Wissenschaftsjournalismus
Wissenschaftsjournalist:in werden: Voraussetzungen, Gehalt & Karriereperspektiven
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- Wissenschaftsjournalist:innen machen komplexe wissenschaftliche Sachverhalte für die breite Öffentlichkeit verständlich, unterhaltsam und kritisch zugänglich und fungieren als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Medien.
- Der Einstieg erfolgt meist über ein Hochschulstudium, idealerweise im MINT-Bereich, oft ergänzt durch ein Volontariat oder journalistische Praktika; fundiertes Fachwissen und journalistisches Handwerkszeug sind essenziell.
- Arbeitsplätze finden sich vor allem bei größeren Zeitungen, Magazinen, TV- und Radiosendern; freie Wissenschaftsjournalist:innen arbeiten auftragsbasiert und benötigen neben Fachwissen auch Kommunikations- und Verhandlungsgeschick.
- Das Gehalt variiert stark je nach Medium, Anstellungsart und Erfahrung. Größere Verlags- und Medienhäuser haben häufig eigene Haustarife, kleinere zahlen meist eher untertariflich.
Aktualisiert: 17.11.2025
Wissenschaftsjournalismus – was ist das?
Wissenschaftsjournalismus bedeutet: Journalisten und Journalistinnen mit fundierter wissenschaftlicher Expertise bereiten komplexe Themen und neue Erkenntnisse für die Öffentlichkeit allgemeinverständlich, unterhaltsam und kritisch auf – meist aus den Natur-, Sozial- und Geschichtswissenschaften sowie der Technik. Das wissenschaftliche Publizieren von Forschungsergebnissen in Fachmagazinen ist kein Wissenschaftsjournalismus – vielmehr sind diese Paper häufig die Grundlage wissenschaftsjournalistischer Berichterstattung.
Wissenschaftsjournalist:innen können also als Schnittstelle zwischen Wissenschaftler:innen und Publikumsmedien betrachtet werden. Sie berichten über neue Entwicklungen und Diskurse, klären auf und ordnen ein. Auch die Wissenschafts- und Forschungspolitik gehören zu den Themenfeldern von Wissenschaftsjournalist:innen. Geistes- und sprachwissenschaftliche Fragen werden eher in den Kulturressorts und Feuilletons behandelt; sie zählen nicht zum Bereich Wissenschaftsjournalismus.
Unterschied Journalist:in und Redakteur:in
Bei Wissenschaftsredakteuren und -redakteurinnen handelt es um Journalist:innen, die bei einer Zeitung, Zeitschrift oder einem Sender auch redaktionelle Aufgaben übernehmen (siehe unten: Arbeitgeber und Aufgaben: Wo und wie arbeiten Wissenschaftsjournalist:innen). In der Regel haben sie nach dem Hochschulstudium eine entsprechende Ausbildung, ein Volontariat, absolviert.
Voraussetzungen: Wie wird man Wissenschaftsjournalist:in?
An der Technischen Universität (TU) Dortmund gibt es den Studiengang Wissenschaftsjournalismus, und das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) bietet das Studium Wissenschaft-Medien-Kommunikation an.
Üblicher ist aber der Quereinstieg von Akademiker:innen mit einem Hochschulabschluss – häufig in einem MINT-Fach (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik). Dieser ist zwar formal nicht zwingend Voraussetzung, zumindest für freie Wissenschaftsjournalist:innen. Da es sich im Bereich Wissenschaftsjournalismus in der Regel aber um die Darstellung sehr komplexer Zusammenhänge handelt und wissenschaftliche Arbeiten verstanden und interpretiert werden müssen, ist das entsprechende Fachwissen generell Voraussetzung. Die Tätigkeit als Wissenschaftsjournalist ist eine mögliche Alternative zu einer akademischen Karriere; eine Promotion kann dabei durchaus von Vorteil sein.
Doch fachliche Expertise allein macht noch keinen guten Wissenschaftsjournalisten – auch auf die richtige Schreibe kommt es an. Praktika bei journalistischen Medien, bei denen das nötige Handwerkszeug vermittelt und der Stil geschliffen wird, sind empfehlenswert.
