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Interview: Dr. Franziska M. Hoffart
„Es fehlt uns an Zeit, Ressourcen und Wertschätzung für eine gute Wissenschaftskommunikation“

Wissenschaftskommunikation: Eine Frau mit Megafon vor blauem Himmel

Wissenschaftskommunikation: Die Gesellschaft über relevante Forschung informieren © baona / iStock.com

Die Ökonomin Dr. Franziska M. Hoffart forscht zur Energiewende. Wir haben mit ihr über die Relevanz und die Herausforderungen einer guten Wissenschaftskommunikation gesprochen.

Aktualisiert: 29.04.2024

Von: Hanna Hülsken
Köpfe der Wissenschaft Akademische Laufbahn Wissenschaftstransfer Promotion Postdoc-Phase Professur

Artikelinhalt

Relevanz von Wissenschaftskommunikation Wichtig: Reflektion der eigenen Rolle Wie bekommt man Aufmerksamkeit? Herausforderungen und Chancen von WissKomm Zur Person: Dr. Franziska M. Hoffart

Relevanz von Wissenschaftskommunikation

academics: Franziska, Wissenschaftskommunikation wird allgemein als essenziell angesehen. Aber warum ist es überhaupt wichtig, Forschungsthemen für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen?  
Dr. Franziska M. Hoffart: Die Frage ist spannend. Ich stelle sie mir oft im Rahmen meiner ökonomischen Forschung zur sozial-ökologischen Transformation. Mich interessiert nicht nur, was die Transformation aufhält oder beschleunigt, sondern ob und welchen Beitrag Forscher:innen leisten können und sollten. In meiner Forschung argumentiere ich dafür, dass Wissenschaftler:innen eine gesellschaftliche und akademische Verantwortung haben, die unter anderem genau das beinhaltet, nämlich Forschung öffentlich zugänglich zu machen.

Das kann unter anderem vom praktischen Ziel der Wissenschaft, das Leben zu verbessern, abgeleitet werden. Zudem sehe ich einen Bedarf bei gesellschaftlichen Akteuren und die Notwendigkeit, dies in Zeiten der Krise zu tun. Zusätzlich zum intrinsischen Wert, den Wissen hat, scheint es mir wichtig, um die Finanzierung von und das Vertrauen in Forschung sicherzustellen. Ich hoffe auch, dass so Verständnis dafür entsteht, was Wissenschaft leisten kann und welche Bedingungen wir brauchen.

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Wichtig: Reflektion der eigenen Rolle in der Gesellschaft

Hast du durch deine Erfahrungen eine Art Leitfaden entwickeln können, an dem du dich bei deinen Auftritten als Wissenschaftlerin in den (sozialen) Medien orientierst?
Nein, einen Leitfaden habe ich nicht. Was mich leitet, ist meine Forschung, eine gewisse Neugier und das Interesse, mit anderen in den Austausch zu kommen. In den sozialen Medien besteht mein Netzwerk größtenteils aus Forscher:innen und Expert:innen aus dem Energie- und Nachhaltigkeitsbereich. Ich mag es, Artikelempfehlungen und Einschätzungen anderer zu lesen, was in Academia gut und schlecht läuft, welche neuen Erkenntnisse auf Events diskutiert wurden. So gestalte ich auch meine Inhalte und teile das, was mich als Wissenschaftlerin beschäftigt.

Wichtig ist mir dabei, meine Rolle als (Nachwuchs)wissenschaftlerin in der Gesellschaft offen zu reflektieren. So kann Academia greifbarer und hoffentlich zugänglicher werden. Wenn ich mit der Presse spreche, stehen für mich Fakten im Vordergrund. Mir ist auch wichtig, die anstehende Nachhaltigkeitstransformation trotz der katastrophalen Konsequenzen des Klimawandels als Chance für einen wünschenswerten Wandel darzustellen. Denn das ist sie für mich.

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Welche Erfahrungen hast du bei deinem letzten Kontakt mit den Medien gemacht und worum ging es dabei?
Anfang des Jahres hatte ich zum Beispiel eine sehr positive Erfahrung. Einer meiner Co-Autoren und ich wurden vom Wall Street Journal zum Thema Erdgas und Klimaschutz interviewt. Wir haben im Gespräch dargelegt, warum der Ausbau der fossilen Erdgasinfrastruktur ein Hindernis für die Energiewende ist und Erdgas keine sogenannte Brückentechnologie zu einer nachhaltigen und emissionsfreien Zukunft darstellt.

