Physikern in der Arbeitsgruppe oder im Institut. Es wurden 1917 Antworten abgegeben.

Quelle: Deutsche Physikalische Gesellschaft © academics

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Mehr zur Dauer der Promotion in den Fachbereichen Chemie, Jura und Wirtschaftswissenschaften sowie weitere Aspekte zur fachspezifischen Dissertation finden Sie in den folgenden Ratgebern:

Als Jurist promovieren: Wissenswertes über die juristische Dissertation

Promotion für Chemiker: Dauer, Möglichkeiten, Vorteile

Promovieren als Wirtschaftswissenschaftler

Generell lässt sich die Dauer der Promotion statistisch nur schwer messen, wie der Bundesbericht wissenschaftlicher Nachwuchs von 2017 feststellte. Denn bis dahin bestand weder eine Registrierungspflicht zum Beginn der Promotion noch erfassten Hochschulen die Promovierenden systematisch. Erst zum Berichtsjahr 2017 wurde eine regelmäßige Vollerhebung der Promovierenden eingeführt, die als Verlaufsstatistik angelegt ist. Hierüber kann zukünftig auch die Promotionsdauer erfasst werden. 

Eine weitere Schwierigkeit bei der Feststellung der Promotionsdauer: Der Startzeitpunkt der Promotion kann unterschiedlich festgelegt oder von Befragten ausgelegt werden. Beispielsweise beginnend vom promotionsberechtigenden Abschluss, der ersten inhaltlichen Recherche oder – bei strukturierten Programmen – dem Eintritt in das Programm. Auch der Endzeitpunkt ist nicht klar definiert: Die Einreichung der Dissertationsschrift, der Zeitpunkt der mündlichen Prüfung oder die abschließende Verleihung der Doktorurkunde kommen infrage.

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