Die beste Voraussetzung ist ein Volontariat. Diese praktische journalistische Ausbildung bei einem Medium oder einer Journalistenschule dauert meist zwei Jahre, kann aber mit einem Hochschulabschluss bei entsprechender Leistung auf anderthalb Jahre verkürzt werden. Ohne mindestens den Bachelor ist die Chance auf ein Volontariat sehr gering, gerade in einer Wissenschaftsredaktion.
Arbeitgeber: Wo arbeiten Wissenschaftsjournalist:innen?
Wissenschaftsjournalist:innen und -redakteur:innen können grundsätzlich überall dort arbeiten, wo es Wissenschaftsredaktionen gibt – also zumeist bei größeren regionalen und überregionalen Zeitungen, Zeitschriften und Magazinen, bei TV-Sendern, dem Hörfunk oder auch Verlagen. Eher selten sind Beiträge für kleinere Lokalredaktionen oder nicht-wissenschaftliche Redaktionen; hier können Wissenschaftsjournalist:innen aber durchaus als Expert:innen und Interviewpartner:innen fungieren.
Bekannte Wissenschaftsmagazine und damit mögliche Arbeitgeber sind beispielsweise
- National Geographic
- Spektrum der Wissenschaft
- Scinexx
- Bild der Wissenschaft
- Welt der Wunder
- ZEIT Wissen
- P.M.
- Geo
Beim Fernsehen zählen Formate wie „Galileo“, „Quarks“, „Planet Wissen“, „nano“ oder auch „Wissen macht Ah!“ zu den bekanntesten Sendungen, beim Hörfunk gibt es diverse Wissens-Podcasts wie „IQ – Wissenschaft und Forschung“, „Radiowissen“, „SWR2 Wissen“ oder selbstverständlich auch der ZEIT WISSEN Podcast „Woher weißt du das?“. Zumeist werden wissenschaftsjournalistische Beiträge von öffentlich-rechtlichen Sendern (TV und Rundfunk) produziert und ausgestrahlt, doch auch private Sender haben Bedarf an Wissenschaftsjournalist:innen.
Aufgaben von Wissenschaftsredakteur:innen
Die Aufgaben eines Wissenschaftsredakteurs bzw. einer -redakteurin hängen von seiner Position in der Wissenschaftsredaktion sowie deren Ausrichtung und Zielgruppe ab. Zu den zentralen Tätigkeiten zählen grundsätzlich neben dem Verfassen von Artikeln auch
- das Redigieren und Einpflegen von Texten,
- die Themensuche und eventuell Konzeption einer Ausgabe,
- das Führen von Interviews
- sowie gegebenenfalls auch die Beauftragung und Anleitung von (freien) Mitarbeiter:innen.
Auch die Beantwortung von Leserbriefen und die Zusammenarbeit mit der Grafik- sowie Anzeigen- oder Marketingabteilung des Verlags können zum Aufgabenfeld von Wissenschaftsredakteur:innen gehören.
Aufgaben von freien Wissenschaftsjournalist:innen
Freie Wissenschaftsjournalist:innen verfassen Artikel oder Beiträge entweder nach Beauftragung durch eine Redaktion oder auf eigene Faust – dann gilt es den Artikel zu verkaufen. Eine gute Kommunikationsfähigkeit, Überzeugungskraft, Verhandlungsgeschick und ein gewisses Gefühl für Finanzen und Wirtschaftlichkeit sollten neben dem notwendigen Fachwissen vorhanden sein.
Intensive Recherche und Interviews mit Wissenschaftler:innen und Expert:innen nehmen meist den Hauptteil der Arbeitszeit ein, dazu kommt das eigentliche Verfassen des Textes oder die Produktion des Beitrags.
Gehalt: Was verdienen Wissenschaftsjournalist:innen?
Pauschal lässt sich über das Gehalt von Wissenschaftsjournalist:innen und -redakteur:innen keine Aussage treffen, da es von verschiedenen Faktoren abhängt: Für welches Medium arbeitet er oder sie? Print, Online, Hörfunk oder TV? Bei einem öffentlich-rechtlichen Sender? Und wenn er oder sie Freiberufler:in ist: Wie viele Artikel oder Beiträge pro Monat veröffentlicht er oder sie – und wo?