Wir wurden gebeten, eine wissenschaftliche Einschätzung zu den steigenden Investitionen im Erdgassektor zu geben, die in den USA und weltweit auftreten. Mit Bezug auf unseren Fachartikel haben wir dargelegt, dass wir diese Entwicklung kritisch betrachten, da diese Investitionen ökonomisch riskant sind und nicht mit den Klimazielen vereinbar sind.

„Sicherheit ist auch für Freigeister der Wissenschaft wichtig und die Grundlage für den Mut, etablierte Forschung um innovative neue Methoden und Ideen zu ergänzen.“

Dr. Franziska M. Hoffart

Wie bekommt man Aufmerksamkeit?

Wie kam es denn dazu, dass du vom Wall Street Journal interviewt wurdest? 
Grundlage für dieses Interview waren unser Fachartikel und die engagierte Presseabteilung meiner ehemaligen Universität, der Ruhr-Universität Bochum. Bei hochrangigen Publikationen leistet die Abteilung Unterstützung, indem sie eine Pressemitteilung erstellt und an nationale sowie internationale Verteiler versendet. Diesen wertvollen Tipp gab mir ein befreundeter Professor!

Normalerweise wird dann der sogenannte corresponding Autor angesprochen. So auch in unserem Fall. Im Autorenteam haben wir festgelegt, wer am Interview teilnimmt. Idealerweise erhalten wir vorab Informationen darüber, wie die Inhalte verwendet werden sollen und zu welchem Zeitpunkt ein Artikel geplant ist. Während des Interviews haben mein Kollege und ich ergänzend geantwortet. Besonders geschätzt habe ich die klare Kommunikation des Journalisten über den Ablauf des Interviews und die nächsten Schritte.

Gibt es bestimmte Verhaltensweisen, die du als Wissenschaftskommunikatorin versuchst zu vermeiden? Wenn ja, warum? 
Ehrlich gesagt verstehe ich mich gar nicht als Wissenschaftskommunikatorin. Ich bin Wissenschaftlerin und forsche angetrieben von Neugier zu gesellschaftlich relevanten Themen. Dazu gehört es für mich, über Forschung und meine Erkenntnisse zu schreiben und zu sprechen.

Die Unterscheidung ist wichtig, denn sie macht deutlich, dass das Forschen im Fokus steht und Kommunikation dazu gehört. Es ist keine zusätzliche Tätigkeit, für die ich in eine andere Rolle schlüpfe. Das hat viel mit meinem Selbstverständnis als Wissenschaftlerin zu tun. Ich versuche alles zu vermeiden, was nicht der guten Praxis der Wissenschaft entspricht. Mir ist es wichtig, die Kernbotschaft für die Zielgruppe passend zu formulieren, die Annahmen, Grenzen und Implikationen meiner Ergebnisse deutlich zu machen und Unsicherheiten klar zu bekennen. Gerade Letzteres mögen die Medien weniger gerne.

Herausforderungen und Chancen von WissKomm

Welche Herausforderungen erlebst du bei der Kommunikation von Wissenschaft als Postdoc-Wissenschaftlerin? Welche Erfahrungen hast du bisher bei der Wissenschaftskommunikation gemacht?
Ich erlebe, dass Wissenschaftler:innen eher zögerlich sind, über akademische Kreise hinaus, zum Beispiel in sozialen Medien, zu kommunizieren. Gleichzeitig scheint das gerade Wissenschaftler:innen meiner Generation immer früher in der Karriere ein besonderes Anliegen zu sein. Digitale Medien bieten heutzutage mehr Möglichkeiten, und die aktuellen Krisen verstärken das Bedürfnis, mit unserer Forschung einen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten. Doch sind wir kaum darauf vorbereitet.

Hinzu kommen die steigenden Herausforderungen für Wissenschaftler:innen, die noch keine Festanstellung haben: Die Gesellschaft wünscht sich mehr Kommunikation, während in Berufungskommissionen mehr Publikationen und Drittmittel als je zuvor verlangt werden. Gleichzeitig verschlechtern sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen. Das passt nicht zusammen. Dadurch fehlt es uns an Zeit, Ressourcen und Wertschätzung für eine gute Wissenschaftskommunikation.