Laut dem Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit liegt das jährliche Bruttoeinkommen von Journalist:innen in Deutschland im November 2025 im Schnitt bei rund 65.700 Euro; bei Onlineredakteur:innen liegt es demnach bei rund 57.600 Euro. Generell lässt sich sagen: Je größer der Verlag oder das Medienunternehmen, desto höher sind auch meist die Gehälter und Honorare. Da Wissenschaftsjournalist:innen tendenziell eher für größere regionale oder überregionale Medien arbeiten, bewegt sich ihr Verdienst eher im oberen Bereich der Gehaltsspanne.
Gehälter von festangestellten Wissenschaftsredakteur:innen
Grundsätzlich gibt es für festangestellte Journalist:innen vor allem bei Printmedien Tarifverträge. Wie eine Auflistung der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten Union in ver.di aufzeigt, gehen aber nur sehr wenige Verlage eine Tarifbindung ein. Die realen Gehälter liegen häufig deutlich unter den tariflichen Vorgaben. Ausnahmen bestätigen die Regel: Vor allem große Verlagshäuser bezahlen Print-Journalist:innen nach (Haus-)Tarif. Die Online-Kolleg:innen bekommen aber auch hier meist niedrigere Gehälter.
Beispielhaft im Folgenden eine Übersicht über die Gehälter von Redakteur:innen bei Tageszeitungen laut dem Tarifvertrag des Deutschen Journalisten-Verbandes.
Gehaltstabelle für Redakteur:innen bei Tageszeitungen 2025/2026
| Zeitraum | bis 28.02.25 | ab 01.03.25 | ab 01.05.25 | ab 01.02.26 | ab 01.02.27 |
|---|---|---|---|---|---|
|
1.-4. Berufsjahr |
3.591 € |
3.691 € |
3.781 € |
3.894 € |
4.004 € |
|
ab 5. bis 8. Berufsjahr |
4.078 € |
4.178 € |
4.268 € |
4.396 € |
4.506 € |
|
ab 9. bis 14. Berufsjahr |
4.706 € |
4.806 € |
4.896 € |
5.043 € |
5.153 € |
|
ab dem 15. Berufsjahr |
5.178 € |
5.278 € |
5.368 € |
5.529 € |
5.639 € |
Die öffentlich-rechtlichen Sender haben mit der Gewerkschaft ver.di jeweils eigene Haustarifverträge abgeschlossen. Beim NDR beispielsweise erhalten Redakteur:innen zwischen 4.719 und 11.972 Euro brutto monatlich (Vergütungsgruppe 4, Stufe 1 und Vergütungsgruppe 1, Stufe 6).
Freie Wissenschaftsjournalist:innen: Auftragsabhängiges Einkommen
Freiberuflich tätige Journalisten haben den Vorteil, dass sie selbst entscheiden können, wann, wo und für wen sie arbeiten. Der Nachteil: Können sie aufgrund ausbleibender Aufträge, Krankheit oder Urlaub keine Artikel verkaufen, verdienen sie auch nichts. Laut einem frei tätigen Hamburger Wissenschaftsjournalisten honorieren überregionale Zeitungen (ob Print oder Online) längere Texte mit 250 bis 300 Euro. Bei Wissenschaftspublikationen und Magazinen werden 600 bis 2000 Euro Honorar bezahlt, letzteres allerdings nur für sehr umfangreiche Beiträge.
Ein Sonderfall sind sogenannte Fest-Freien oder Pauschalisten – Freiberufler, die aber ein vertraglich geregeltes Einkommen für ein festgelegtes Auftrags- oder Stundenpensum bekommen, inklusive Kündigungsfrist. Der Unterschied zu festangestellten Redakteuren besteht darin, dass der Arbeitgeber keine Sozialabgaben bezahlt. Dafür ist der Journalist nicht weisungsgebunden, er kann selbst entscheiden, welche Aufträge er annimmt und wann und wo er sie im Rahmen der vertraglichen Bedingungen erledigt. Dieses Modell wird aber gerade in den größeren Verlagshäusern nur noch selten angewandt, da hier die Gefahr einer Scheinselbstständigkeit und damit daraus folgender Klagen und Strafzahlungen groß ist.