Was ist deine Vision für die Zukunft im Bereich der Transformations- und Energieforschung?
Als Forscherin in einer frühen Karrierephase kann meine Antwort nur folgende sein: Mehr entfristete Stellen und Tenure-Track-Professuren sowie Anerkennung für Transfer und Interdisziplinarität! Sicherheit ist auch für Freigeister der Wissenschaft wichtig und die Grundlage für den Mut, etablierte Forschung um innovative neue Methoden und Ideen zu ergänzen, wie es in meinem Bereich gut wäre.

In einem System, in dem Artikel häufiger zitiert werden und Erfolgsquoten für Anträge steigen, je näher sie an etablierter Forschung sind, kann dieser Mut die Karriere erschweren. Das ist schade und nicht im Sinne des Erkenntnisgewinns.

Die Ökonomin Dr. Franziska Hoffart forscht zur Energiewende

© Phil Dera / DIE ZEIT

Zur Person: Dr. Franziska M. Hoffart

Die Wissenschaftlerin Dr. Franziska M. Hoffart ist Expertin im Feld der Energie- und Transformationsforschung. Zurzeit ist sie am Soziologischen Forschungsinstitut Göttingen (SOFI) im Rahmen des DFG-Forschungsprojekts NFDI4Energy und als Associate Researcher am DIW Berlin tätig. Als Ökonomin und Philosophin setzt sich Dr. Hoffart mit ihren Projekten, Publikationen und Vorträgen für eine nachhaltige Zukunft ein und betont in diesem Zusammenhang auch die soziale Verantwortung von Wissenschaftler:innen. 

Dr. Franziska M. Hoffart ist Gewinnerin diverser Stipendien, Fellowships und Preise. Sie ist Co-Autorin eines Buches zur verantwortungsvollen Klimaökonomik und veröffentlicht ihre Forschung in renommierten Fachzeitschriften wie beispielsweise Nature Energy.

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    Alternative Career Paths in Academia and Beyond

    Datum October 20, 2026
    Zeit 4.30 p.m.
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    Redner Dr. Michaela Hergersberg (Karrierecoach München)

    It doesn’t always have to be a professorship: After completing your doctorate, many career paths connected to academia are open to you. These include roles in research management, patents or alumni relations, technology transfer, communications, and consulting. In our free online seminar, you will gain an overview of the available options, the qualifications required, and how to plan your next career move.

    This online seminar will be held in English.

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    Perspektive HAW-Professorin – Online-Seminar für Frauen und weiblich gelesene Personen

    Datum Mi, 18.11.2026
    Zeit 09:15 bis 11:15
    Redner Prof. Dr. Lydia Göse (TH Wildau)
    Redner Marianne Löhndorf (TH Lübeck)

    Wie gelingt der Weg zur HAW-Professur? Und welche Fragen stellen sich dabei ganz besonders für Frauen?

    Gemeinsam mit dem Fellowship-Programm „Zia – Visible Women in Science“ wollen wir diese und weitere Fragen in einem kostenfreien, interaktiven Online-Seminar rund um den Karriereweg HAW-Professur beantworten.

    Neben Einblicken in Voraussetzungen, Berufungsverfahren und den Berufsalltag geht es vor allem um Themen, die Frauen auf ihrem Karriereweg bewegen: Wie lässt sich eine Professur mit Familie und Privatleben vereinbaren? Welche Hürden können auf dem Weg entstehen? Und was hilft dabei, den nächsten Karriereschritt selbstbewusst zu gehen?

    Infos und Tipps aus erster Hand kommen dabei von Prof. Dr. Lydia Göse (TH Wildau), mit der wir über ihren persönlichen Weg zur Professur sprechen, und Marianne Löhndorf (TH Lübeck), die Einblicke in Berufungsverfahren und Karrierewege gibt.

    Besonders wichtig: Dieses Webinar lebt vom Austausch. In einem eigenen Networking-Block haben die Teilnehmerinnen Raum, miteinander ins Gespräch zu kommen, Fragen zu stellen, Erfahrungen zu teilen und neue Kontakte zu knüpfen. Die Teilnehmerinnenzahl ist deshalb auf 250 limitiert.

    Das Online-Seminar findet in Kooperation mit der Kampagne „Karriere mit Wirkung“ und dem Fellowship-Programm „Zia – Visible Women in Science and Humanities“ der ZEIT statt.

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